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Mächtig und unbekannt – Der Vermögensverwalter BlackRock | BR24

© dpa/picture alliance

BlackRock in New York

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    Mächtig und unbekannt – Der Vermögensverwalter BlackRock

    BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt und dennoch bei vielen unbekannt – bis jetzt. Denn nun will der Aufsichtsratsvorsitzende des Deutschlandgeschäftes, der ehemalige Spitzenpolitiker Friedrich Merz, CDU-Vorsitzender werden.

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    BlackRock verwaltet ein Vermögen von gut 5,5 Billionen Euro , ausgeschrieben also fünftausendfünfhundert Milliarden Euro. „Verwalten“ bedeutet Kundenvermögen anzulegen und dafür Menschen und Technik bereitzustellen. Hierbei ist BlackRock Marktführer und diese Dienstleistung ist es im Kern, mit der BlackRock 2017 knapp elf Milliarden Euro umsetzte und daraus einen Gewinn von 4,37 Milliarden Euro zog.

    Viele Menschen haben Geld bei BlackRock – ohne es zu wissen

    Versicherungen, Pensionsfonds, Zentralbanken, Stiftungen – also Kapitalsammelstellen aller Art: Das ist die weltweite Kundschaft von BlackRock und dadurch sind die meisten Menschen mit ihren Beiträgen oder Sparvermögen indirekt ebenfalls Kunden. Oder wer bei seiner Direktbank einen Indexfonds auf den DAX kauft, landet mit einiger Wahrscheinlichkeit bei einem Podukt von ishares, einer Tochter von – genau: BlackRock. Die für sie überragende Bedeutung, von der Herr und Frau Normalsparer oft nichts ahnen, erwähnt BlackRock selbst in seinen Geschäftsberichten: „Rund zwei Drittel der von BlackRock im Auftrag seiner Kunden verwalteten Vermögenswerte betreffen die Altersvorsorge“.

    Wem gehört Black Rock ? – Der erste Eindruck täuscht

    Als Aktiengesellschaft gehört BlackRock seinen Aktionären – momentan 1301 natürlichen oder juristischen Personen. Doch der plurale Eindruck großer Streuung von Interessen täuscht aus zwei Gründen. Erstens sind die vier Hauptaktionäre von BlackRock selber Investmentgesellschaften. Deren Investitionsverhalten bewegt Märkte, wirkt sich auf hunderttausende von Jobs aus und kann die Wohlfahrt gesamter Volkswirtschaften beeinflussen.

    Zweitens existiert eine große personelle Verflechtung der Männer und Frauen, die dieses Geschäft betreiben – über Aufsichtsräte, Firmenübernahmen und Überkreuzverflechtungen. Besonders stark diskutiert werden die Verbindungen zwischen BlackRock und dem Finanzimperium der Rothschildt-Familie. So arbeitete BlackRock Vorstand Larry Fink bis 1992 unter dem Vorstand Randall Rothschild bei Blackstone, der größten Immobilienfirma der Welt. 2009 kaufte Fink die Vermögensverwaltung der britischen Barclays-Bank.Forscher der eidgenössischen technischen Hochschule Zürich haben 2011 in einer seriösen Studie die überaus engen Verflechtungen im internationalen Finanzgeschäft herausgearbeitet.

    An welchen Unternehmen ist BlackRock beteiligt?

    Als Aktionär beteiligt an tausenden Unternehmen weltweit, ist BlackRocks Einfluss auf Produkte, Jobs und auch Standorte enorm. Mindestens genauso atemberaubend ist der Blick auf die Unternehmen, deren Miteigentümer BlackRock ist. Auch viele „bayerische“ DAX-Unternehmen gehören dazu, von Allianz und Münchner Rück über Siemens, adidas, Linde und Infineon bis zu BMW.

    BlackRock und die politischen Verflechtungen

    Formell Vorsitzender des Aufsichtsrats von BlackRock seit 2016, ist Friedrich Merz ein weiteres Beispiel für ehemalige politische Funktionäre, die dem Unternehmen dienen. Prominentestes Beispiel ist vielleicht Philipp Hildebrand, ehemaliger Chef der Schweizer Notenbank, Inhaber einer der wichtigsten Positionen der Finanzwelt. Er wechselte 2012 sogar in den Vorstand von BlackRock. Selbstverständlich vertritt BlackRock auch in Brüssel mit Lobbyisten bei EU-Parlament und Kommission seine Interessen. Vor allem geht es dabei um Deregulierung der Finanzmärkte, zum Beispiel durch Privatisierung von staatlicher Altersvorsorge, aber auch um Beratung der EZB bei der Bewältigung von Finanzkrisen. Weil die Berater so an der Aufsicht all der Banken mitwirken, an denen ihr Arbeitgeber selbst große Aktienpakete hält, ist Kritik programmiert. Da werde „einem privaten Unternehmen eine hoheitliche Aufgabe anvertraut, das ist grundsätzlich falsch“, mahnt der Bankökonom Martin Hellwig, ehemals Chef der Monopolkommission.