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Flugbegleiter-Streik: Lufthansa und Ufo wollen wieder verhandeln | BR24

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Wer heute einen Lufthansa-Flug von München aus antreten wollte, brauchte gute Nerven. Am Vormittag hatte ein weiterer Warnstreik der Lufthansa-Mitarbeiter begonnen und das traf MUC als Drehkreuz der Kranich-Linie ziemlich stark ...

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Flugbegleiter-Streik: Lufthansa und Ufo wollen wieder verhandeln

Bundesweit fallen bis Freitag 1.300 Lufthansa-Flüge wegen des Streiks der Gewerkschaft Ufo aus. Allein in München wurden für beide Tage 500 Starts und Landungen abgesagt. Lufthansa und Gewerkschaft wollen nun aber über eine Schlichtung sprechen.

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Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte sich zu einer bereits gestern von Ufo angeregten Schlichtung bereit. Er deutete zudem an, dass die Lufthansa das rechtliche Vorgehen gegen die Tariffähigkeit der Gewerkschaft aufgeben könnte. "Wir sind zuversichtlich, auf dem Weg zu einer Schlichtung auch einen Weg zu finden, die bestehenden rechtlichen Fragen zu überwinden", sagte Spohr.

Zuvor hatte es bereits ein Gespräch mit den konkurrierenden Gewerkschaften Verdi und der neuen "Cabin Union" gegeben, an dem die Ufo nicht teilgenommen hatte. Lufthansa will mit allen drei Gruppen sprechen, die letztlich darum kämpfen, wer für die rund 21.000 Flugbegleiter der Kerngesellschaft Lufthansa Tarifverträge abschließen kann.

Gespräche am Wochenende

Für die Flugbegleigter- Gewerkschaft Ufo erklärte Sprecher Nicoley Baublies am Münchener Flughafen, man nehme das Angebot der Lufthansa zu Gesprächen am Wochenende an und werde danach entscheiden, ob man in konkrete Schlichtungsverhandlungen eintrete.

"Wir werden diesen Versuch machen. Wir wissen noch nicht, ob er erfolgreich ist." Nicoley Baublies, Gewerkschaft Ufo

Die Streiks werden nicht ausgeweitet

Allerdings stehe schon fest, dass der Streik nicht wie angedacht über Donnerstag und Freitag hinaus ausgedehnt wird, so Baublies, auch würden die Arbeitsniederlegungen nicht auf die Tochter-Airlines der Lufthansa ausgeweitet.

Die Lufthansa hatte für Donnerstag und Freitag wegen des Streikaufrufs der Flugbegleitergewerkschaft Ufo den Ausfall von bundesweit 1.300 Flügen angekündigt. Insgesamt 180.000 Passagiere seien betroffen, teilte der Konzern dem BR mit. Am Donnerstag können demnach von rund 3.000 geplanten Flügen 2.300 stattfinden, am Freitag 2.400 von 3.000. Abgesehen von der Haupt-Airline Lufthansa sind keine weiteren Fluglinien betroffen.

Lange Schlangen in München vor Ticketschaltern

Am Münchner Flughafen sind an beiden Tagen rund 500 Starts und Landungen abgesagt worden. Die Nachricht vom Lufthansa-Schlichtungsangebot platzte in die Vorbereitungen für einen Kundgebung zwischen den Terminals. Es gab Jubel bei den Streikenden, wenn auch etwas verhalten. Hoffentlich sei das nicht wieder nur PR der Lufthansa, sagte  Ufo-Sprecher Nicoley Baublies.

Im Terminal 2 der Lufthansa wird unterdessen die Warteschlange vor den Umbuchungsschaltern länger. Viele Passagiere waren schon unterwegs zum Flughafen, als sie von der Annullierung ihres Flugs erfuhren und sind entsprechend sauer.

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Bundesweit fallen am Donnerstag und Freitag 1.300 Lufthansa-Flüge wegen des Streiks der Gewerkschaft Ufo aus. Allein in München wurden 500 Starts und Landungen abgesagt. Lufthansa und Gewerkschaft wollen nun aber über eine Schlichtung sprechen.

