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Meister ohne Lehrlinge - ist Gesetzgeber gefragt?
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Peter Althammer
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Meister ohne Lehrlinge - ist Gesetzgeber gefragt?

Ein Neubaugebiet nördlich von München. Auf der grünen Wiese entstehen Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften, Reihenhäuser. Trotz hoher Preise sind sie heiß begehrt. Hier arbeitet Christian Faltermeier, 39 Jahre, Fliesenleger-Meister.

Tipps und Tricks - was Meister ungelernten Kollegen voraus haben

Nach seiner Ausbildung hat Christian Faltermeier 13 Jahre als Fliesenleger gearbeitet, sich dann aber letztes Jahr entschlossen, den Meister zu machen. Trotz Familie, Verdienstausfall und Kosten von rund 15.000 Euro.

"Ich habe mich immer gefragt: Was kann der Meister besser als ich als Fliesenleger? Und da muss ich feststellen: Er hat das Kaufmännische viel besser drauf, das Rechtliche viel besser drauf. Er lernt Tipps und Tricks in der Schule, die du als Fliesenleger oder als Nicht-Fliesenleger einfach nicht drauf hast. Dann wollte ich es meinen Kindern einfach nochmal zeigen, dass, wenn man Gas gibt, dass man dann was erreicht. Das Ansehen, finde ich, ist auch gestiegen als Meisterbetrieb. Man wird von Architekten ganz anders wahrgenommen." Christian Faltermeier, Fliesenleger-Meister

Einschätzung eines Fliesenleger-Meisters: "Der Markt ist katastrophal"

Früher, da war die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen für Christian Faltermeier so etwas wie ein Buch mit sieben Siegeln. Jetzt kann er damit umgehen - das sei in der Branche nicht die Regel.

"Der Markt ist katastrophal. Es kommt einfach von unten nichts mehr nach, weil der Meister nicht mehr ausbildet. Weil er einfach sagt: Er lernt nicht einem jungen Menschen das Fliesenhandwerk und nach drei, vier, fünf, sechs Monaten macht sich der junge Kerl einfach selbständig, ohne dass er irgendetwas können muss. Und somit würde ja der Meister einfach seinen eigenen Konkurrenten ausbilden - und das möchte der Meister halt einfach nicht." Christian Faltermeier, Fliesenleger-Meister

Seit Abschaffung der Meisterpflicht haben sich Betriebe mehr als verfünffacht

Die Zahlen des Bayerischen Handwerks belegen das. Zwar gibt es jetzt rund ein Viertel mehr Fliesenleger als noch vor zehn Jahren, aber die Zahl der Betriebe hat sich seit der Reform der Handwerksordnung mehr als verfünffacht. Fast jeder Fliesenleger ist heute als Ein-Mann-Betrieb tätig. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Auszubildenden deutlich zurückgegangen. Und: Letztes Jahr wurden nur noch 36 Meisterbriefe ausgestellt.

Handwerk und Handel suchen nach einer Gegenstrategie. Ihre Antwort: Fliesen, die in der Verarbeitung ein hohes Fachwissen erfordern, oft mit großflächigen Formaten. Die Zielgruppe sind anspruchsvolle Bauherren. Die können über 100 Euro pro Quadratmeter kosten. Schlechte Arbeit geht da ganz schnell richtig ins Geld. Käufer sind deshalb bereit, den höheren Fliesen-Verlegepreis eines Meisterbetriebs zu bezahlen.

Trend zum Niedriglohn bremst Qualitätsarbeit

Auch in den Wohnbereich halten immer öfter Fliesen Einzug. Auf die optisch einwandfreie Verarbeitung wird hier besonders Wert gelegt. An Meisterbetriebe haben Kunden deshalb hohe Erwartungen. Dennoch - der Trend zum wenig qualifizierten Fliesenleger ist ungebrochen. Oft überzeugen die deutlich niedrigeren Stundenlöhne. Das bremst Christian Faltermeiers Plan für den Ausbau seines Betriebs.

"Wenn ich weiß, er kann nach drei Monaten kündigen und er kann einfach seinen eigenen Betrieb aufmachen und ich stehe dann da und habe einen Konkurrenten mehr - das kann es einfach nicht sein. Ich werde jetzt erst einmal alleine bleiben und versuchen - oder hoffen -, dass die Politik endlich einmal ein Einsehen hat, dass der Meister einfach wiedereingeführt wird. Damit die Zukunft gesichert ist, damit man da wieder den Fachkräftemangel beseitigt." Christian Faltermeier, Fliesenleger-Meister

Christian Faltermeier hat seine Entscheidung für die Meisterprüfung noch keine Sekunde bereut. Aber er weiß: Ohne Gesetzesänderung ist es eine Fahrt ins Ungewisse.