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Mehr Homeoffice: Druck auf Unternehmen nimmt zu | BR24

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Symbolbild: Eine junge Frau arbeitet im Homeoffice.

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    Mehr Homeoffice: Druck auf Unternehmen nimmt zu

    Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft fordert Homeoffice "wo immer es geht" - betont aber auch die Grenzen der Heimarbeit. Doch der Druck auf die Unternehmen wächst: Bayerns Ministerpräsident Söder will sie zu zu konkreten Zielvorgaben drängen.

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    • BR24 Wirtschaft

    In der Debatte um mehr Homeoffice im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) an die Unternehmen appelliert, Mitarbeiter "wo immer es geht" zuhause einzusetzen. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt betonte in einer Mitteilung aber auch das Recht der Arbeitsgeber, über den Einsatzort ihrer Mitarbeiter zu entscheiden. "Das Recht des Arbeitgebers zu bestimmen, wann und wo die Arbeit zu leisten ist, bleibt davon unberührt".

    Brossardt wies auf die Grenzen des Homeoffice etwa in der Produktion oder im Dienstleistungsbereich hin. Die Heimarbeit müsse auf die aktuelle Notsituation beschränkt bleiben, denn "durch Homeoffice entstehen bereits jetzt Produktivitäts- und Kreativitätsverluste, die - jedenfalls mittelfristig - einen erheblichen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen befürchten lassen".

    Söder will Firmen zu konkreten Zielvorgaben drängen

    Bayerns Wirtschaft wehrt sich damit gegen lauter werdende Forderungen aus der Politik, mehr Arbeitnehmern in der Pandemie die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, voraussichtlich an diesem Mittwoch bei einem "Homeoffice-Gipfel" mit Arbeitnehmern und Gewerkschaften darüber zu sprechen. Man müsse überlegen, wie die Potenziale für Homeoffice besser ausgeschöpft werden könnten - bislang sei das noch nicht ausreichend der Fall. "Das muss fundamental verbessert werden", sagte Söder.

    Wenn das nicht funktioniere, müsse man vielleicht über "andere Maßnahmen" nachdenken. Söder sprach sich auch für Zielvereinbarungen aus, die es für alle einzuhalten gilt. "Wir brauchen dringend auch beim Homeoffice Zielmarken", sagte er. "Nicht jede Branche ist gleich, nicht jede Tätigkeit ist gleich. Aber die Bereitschaft generell muss deutlich erhöht und verbessert werden", verlangte der Ministerpräsident.

    Opposition kritisiert fehlende Vorgaben für Unternehmen

    Damit reagiert Söder auf Kritik aus der Opposition. Vor allem die Grünen hatten sich nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern dafür ausgesprochen, die Wirtschaft stärker in den Fokus zu nehmen. Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann hatte bereits am Freitag einen "Homeoffice-Gipfel" und einen "Pakt für Heimarbeit" gefordert. Auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze appellierte an die Staatsregierung, Homeoffice zum Standard zu machen.

    Arbeitgeber sind laut den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern zwar "dringend gebeten", Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen - eine Verpflichtung gibt es aber nicht. Ein Gesetzesentwurf sieht lediglich vor, dass Arbeitnehmer das Recht bekommen, ihren Homeoffice-Wunsch mit ihrem Arbeitgeber zu besprechen. Die Union ist gegen ein Recht auf Homeoffice, wie es die Gewerkschaften fordern.

    "Wir fordern einen Rechtsanspruch auf Homeoffice - jedenfalls da, wo es machbar ist", bekräftigte DGB-Chef Reiner Hoffmann gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Ebenso müsse sichergestellt werden, "dass niemand ins Home Office gezwungen werden kann".

    Arbeitsminister Heil appelliert an die Unternehmen

    Auch Arbeitsminister Hubertus Heil forderte die Unternehmen dringend auf, Beschäftigten in der Corona-Krise Homeoffice zu gewähren. "Willkürlich Homeoffice zu verweigern, wäre jetzt unverantwortlich", sagte er dem NDR. Er werde seinen Appell an Unternehmen, das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen, am Dienstag in einer Konferenz mit den Personalvorständen großer Firmen bekräftigen.

    Dort, wo kein Homeoffice möglich sei, müssten Hygiene-Auflagen strikt eingehalten werden, sagte Heil. Sonst könne er einen Stillstand auch in der Produktion nicht ausschließen.

    Homeoffice in vielen Bereichen nicht möglich

    Der Maschinenbauverband VDMA lehnt einen Zwang zur Arbeit im Homeoffice ab. "Auch in Corona-Zeiten müssen unsere Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und die Produktion aufrechterhalten", argumentierte VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.

    In vielen Bereichen ist Homeoffice gar nicht möglich, etwa im Lebensmitteleinzelhandel, der Pflege und in Fabriken. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beziffert den Anteil der Beschäftigten in Deutschland, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, auf 60 Prozent.