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Wirtschaft

Michelin: Widerstand gegen Werksschließung | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2019

Michelin-Werk in Hallstadt

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Michelin: Widerstand gegen Werksschließung

Der französische Reifenhersteller Michelin will sein Werk in Hallstadt bei Bamberg schließen. Der Betriebsrat wirft dem Unternehmen Vertragsbruch vor. Denn im gültigen Tarifvertrag gebe es eine Standortgarantie.

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Die Beschäftigten sind wütend. Die angekündigte Werksschließung sei ein Schlag ins Gesicht. Sie haben Einschnitte hingenommen und bei den Tarifverhandlungen auf Geld verzichtet, damit der Standort erhalten bleibt, sagt der Betriebsratsvorsitzende Josef Morgenroth. Der Tarifvertrag gelte deutschlandweit für alle Michelin-Werke. Darin festgehalten ist eine Standortgarantie bis Dezember 2022:

"Also wir können uns im Moment nicht vorstellen, dass dieser Vertrag irgendwo eine Lücke hat – dass man ein Werk schließen kann." Josef Morgenroth, Betriebsratsvorsitzender

Betriebsrat will vielleicht gegen Arbeitgeberverband klagen

Der Betriebsrat will das nun juristisch prüfen lassen und gegebenenfalls gegen den Arbeitgeberverband klagen. Die Geschäftsführung von Michelin sieht keinen Vertragsbruch. Betriebswirtschaftliche Gründe hätten sie zu dem Schritt gezwungen, erklärt der Werksleiter Jens Schlemmer. Denn die Nachfrage nach 16 Zoll Reifen im Premiumbereich sei um 20 Prozent eingebrochen und der Trend dauere an. 2021 hab das Werk in Hallstadt dann ein "massives Auslastungsproblem".

Der Grund für den Rückgang sei die starke Konkurrenz aus Asien und ein Trend zu anderen Fahrzeugmodellen wie SUVs und Elektroautos mit größeren Reifen. In Hallstadt werden aber hauptsächlich 16 Zoll Reifen produziert. Auf andere Reifengrößen zu wechseln, habe das Unternehmen versucht. Da Michelin aber auch noch an anderen Standorten in Deutschland andere Reifengrößen produziert, habe es keinen zusätzlichen Bedarf gegeben.

Schließung Anfang 2021

Ende Januar 2021 soll endgültig Schluss sein mit dem Michelin Werk. Für die Region Bamberg ein schwerer Schlag so der Bamberger Landrat Johann Kalb. Der Landrat und Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke wollen nun gemeinsam mit der Werksleitung, der Bayerischen Staatsregierung und dem Betriebsrat nach Wegen suchen, um die Krise abzumildern. Auf den frei werdenden Gewerbeflächen sollen sich Unternehmen aus anderen Branchen ansiedeln können. Michelin will das sogenannte Revitalisierungskonzept unterstützen. Was für Arbeitsplätze künftig auf dem Areal einmal entstehen und wie viele, ist offen.

© BR

Im oberfränkischen Hallstadt im Landkreis Bamberg wackeln viele Jobs. Der franzöische Reifenherstseller Michelin lässt dort seit fast 50 Jahren produzieren - will aber sein Werk dichtmachen. Eine Hiobsbotschaft für über 850 Mitarbeiter.