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Frachtschiff im Hamburger Hafen

Frachtschiff im Hamburger Hafen

Bildrechte: picture alliance/dpa | Christian Charisius
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    Lieferengpässe: Wann wird es besser?

    Das neue Auto ist bestellt, bezahlt und kommt nicht. Lieferengpässe bei Bauteilen führen momentan zu monatelangen Wartezeiten für Verbraucher, nicht nur beim Autokauf. Die meisten sind pandemiebedingt. Wird es im 2022 endlich besser?

    Von
    Tamara LinkTamara Link
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    Lieferengpässe lassen Verbraucher derzeit oft Monate auf ihre Ware warten. Symbolbild dafür ist der Havarierte Riesenfrachter Ever Given geworden, der tagelang den Suezkanal blockierte und damit den Lieferverkehr stoppte. Doch obwohl das Schiff längst geborgen und der Kanal wieder offen ist, bleiben die Lieferengpässe. Was normalerweise reibungslos abläuft, ist wegen der Pandemie durcheinander geraten.

    Probleme halten 2022 an

    Besserung ist erstmal nicht in Sicht: Volkswirte und Logistikexperten rechnen damit, dass die Probleme auch 2022 noch anhalten werden. Auf eine Entspannung der Lage könne man erst mit Ende der Pandemie hoffen, sagt die neue Präsidentin des Verbandes Deutscher Reeder, Gaby Bornheim.

    Verzögerungen wegen Corona-Vorschriften

    Im Schiffsverkehr bringt die Pandemie an unterschiedlichen Stellschrauben Verzögerungen mit sich. So ist es beispielsweise mühsam, Seeleute an und von Bord zu bringen. Die Restriktionen und Vorgaben sind von Hafen zu Hafen unterschiedlich und wechseln stellenweise im Tagesrhythmus. Das führt zu Verzögerungen im Ablauf. Ein zusätzliches Problem sind auch fehlende Container, weil die Transportboxen wegen Verspätungen in den Fahrplänen nicht dort waren, wo sie zur neuen Beladung sein sollten. Normalerweise sind Container zum Beispiel bei Hapag-Lloyd 50 Tage unterwegs, bevor sie wieder beladen werden können. Aufgrund der Überlastungen der Häfen sind es nun mehr als 60 Tage. Um das auszugleichen, hat allein die Hamburger Großreederei seit 2020 insgesamt 625.000 neue Transportboxen eingekauft.

    Häfen werden zum Nadelöhr

    Als gewaltiges Nadelöhr erweisen sich schließlich viele Häfen, die stellenweise geschlossen werden mussten - vor allem die an der chinesischen Küste und der amerikanischen Westküste, zwischen denen die riesigen Handelsströme zwischen den beiden größten Volkswirtschaften abgewickelt werden. In China wurden immer wieder Häfen ganz oder teilweise geschlossen, weil Hafenarbeiter coronainfiziert waren. Schiffe müssen tagelang auf das Be- und Entladen warten oder auf andere Häfen ausweichen, vor denen sich dann ebenfalls große Staus bilden.

    Wegen der sehr strikten Reaktion der chinesischen Behörden und der beispiellosen Ausbreitungsgeschwindigkeit der Coronavariante Omikron dürften geschlossene Hafenterminals in China auch 2022 ein Thema bleiben. Und auch vor dem Port of Los Angeles und vor Long Beach in direkter Nachbarschaft, den beiden wichtigsten Häfen an der US-Westküste, liegen massenhaft Schiffe auf Reede, im Herbst waren es zeitweise bis zu 100.

    Weltweite Schiffsgüter in Häfen geparkt

    Der Ökonom Vincent Stamer, der beim Kiel Institut für Weltwirtschaft regelmäßig weltweite Schiffsbewegungen analysiert, schätzt, dass derzeit mehr als elf Prozent der weltweit verschifften Güter auf unbewegten Schiffen parkt. Das ist eine gewaltige Menge, bedenkt man, dass 90 Prozent der globalen Warenströme per Containerschiff transportiert werden. Die deutschen Seehäfen sind davon aber nicht betroffen, weil sie auf den großen globalen Routen der Linienreedereien ganz zuletzt angefahren werden.

    Vorübergehende Besserung der Schiff-Staus im Februar erwartet

    Hoffnung gibt das chinesische Neujahresfest. Dieses ist ein Höhepunkt des Konsums in China, der danach wieder abebbt. Das dürfte den überlaufenen Häfen laut Stamer zumindest kurzweilige Entspannung verschaffen. Langfristig ist das Problem damit aber nicht gelöst.

    Vorwurf der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft

    Im Frühsommer 2021 hatten sich die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft in einem offenen Brief an die damalige Bundesregierung über die Lage beschwert: "Künstliche Engpässe der Transportkapazitäten in den maritimen Lieferketten" wurden dafür verantwortlich gemacht, dass der Hochlauf der Industrie nach der Corona-Rezession 2020 ins Stottern gerate. Die Rede war von mangelnder Verfügbarkeit von Containern, fehlenden Transportkapazitäten, unpünktlichen Schiffsankünften und stark steigenden Transportkosten, vor allem auf den Strecken zwischen Asien, Nordamerika und Europa.

    Die Schifffahrtsindustrie wehrt sich

    Die Schifffahrtsindustrie weist die Vorwürfe von sich. Die Flotten seien nach der Finanzkrise in Deutschland zwar geschrumpft, global aber gewachsten. Alle würden wissen, dass wir weder Schiffe noch Boxen verstecken, sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen sagte dazu in einer öffentlichen Diskussion mit Experten aus der Logistikbranche.

    Verbraucher brauchen langen Atem

    Für Verbraucher bleibt die Lage anstrengend. Bis das neue Auto wieder zum vorgesehenen Zeitpunkt geliefert werden kann, wird noch ein Großteil des Jahres vergehen, wenn nicht sogar noch mehr Zeit.

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