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Die Corona-Pandemie hat den Anstieg der Mietpreise nicht gebremst. Sie steigen weiter. In den bayerischen Regionen sogar stärker als in München.

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Mieten auf dem Land steigen noch stärker als in München

Die Corona-Pandemie hat den Anstieg der Mietpreise nicht gebremst. Sie steigen weiter. In den bayerischen Regionen sogar stärker als in München. Die Arbeit aus dem Homeoffice könnte sogar zu einem weiteren Zuzug auf dem Land führen.

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Von
  • Lisa Wurscher

Kellnerin Sandra Fischer und ihr Lebensgefährte sind auf Wohnungssuche. Sie müssen aus ihrer Mietwohnung in Bad Reichenhall ausziehen, weil der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat. Seit der Kündigung vor einem halben Jahr suchen sie nach einem neuen Zuhause. Bislang vergeblich. Ihrer Meinung nach seien zu viele Luxuswohnungen und kaum bezahlbare Wohnungen gebaut worden.

Wo sind die Wohnungen für die Mittelschicht?

"Ich würde mir wünschen, dass für Leute wie uns, also für die Mittelschicht, wieder Wohnungen gebaut werden und nicht nur im Luxussegment", sagt Fischer, die seit sechs Jahren in Bad Reichenhall im Berchtesgadener Land lebt. 580 Euro Kaltmiete zahlen sie und ihr Lebensgefährte Michael Frummet für eine 60-qm-Erdgeschosswohnung mit kleinem Garten. Doch schon bald müssen sie dort raus.

"Das ist total frustrierend"

Bei der Wohnungssuche stellte sie fest: Es sind nur sehr wenige Wohnungen auf dem Markt und wenn, dann im gehobenen Preissegment. Ein exklusives Penthouse-Appartement mit großer Dachterrasse für 1.800 Euro – wie sie in der lokalen Tageszeitung angeboten wird - kann sich das Paar nicht leisten. Beide arbeiten Vollzeit in der Gastronomie und waren wegen der Corona-Maßnahmen monatelang in Kurzarbeit. Wie ihre berufliche Zukunft aussieht, ist derzeit völlig ungewiss.

Bei Sandra und Michael wächst die Sorge, wegen der Wohnungskündigung bald auf der Straße zu stehen. Für die wenigen in Frage kommenden Wohnungen ist die Anzahl der Bewerber groß. "Viele Makler oder Vermieter rufen noch nicht mal zurück. Das ist total frustrierend", ärgern sie sich.

Mietpreise in bayerischen Regionen ziehen an

Bezahlbarer Wohnraum ist mittlerweile auch außerhalb der bayerischen Ballungszentren zur Mangelware geworden. Rechtsanwältin und Mediatorin Christine Effner vom Mieterverein Chiemgau und Berchtesgadener Land beobachtet diese Entwicklung mit Sorge: Bezahlbarer Wohnraum – vor allem für junge Familien – werde hier extrem knapp. Es gebe viel mehr Nachfrage als Angebot.

"Die Leute bekommen verstärkt unwirksame Mieterhöhungen und akzeptieren sie aus Angst, ihre Wohnung zu verlieren und dann keine adäquate Wohnung mehr zu finden. Das ist eine ganz reale Angst," so Effner.

Die Mietpreise für Bestandswohnungen mit gutem Wohnwert haben sich in Bayern in den vergangenen zwanzig Jahren laut einer Studie fast verdoppelt: von 6,10 Euro pro Quadratmeter auf 11,20 Euro. Zum Vergleich: Die Mieten in der Landeshauptstadt München sind mit gut 17 Euro pro Quadratmeter zwar immer noch erheblich teurer. Die Steigerungsrate liegt aber mit nominal 68 Prozent unter dem bayerischen Durchschnitt von 84 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Mietmarktbericht des Immobilienverbandes IVD Süd.

In diesen Städten sind Mieten besonders teuer

Besonders teuer ist es dem Bericht zufolge in mittelgroßen Städten wie Neu-Ulm, Schweinfurt und Bamberg geworden. Zu den Spitzenreitern bei den größeren Städten zählen Augsburg und Würzburg. Den höchsten Wohnkostenanteil vom Einkommen müssen mit 30 Prozent nach wie vor Haushalte in München aufwenden, gefolgt von Regensburg mit 27 Prozent sowie Würzburg und Augsburg mit jeweils 26 Prozent.

Die Möglichkeit, dauerhaft im Homeoffice zu arbeiten, könnte nach Einschätzung von Stephan Kippes vom Immobilienverband IVD Süd mittelfristig dazu führen, dass immer mehr Menschen die Ballungszentren verlassen und in ländlichere Gegenden ziehen. Das würde die Wohnungsknappheit in den Regionen weiter verschärfen.

Immobilienbranche sieht Handlungsbedarf

Um zu verhindern, dass Wohnen in Bayern für Gering- und Normalverdiener unbezahlbar wird, sieht Immobilienexperte Kippes dringenden Handlungsbedarf. Dafür sei aber ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen nötig: "Mehr Werkswohnungen würde sehr helfen. Mehr Genossenschaftswohnungen würde sehr helfen. Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnflächen wäre eine sinnvolle Maßnahme," so Kippes.

Sandra Fischer und Michael Frummet aus Bad Reichenhall haben sich schon überlegt, wegen dem Wohnungsmangel aus Bad Reichenhall wegzuziehen: "Wir haben ernsthaft darüber nachgedacht, wieder zurück in unsere alte Heimat zu gehen, also Landkreis Regensburg oder Kelheim – aber wir haben gemerkt, dass es dort vom Wohnungsmarkt her auch nicht viel besser ist als bei uns."

Bleibt den beiden also nur, weiter nach einer bezahlbaren Zwei-Zimmer-Wohnung zu suchen und zu hoffen, dass Ihnen der Widerspruch gegen die Eigenbedarfskündigung noch ein wenig Zeit verschafft.

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