Tarifkonflikt mit langem Atem

Lufthansa und Ufo liegen schon seit rund einem Jahr im Streit. Die Gewerkschaft fordert für die Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse.

In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Nach einer Führungskrise mit Rücktritten bei Ufo weigerte sich das Unternehmen, den jetzt eingesetzten und nur noch aus zwei Personen bestehenden Vorstand als Verhandlungspartner anzuerkennen. Der Versuch der Airline, Ufo als nicht streikberechtigt einstufen zu lassen, scheiterte jedoch vor dem Arbeitsgericht Frankfurt, das den Lufthansa-Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik der Gewerkschaft Ufo ablehnte. Das Hessische Landesarbeitsgericht bestätigte dies am Mittwochabend.

Kein Chaos in München

Am Flughafen München, dem zweitgrößten Drehkreuz der Lufthansa, sorgte der Ausstand für kein Chaos. An den Check-In-Schaltern am Münchner Flughafen ist zwar weniger los, aber leer ist es keineswegs im Terminal 2, das die Lufthansa mit ihren Partnern exklusiv nutzt. Insgesamt 500 Annullierungen gibt es heute und morgen – trotzdem können mehr als 1.500 Starts und Landungen am Flughafen München abgewickelt werden, wenn es bei dem Sonderflugplan bleibt, den die Lufthansa zusammengestellt hat.

Allerdings könnte es sehr wohl noch zu zusätzlichen Ausfällen kommen, sagte ein Sprecher der Flugbegleiter–Gewerkschaft dem Bayerischen Rundfunk. Vor dem Flight Operation Center der Lufthansa, etwa zwei Kilometer entfernt von den Terminals, stehen Streikposten, die ankommende Kollegen informieren. Um zehn Uhr ist eine Kundgebung im MAC-Forum geplant.

Viele Passagiere sind vorbereitet

Viele Passagieren haben sich offenbar bereits auf den Streik eingestellt und sind gar nicht erst zum Flughafen gekommen. Sie haben  frühzeitig umgebucht oder steigen auf die Bahn um. Inland-Tickets können in ICE-Tickets umgetauscht werden. Reisende sollten vorher auf jeden Fall noch einmal auf der Lufthansa-Homepage oder der App nachsehen, ob ihr Flug tatsächlich stattfindet.

In Nürnberg nur wenige Flüge betroffen

Am Nürnberger Flughafen sind am Donnerstag und Freitag jeweils sechs Starts und Landungen gestrichen, teilte ein Sprecher des Unternehmens auf BR-Anfrage mit. Wie viele Fluggäste betroffen sind, konnte der Sprecher noch nicht sagen. Alle Starts von Nürnberg nach München sollen durchgeführt werden.

Die Bahn rechnet mit vielen zusätzlichen Fahrgästen

Die Deutsche Bahn rechnet mit vielen zusätzlichen Fahrgästen, die aufgrund des Streiks an den Flughäfen umsteigen. Gerade in München, das ein Hauptdrehkreuz der Lufthansa ist, werde das Auswirkungen am Hauptbahnhof haben, so ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage des BR. Der Bahnsprecher zeigte sich aber optimistisch, dass die zusätzlichen Fahrgäste auch durch die erweiterten Kapazitäten gut aufgenommen werden können.

Für den Fahrgastandrang wird laut dem Bahnsprecher "alles eingesetzt, was rollt." Nach Möglichkeit werden Züge verlängert, allerdings weist die Bahn darauf hin, dass vor allem am Freitag die Züge ohnehin sehr gut ausgelastet sind. Deswegen empfiehlt sie, auf jeden Fall die Fahrplanmedien zu nutzen, etwa den DB Navigator. Dort wird angezeigt, wie stark ein Zug erwartungsgemäß ausgelastet sein wird.

Die Umschreibung der Tickets von Lufthansa-Fluggästen mit dem Vermerk "good fort rain" entspricht einem sogenannten Flexticket der Deutschen Bahn. Damit kann jeder Zug benutzt werden.