Autos stehen vor einer Mautstelle an einer Autobahn.

Sie gehören in vielen Ländern zum festen Bild: Mautstationen mit langen Schlangen. Ein Überblick über die wichtigsten Urlaubsländer der Bayern.

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    Mautgebühren: Das gilt in unseren Nachbarländern

    Mautgebühren: Das gilt in unseren Nachbarländern

    Wer mit dem Auto in den Sommerurlaub startet, kennt das: Auf vielen Strecken werden Autobahngebühren fällig, oft zusätzlich noch Tunnel- oder Brückengebühren. Was kostet es wo? Ein Überblick zur Sommerurlaubszeit.

    In Deutschland wurde sie nach langen und zähen Auseinandersetzungen und einem höchstrichterlichen europäischen Urteil nicht eingeführt - in vielen anderen Ländern der EU gibt es sie seit Jahren: die Straßenmaut für Pkw. Wie ist sie ausgestaltet, wie zu entrichten, wie entstanden? Einige Antworten:

    Österreich: Mittlerweile auch digital

    In Österreich ist das Maut-Pickerl, die Vignette, in diesem Jubiläumsjahr besonders schön: marillefarben. Aber an die Scheibe geklebt wird es fast nur noch von Touristen, die 10-Tage-Version für 9,60 Euro vor allem. Nach 25 Jahren Maut in Österreich ist das anfangs verhasste, jetzt gewohnte "Pickerl" ein Auslaufmodell. Einheimische nutzen die digitale Maut, kontrolliert wird per Kennzeichenerkennung, "ohne" wird kaum jemand erwischt, 99 Prozent der Kontrollierten haben bezahlt.

    Die Jahresvignette ist um Weihnachten herum ein beliebtes Werbegeschenk. Gekauft werden kann online bei der österreichischen Autobahn-Gesellschaft ASFINAG. Achtung: Wer als Privatkunde kauft, muss spätestens 18 Tage vor seiner Abfahrt kaufen, wegen des Rücktrittsrechts; wer es als Geschäftskunde macht, kann sofort losfahren. Die ASFINAG beteuert, dass so gut wie alle Millionen, die die Maut einspielt, für die Autobahnen ausgegeben werden. Das erwarten die österreichischen Autofahrer auch. Dafür gibt es keine große politische Diskussion über die Maut. Für teuer gebaute Transitstrecken wie den Brenner, die Tauernautobahn, den Katschbergtunnel, die Karawanken oder den Arlbergtunnel wird noch einmal eine Extra-Streckenmaut fällig, zusätzlich zum Pickerl. Nur da gibt es Mautstationen. Wer online gekauft hat, kann aber meist einigermaßen zügig durchfahren. Nur für Lastwagen gilt eine Maut nach gefahrener Strecke. Die Preise sind auch danach gestaffelt, wie viele Schadstoffe der Lkw ausstößt.

    Italien: Im Süden weniger als im Norden

    In Italien muss auf den meisten Autobahnen Maut gezahlt werden. Nach dem Auffahren wird an den Kontrollstellen ein Ticket gezogen, beim Ausfahren muss das Ticket in einen Automaten geschoben und dann bar oder per Karte bezahlt werden. Der Preis richtet sich nach den gefahrenen Kilometern. Es gibt auch ein Lesegerät zum Installieren an der Windschutzscheibe – sie zählen die zurückgelegten Autobahnkilometer automatisch, die entsprechende Maut wird dann vom Bankkonto eingezogen.

    Im Durchschnitt kostet in Italien ein Autobahnkilometer 7 Cent. Für eine Fahrt fast durchs halbe Land, von Mailand bis Rom, werden rund 42 Euro fällig. Günstiger ist es dann in Süditalien. Um der dort schwächeren Wirtschaft zu helfen, sind viele Autobahnabschnitte umsonst, wie beispielsweise die Strecke von Salerno nach Reggio Calabria oder auf Sizilien. Wichtigster Autobahnbetreiber ist die Gesellschaft Autostrade per l’Italia, die sich seit zwei Jahren überwiegend in Staatsbesitz befindet. Die Einnahmen aus der Maut sollen die Betreiber für die Instandhaltung der Autobahnen einsetzen. In der Regel sind diese auch in einem deutlich besseren Zustand andere Straßen im Land. Das größte "Straßendrama" in Italien, der Einsturz der Morandi-Brücke in Genua 2018, betraf allerdings eine Autobahn.

    Tschechien: Abrechnung zeitbezogen

    In Tschechien wurde die Autobahngebühr zum 1. Januar 1995 eingeführt. Damals entschied man sich gegen eine streckenbezogene Maut, weil eine zeitbezogene Lösung einfacher umsetzbar schien. Wer auf den tschechischen Fernstraßen fährt, muss seither spätestens hinter der Grenze entscheiden, ob er die Gebühr für zehn oder 30 Tage oder für ein Jahr entrichten will. Aktuell liegen die Sätze umgerechnet jeweils bei 18, 23 und 70 Euro. Für Fahrzeuge, die mit Erdgas oder Biogas betrieben werden, ist die Gebühr nur halb so hoch.

    Früher musste man eine Vignette kaufen und an der Windschutzscheibe ankleben. Seit Anfang 2021 ist das System der E-Vignette in Kraft. Die kauft man im Internet, gleichzeitig wird das Fahrzeugkennzeichen registriert. Die Überwachung erfolgt über die Mautbrücken, die früher für Lastwagen verwendet wurden. Diese werden inzwischen über ein satellitengestütztes System kontrolliert.

