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Lufthansa Group: Wie geht es weiter? | BR24

© BR / dpa-Bildfunk, Uli Deck

Wegen der Corona-Pandemie steht der Flugverkehr in Europa fast still. Die Lufthansa ist davon stark betroffen.

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    Lufthansa Group: Wie geht es weiter?

    Die Verhandlungen über die Lufthansa scheinen in die letzte Runde zu gehen. Die wichtigsten Tochtermarken des Konzerns sind schon einen Schritt weiter. Insgesamt deutet sich ein Umbruch in der europäischen Luftfahrtbranche an.

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    Von
    • Peter Althammer

    Lange wurde über ein Rettungspaket für die Lufthansa spekuliert, jetzt hat der Konzern Verhandlungen darüber offiziell bestätigt:

    "Die Deutsche Lufthansa verhandelt mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes (WSF) ein Stabilisierungspaket im Umfang von 9 Milliarden Euro zur Finanzierung der Lufthansa Group. Die Verhandlungen und der Prozess der politischen Willensbildung dauern an." Ad-hoc Mitteilung der Lufthansa Group vom 07. Mai 2020

    Die Worte des Lufthansa-Chefs bei der Hauptversammlung am 05. Mai waren dramatisch. Einnahmen gibt es bei der Fluglinie so gut wie keine mehr, die Kosten aber laufen weiter. Das führt zu Verlusten von rund einer Million Euro pro Stunde. Die Reserven des Unternehmens werden also bald aufgebraucht sein. Ohne staatliche Hilfen wird es die Lufthansa bald nicht mehr geben.

    „Wir sind unverschuldet in diese Krise geraten. Jetzt brauchen wir staatliche Unterstützung.“ Carsten Spohr, Lufthansa

    Carsten Spohr hat angekündigt, dass die Lufthansa Group 100 Flugzeuge stilllegen wird. Das bedeutet rechnerisch, dass 10.000 von 130.000 Arbeitsplätzen im Konzern nicht mehr benötigt werden. In diesem Zusammenhang schloss der Konzernchef auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

    Bundesregierung arbeitet an Staatshilfen

    Seit einiger Zeit bereits wird an einer Unterstützung durch die Bundesregierung gearbeitet. Was die Sache kompliziert macht: Die Politik ist sich anscheinend nicht einig, ob im Zuge einer Finanzspritze durch den Steuerzahler auch Einfluss auf die Unternehmensführung genommen werden soll – etwa durch die Besetzung von Aufsichtsratsposten - oder ob man sich mit einer stillen Beteiligung begnügen soll. Grundsätzlich aber ist die Bundesregierung zu einer kräftigen Finanzspritze bereit.

    „Die Lufthansa gehört, wie andere Unternehmen auch, zum Tafelsilber unserer Wirtschaft. Deshalb werden wir einen Ausverkauf dieses Tafelsilbers verhindern.“ Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

    Lufthansa Group ist in vier Staaten verankert

    Doch mit einer Entscheidung der Bundesregierung allein ist es wohl nicht getan. Denn die Lufthansa Group operiert in vier Staaten mit mehreren Marken. Das sind für Deutschland die "Lufthansa", für Österreich die "Austrian", für die Schweiz die "Swiss" und für Belgien die "Brussels Airlines". Dementsprechend werden Drehkreuze in Frankfurt und München, Wien, Zürich und Brüssel betrieben. Und wie nicht anders zu erwarten haben die vier Staaten ein großes Interesse am Erhalt der Flugverbindungen an ihren jeweiligen Drehkreuzen.

    Österreich und Schweiz sind schon weiter

    Die Lufthansa-Tochter "Swiss" rechnet mit der Auszahlung einer ersten Kredittranche in Höhe von 300 Millionen Franken bereits Anfang Juni. Insgesamt hat die "Swiss" zusammen mit der kleineren Schweizer Lufthansa-Tochter "Edelweiss" Kredite von 1,5 Milliarden Franken von einem Bankenkonsortium erhalten. 85 Prozent davon sind durch eine Schweizer Staatsgarantie abgesichert.

    Die "Austrian Airlines" hatte bei der Regierung in Wien ein staatliches Hilfspaket in Höhe von 767 Millionen Euro beantragt. Wie die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf Insiderinformationen berichtet, sollen bei der österreichischen Lufthansa-Tochter rund 1.100 der etwa 7.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Außerdem sollen im Zuge des Rettungsprogramms die Gehälter kräftig gekürzt werden.

    Auch andere europäische Airlines in Not

    Ähnlich wie die Lufthansa Group sind auch andere europäische Luftfahrt-Konzerne in großer Not. Dabei stellt sich die Situation bei den größten europäischen Airlines teilweise sehr unterschiedlich dar. Während die Low-Cost-Airline "Ryanair" bisher noch keinen Hilferuf abgesetzt hat, sind französische Staatshilfen für die französisch-niederländische "Air France KLM" in Höhe von sieben Milliarden Euro bereits von der Europäischen Kommission gebilligt worden.