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Lohngleichheit - Wirkt das Entgelttransparenzgesetz? | BR24

© BR/Julia Müller

Symbolbild Lohngleichheit

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Lohngleichheit - Wirkt das Entgelttransparenzgesetz?

Weniger Geld für die gleiche Arbeit – das ist ungerecht. Dennoch verdienen Frauen oft weniger als Männer. Deshalb gibt es seit einem Jahr die Möglichkeit zu erfahren, was die Kollegen verdienen. Gebracht hat das allerdings nicht viel.

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Im Januar 2018 ist das so genannte Entgelttransparenzgesetz inKraft getreten, das für mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Bezahlung sorgen soll. Erste Bilanzen nach einem Jahr zeigen, dass dieses Gesetz die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen nicht entscheidend weiter gebracht hat.

Gleiche Arbeit – ungleicher Lohn: "Gender Pay Gap"

Statistiker haben in Deutschland gemessen, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und gleichen Merkmalen im Durchschnitt rund sechs Prozent weniger verdienen als Männer. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat auf dieser Datenbasis festgestellt, dass das Gebot nicht eingehalten wird, Frauen und Männern gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit zu zahlen. Man bezeichnet diesen Missstand mit einem englischen Fachbegriff als "Gender Pay Gap".

Die Ministerialbeamten sehen eine Ursache dafür in fehlender Transparenz bei betrieblichen Entgeltstrukturen und Lohnfindungsprozessen. Mit dem neuen Gesetz sollen die Höhen von Löhnen und Gehältern offengelegt und nachvollziehbar gemacht werden. Die erwartete Wirkung: Dann werden auch Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen bei der Bezahlung abgebaut.

Entgelttransparenzgesetz – Strafen gibt es nicht

Jeder Mitarbeiter in einem Betrieb mit mehr als 200 Beschäftigten hat einen Auskunftsanspruch. Die Offenlegung der Bezahlung berücksichtigt den Schutz persönlicher Daten. Man erfährt also nicht, was Herr X oder Frau Y verdient, die den gleichen Job machen. Stattdessen wird ein Mittelwert ermittelt aus mindestens sechs Beschäftigten des jeweils anderen Geschlechts. Liegt dieser Wert über dem eigenen Gehalt, dann ist davon auszugehen, dass die Regeln über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen nicht eingehalten werden.

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Im Januar 2018 ist ein Gesetz in Kraft getreten, das für mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Bezahlung sorgen soll: Das "Entgelttransparenzgesetz". Was hat es gebracht? #fragBR24

Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten müssen eigene betriebliche Verfahren einführen, um die Entgeltgleichheit zu überprüfen und herzustellen. Die einzelnen Mitarbeiter müssen so nicht selbst aktiv werden. Handelt es sich bei dem Unternehmen um eine Kapitalgesellschaft, dann muss zusätzlich regelmäßig ein entsprechender Bericht vorgelegt werden.

In kleinen Unternehmen besteht kein Auskunftsanspruch

Wer in einem Betrieb mit weniger als 200 Mitarbeitern tätig ist, hat zwar ebenfalls das Recht auf gleiche Bezahlung. Ein Anspruch auf Auskunft durch den Arbeitgeber besteht jedoch nicht. Üblicherweise holt man die Auskunft über den Betriebsrat ein. Wenn es keinen gibt über die Personalabteilung.

Gewerkschaften kritisieren an diesem Verfahren, dass der Auskunftsanspruch erst ab 200 Mitarbeitern greift und dass es kein Verbandsklagerecht gibt. Arbeitnehmer müssen also selbst vor dem Arbeitsgericht klagen, wenn ihre Bezahlung nicht geschlechtergerecht ist. Außerdem sieht das Gesetz keine Strafen vor.

Gesetz zur Lohngleichheit zeigt wenig Wirkung

Wer Erfolge des Gesetzes sucht, wird kaum fündig. Zwei Untersuchungen haben eine Jahresbilanz gezogen, beide mit ähnlichen Ergebnissen.

Das Münchner ifo-Institut hat mehrere hundert Personalchefs von kleinen, mittleren und großen Unternehmen befragt. In keinem Fall hatten die Unternehmen häufig mit Anfragen nach dem neuen Gesetz zu tun. In 91 Prozent der Firmen hat kein einziger Mitarbeiter nachgefragt. Interessant ist jedoch, dass auch in kleineren Betrieben unter 200 Mitarbeitern nachgefragt wurde. Und dort etwas häufiger zu Korrekturen bei der Bezahlung geführt hat als in größeren Unternehmen. Das könnte daran liegen, dass in kleinen Betrieben weniger mit festen Gehaltsschemata gearbeitet wird.

Lohnunterschiede in kleinen Betrieben am größten

Generell scheint ein "Gender Pay Gap" mit der Betriebsgröße zusammenzuhängen. "Lohnunterschiede sind in kleinen Unternehmen am häufigsten und nehmen mit steigender Mitarbeiterzahl ab", so der Befund der ifo-Forscher.

Wissenschaftler fordern: Gesetz muss überarbeitet werden

Das wissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat Daten aus knapp 2.300 Betrieben ausgewertet. In zahlreichen Unternehmen hat es "keine spürbaren Effekte gezeigt". Die Wissenschaftler fordern deshalb eine Überarbeitung des Gesetzes. Gehaltsstrukturen müssten in allen Betrieben verpflichtend überprüft werden, der Anspruch auf Auskunft auch in kleineren Betrieben gelten und es müssten echte Konsequenzen drohen: "Nötig sind strengere Auflagen und spürbare Sanktionen."

Autor
  • Peter Althammer
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