    Im ersten Halbjahr hat die E-Vignette dem tschechischen Fiskus knapp 170 Millionen Euro eingebracht. Das Geld, so wird der ARD aus dem Verkehrsministerium versichert, wird für Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur eingesetzt.

    Frankreich: Maut seit über 60 Jahren

    Frankreichs erste Autobahn wurde 1946 gleich nach dem Zweiten Weltkrieg im Pariser Umland auf etwa 20 Kilometern eröffnet. Heute hat das Land über 140 Autobahnen mit rund 12.000 Streckenkilometern. Drei Viertel davon werden über Konzessionen betrieben. Die Maut wurde 1955 eingeführt und hat bis 2003 den Bau von 7.600 Autobahn-Kilometern ermöglicht, das entspricht etwa 80 Prozent des Gesamtnetzes.

    Der größte Autobahnbetreiber ist Vinci mit über 4.000 Kilometern. Alle Betreiber kassieren für Erhalt und Ausbau eine Maut, deren Höhe nicht einheitlich festgelegt ist. Sie richtet sich nach gefahrenen Kilometern und nach der Fahrzeugklasse, aber auch danach, wo man fährt. Im Elsass oder in der Bretagne gibt es zum Teil kostenlose Abschnitte. Im Süden ist es besonders teuer. Auf günstigen Strecken ist man mit sechs Euro pro 100 Kilometer dabei, andere kosten dreimal so viel. Im Durchschnitt fallen pro Kilometer zirka neun Cent an. Auf autoroutes.fr kann man die Maut kalkulieren: Straßburg – Paris kostet demnach etwa 40 Euro, Paris – Marseille über 60. Außerdem können Tunnel und Brücken extra kosten. Der Mont-Blanc-Tunnel derzeit pro PKW rund 50 Euro, das Viadukt von Millau mindestens zwölf. Die Gebühren sind erst im Februar kräftig angehoben worden. Die Tarife stiegen um rund zwei Prozent. Einige Betreiber kassieren sogar vier Prozent mehr. Sie dürfen ihre Gebühren einmal im Jahr an die Inflation anpassen und Instandsetzungen einrechnen. Wer keine Maut zahlen will, nutzt die meist komfortablen Nationalstraßen.

    Mautgebühren sind in Frankreich immer auch ein politisches Thema. Ein Senatsbericht bestätigt, durch die Privatisierungsverträge hätte der Staat Milliarden verloren. Auch habe Emmanuel Macron in seiner Zeit als Wirtschaftsminister zu unternehmerfreundlich verhandelt. Im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf hat die Rechtsaußen-Politikerin Marine le Pen vorgeschlagen, die Autobahnen wieder zu verstaatlichen. Doch die Verträge laufen bis in die 2030er Jahre und ein Rückkauf würde, so schätzen Experten, bis zu 40 Milliarden Euro kosten. Die Verträge neu verhandeln sei besser.

    Bezahlen kann man die Maut übrigens per Kreditkarte und bar, oft aber nur mit Münzen. Oder elektronisch. Dafür bestellt man eine Mautbox und befestigt diese an der Windschutzscheibe. Dann darf man an den Mautstationen elegant durch die mit kleinem 't' für 'télépéage' beschrifteten Korridore fahren. Künftig will Frankreich diese Stationen durch Scanner ersetzen. Ein Test läuft zwischen Saarbrücken und Metz. Das soll den Verkehrsfluss erhöhen, Zeit sparen und Emissionen senken. Wie ausländische Nutzer gescannt werden, ist noch nicht ausgeklügelt. Finanziert wird die Neuerung dann über - höhere Mautgebühren.

    Schweiz: Vergleichsweise günstig

    In der Schweiz braucht man für die Autobahn eine Jahresvignette, die vorne an die Windschutzscheibe geklebt wird. Die Schweizer Autobahnvignette wurde 1984 eingeführt und war damals die erste in ganz Europa. Sie kostet vierzig Schweizer Franken, also zurzeit auch etwa vierzig Euro. Im Vergleich zu den sonstigen Lebenskosten in der Schweiz ist die Vignette sehr günstig – eine Bahnfahrt von einer Stunde ist oft schon teurer. Praktisch für Skiurlauber ist auch, dass die Vignetten immer von Anfang Dezember bis Ende Januar gelten – also 14 Monate lang. Das heißt: Wer mit dem Auto über Weihnachten und Neujahr in die Schweiz fährt muss sich nicht zwei Vignetten kaufen. Im vergangenen Jahr gingen mehr als ein Drittel der insgesamt neun Millionen verkauften Vignetten an ausländische Autobesitzerinnen und Autobesitzer.

    Die Erträge aus dem Verkauf der Autobahnvignetten fließen vollständig in den Bau, Betrieb und Unterhalt des Schweizer Nationalstraßen-Netzes. Um mehr Geld für den Straßenbau hereinzubekommen, wollte die Regierung vor ein paar Jahren den Vignettenpreis auf 100 Franken verteuern. Aber wie immer in der Schweiz hatte das Volk das letzte Wort und das war dann bei einer Volksabstimmung 'Nein'.

    Die Schweizer Autobahnvignetten sind auch ein beliebtes Sammelobjekt. Nicht nur die Jahreszahl wechselt, sondern auch die Farbe, Dieses Jahr ist die Vignette violett. Und ab dem kommenden Jahr entmaterialisiert sie sich: Dann wird es auch in der Schweiz möglich sein, statt der Klebevignette eine E-Vignette zu kaufen.

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