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Die gesamte Luftfahrtbranche ist hart von den Reisebeschränkungen betroffen. Der Bedarf an neuen Flugzeugen ist momentan sehr gering. Doch einige Firmen erkennen in der Krise auch eine Chance.

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Luftfahrt-Branche: Wie die Zulieferer ums Überleben kämpfen

Wegen der Corona-Reisebeschränkungen ist der Bedarf an neuen Flugzeugen gering. Auch Wartung und Reparatur werden zur Herausforderung. Passagierflugzeuge bleiben am Boden – und mit ihnen die Piloten. Bei General Atomics ist die Zukunft unbemannt.

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Von
  • Isabella Kroth

In Oberpfaffenhofen – einem Traditionsstandort der Luftfahrtbranche – hat vor eineinhalb Wochen General Atomics die RUAG Aerospace Systems übernommen. Das Unternehmen wartet Militärhubschrauber und Businessjets. Harald Robl ist nun Geschäftsführer eines Unternehmens, das mitten in der Corona-Krise vor massiven Problemen steht.

"In der Tat eine Herausforderung. Wir haben signifikante Probleme in unserer Auslastung, weil die Flugzeuge alle wenig Flugstunden haben. Und je weniger Flugbedarf da ist, desto weniger müssen Wartungen und Überholungen gemacht werden." Harald Robl, Geschäftsführer General Atomics Europa

Ersatzteile werden zur Mangelware

Und für di Aufträge, die da sind, fehlen oft die Ersatzteile, weil wegen der Pandemie viele Zulieferer Fristen nicht einhalten. "Wir warten teilweise überlang auf schon längst bestellte Teile, und das behindert natürlich den Ablauf, das führt bei uns zu einer deutlichen Kostenerhöhung", sagt Robl. "Ich kann unsere Leute nicht wegen einer fehlenden Schraube einfach mal zwei Wochen heimschicken." Und nicht nur die bestellten Ersatzteile fehlen. Um ihre Flugzeuge überholen oder neu lackieren zu lassen, sind die Kunden bisher aus aller Welt angereist: Luxemburg, Frankreich – sogar aus Übersee. Doch jetzt in der Krise bleiben sie daheim.

Luftfahrtbranche in der Krise

Wegen Corona trudelt die Luftfahrt in die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg: 25 Prozent weniger Umsatz im Vergleich zum Boom-Jahr 2019. Drei Viertel aller Mitarbeiter in Kurzarbeit. Beispiel MTU: Im Triebwerkgeschäft ging der Umsatz um ein Drittel zurück. Von 10.300 Arbeitsplätzen sollen 1.000 bis 1.500 wegfallen. Beim Flugzeugbauer Airbus konnte die IG Metall einen Kahlschlag verhindern. Kündigungen soll es hier nicht mehr geben. Statt 5.100 Stellen sind es nun 2.300, die durch Vorruhestand oder Abfindungen wegfallen. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrsindustrie geht davon aus, dass in der gesamten Branche fast ein Viertel aller Arbeitsplätze verloren geht – 60.000 Stellen.

Weiterentwicklung eines Dornier-Traditionsfliegers

General Atomics hat mit der Übernahme der RUAG Aerospace auch den Traditionsflieger von Dornier übernommen, die Do228. Ein robuster 19-Sitzer, der für besondere Missionen eingesetzt wird. Als "Öljäger" sucht er deutsche Meeresgebiete nach Verschmutzungen ab. Mit seiner Bauart ist die Do228 in die Jahre gekommen. Viele Teile sind gar nicht mehr zugelassen und werden nicht mehr hergestellt. Die Zukunft des Fliegers stand in den Sternen, auch weil das Unternehmen zwei Jahre lang zum Verkauf stand. Mit der Übernahme durch General Atomics geht es für die Do228 nun doch noch weiter, sie soll sogar weiterentwickelt werden.

Zukunft der Luftfahrt unbemannt

General Atomics ist führend im Bereich unbemannter militärischer Drohnen. Die Piloten steuern sie von einer Bodenstation aus. In Oberpfaffenhofen soll die Do228 nun umgerüstet werden zum weltweit ersten unbemannten Frachtflieger. "Wir denken, dass die Zukunft in der Luftfahrt unbemannt ist", sagt Robl. "Das werden die Piloten nicht gerne hören, aber die sind natürlich ein Kostenfaktor". Unbemannte Flüge könnten viel Geld sparen. Fünf Flugzeuge gleichzeitig soll ein Pilot vom Boden aus steuern. Das Unternehmen braucht künftig also weniger Piloten – von anderen Fachkräften aber mehr.

Verpflichtung gegenüber Mitarbeitern

"Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital", sagt Robl. "Wir haben hochqualifizierte und motivierte Leute und die werden wir selbstverständlich auch durch solche Durststrecken halten." Er sei optimistisch, dass diese Durststrecke in absehbarer Zeit enden werde und Restriktionen bei Reisen nach und nach aufgehoben würden, so Robl weiter.

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