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Der Preis für Möbel- und Bauholz steigt seit Monaten. Dazu kommen massive Lieferengpässe. Jetzt drohen Verzögerungen beim Bau von Häusern und Kostensteigerungen bei Möbeln. Und ein Ende der Holzkrise scheint nicht in Sicht zu sein.

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Mangelware Holz: Schreiner und Zimmerer schlagen Alarm

Der Preis für Möbel- und Bauholz steigt seit Monaten. Dazu kommen massive Lieferengpässe. Jetzt drohen Verzögerungen beim Bau von Häusern und Kostensteigerungen bei Möbeln. Und ein Ende der Holzkrise scheint nicht in Sicht zu sein.

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Von
  • Karsten Böhne

Eigentlich würden sich im Lager der Firma Holzbau Fichtl aus Windach in der Nähe vom Ammersee die Balken bis unter die Decke stapeln. Doch jetzt herrscht hier Leere. Nachschub – Fehlanzeige.

Früher konnte Firmenchef Stefan Fichtl den Rohstoff für seine Holzhäuser mit einer Woche Vorlauf bestellen, jetzt muss er bis zu acht Wochen warten, bis geliefert wird. Er rechnet damit, dass die Situation die nächsten Wochen und Monate noch schwieriger wird.

Handwerker warten verzweifelt auf Holzlieferungen

Schreinermeister Roland Endl aus Winzer bei Deggendorf hat das gleiche Problem. Holz, das er für seine tägliche Arbeit benötigt, sei kaum noch verfügbar, sagt er. Selbst furnierte Platten oder weiße Spanplatten seien vergriffen und frühestens nach Ostern lieferbar. Und auch das sei ungewiss.

Man müsse den täglichen Arbeitsprozess ständig an die Verfügbarkeit der Ware anpassen. Wenn man aber die Arbeit ständig unterbrechen und neu beginnen müsse, sei dies ineffektiv und koste Geld, so Roland Endl.

Das Holz geht in die USA – weil dort besser bezahlt wird

Der Grund für die Lieferprobleme in ganz Deutschland ist, dass viel verarbeitetes Holz derzeit in die USA verkauft wird. Wegen Corona hat die Holzindustrie dort ihre Produktion heruntergefahren. Aber der Bedarf ist enorm.

Weil die Amerikaner höhere Preise zahlen als die Händler hierzulande, geht das Holz eben ins Ausland. Das Nachsehen haben Handwerksbetriebe hierzulande, die auf die Ware angewiesen sind.

Verzögerungen beim Hausbau drohen

Der Lieferengpass könnte in Zukunft auch zu Verzögerungen beim Hausbau führen, warnt Alexander Kirst vom Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks. Je höher der Holzanteil, desto größer die Gefahr. Man könne sicherlich das ein oder andere zeitlich puffern, aber irgendwann sei auch Schluss mit dem Austarieren mehrerer Baustellen nebeneinander.

Holzpreis schießt in die Höhe

Ein weiteres Problem, so Kirst, sei der steigende Preis für industriell verarbeitetes Holz. So hätten Handwerker vor einem Jahr etwa 250 Euro für einen Kubikmeter Konstruktionsvollholz bezahlt, jetzt liege der Preis bei etwa 450 Euro. Allein im vergangenen Monat sei der Preis um 30 Prozent angestiegen. Zimmermeister Stefan Fichtl berichtet sogar von Preiserhöhungen von bis zu 60 Prozent seit Herbst.

Möbel teurer – Einbußen für die Betriebe

Für seinen Betrieb bedeutet das Mehrkosten von schätzungsweise 120.000 Euro dieses Jahr, die er nicht auf die Kunden umlegen kann. Die zahlten das, was im Vertrag stehe. Schreinermeister Roland Endl hingegen hat auch kurzfristige Aufträge, die er dann mit dem aktuellen Holzpreis kalkulieren kann. Da kostet der Schrank den Kunden dann vielleicht etwas mehr als vor ein paar Monaten.

Das Schlimmste für ihn ist die Ungewissheit, ob er Aufträge überhaupt erledigen kann. Wie viele andere Handwerker hofft der Schreiner, dass sich die Lage in den kommenden Monaten wieder etwas entspannt.

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