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Bildrechte: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Deshalb ist Home-Office viel stressiger als Büroarbeit

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Mental Load: Warum Arbeit im Homeoffice stressiger ist

Durch Homeoffice können soziale Kontakte im Arbeitsalltag heruntergefahren und Ansteckungen vermieden werden. Doch die Arbeit im Heim hat einige Nachteile. Wir machen den Mental-Load-Test und erklären, warum Homeoffice oft anstrengender ist.

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Von
  • Ferdinand Meyen

Wie hoch ist mein Mental Load? Das will ich heute herausfinden. Ich mache den Mental-Load-Selbsttest der Initiative Equal Care. Dazu muss ich 50 Fragen aus den unterschiedlichsten Kategorien beantworten: Bad, Küche, Klo, aber auch Kümmern um die Kollegen. Wenn ich etwas sehr häufig mache, bekomme ich drei Punkte, wenn ich etwas oft mache zwei und wenn ich es selten mache einen. Wenn ich etwas fast nie mache, bekomme ich gar keine Punkte. Mein Punktestand am Ende bestimmt, wie viel Stress ich an einem Arbeitstag habe.

Die Fragen: Wie oft buche ich einen Meetingraum? Wie oft bereite ich den vor? Wie oft kümmere ich mich um Snacks, Catering oder Getränke-Bestellungen? Wie häufig koche ich Kaffee?

Mental Load durch unsichtbare Care-Arbeit

Mental Load bezeichnet den Aufwand, den uns unsichtbare Tätigkeiten im Arbeitsalltag machen. Zum Beispiel das Organisieren von Haushalt und Familie im Privaten, aber auch das Sauberhalten des Arbeitsplatzes. Wer räumt die Pfandflaschen weg? Wer wischt die Schreibtische sauber? Wer besorgt Schokolade und Kekse für die anderen?

"Es sind dieselben To-Do's. Es ist eben das Wissen, das Darandenken, das immer auf dem Schirm haben und Vorausplanen von Dingen, für die niemand explizit beauftragt wurde", sagt Almut Schnerring von der Initiative Equal Care. Sie hat den Mental Load Test entwickelt und jetzt auf ihrer Webseite veröffentlicht. Er ist vor allem für Kollegen gedacht – damit bewusst wird, wer die unsichtbare Arbeit im Team eigentlich macht. Almut Schnerring will erreichen, dass diese Arbeit genauso wahrgenommen und wertgeschätzt wird wie die Arbeit, die bezahlt wird.

Ungleiche Verteilung von Care-Arbeit als Diskriminierungsmerkmal

Almut Schnerrings Argument: "Wenn man langfristig über dieses Thema spricht, dann wird klar, was für verheerende Folgen das hat.“ Denn diejenigen, die die Care-Arbeit machen, würden häufig noch kritisiert dafür, weniger zu schaffen.

Bei mir fällt der Mental Load Test im Büro eher ernüchternd aus. Ich merke: Die ganze unsichtbare Arbeit machen andere, in der Kantine wird mein Essen zubereitet, mein Geschirr abgespült, das Klo wird für mich geputzt. Aber – das betrifft nur die Arbeit im Büro. Im Homeoffice ist Arbeit für mich deutlich stressiger.

Homeoffice macht Care-Arbeit sichtbar

Mein Endergebnis: Wenn ich zuhause arbeite, ist mein Mental Load um circa 30 Punkte höher als im Büro. Aber immerhin – von mir verlangt auch niemand, dass ich zuhause die gleiche Menge abarbeite wie im Büro. Aber: Auch dort werde ich im Zukunft wohl auch mehr auf die unsichtbare Arbeit achten. Auch Initiatorin Almut Schnerring hofft, dass das Thema durch diese Verschiebung jetzt verstärkt auf die Tagesordnung rückt.

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