BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
© dpa-Bildfunk/Rolf Vennenbernd
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Rolf Vennenbernd

Sogar Bauholz fürs Dach ist derzeit schwer zu bekommen. Insgesamt ist die deutsche Industrie stark abhängig von Zulieferungen aus dem Ausland.

1

    Lieferengpässe und steigende Kosten bremsen Aufschwung

    Materialmangel und höhere Preise treffen die deutsche Wirtschaft immer härter. Es geht um Rohstoffe wie einfaches Bauholz, aber auch um High Tech-Produkte wie Computerchips für die Automobilindustrie.

    Von
    Felix  LinckeFelix Lincke
    1

    Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK hat 3.000 Unternehmen dazu befragt, wie es um ihre Versorgung mit Rohstoffen und Vorprodukten bestellt ist. 83 Prozent kämpfen demzufolge mit solchen Schwierigkeiten bei ihrer Fertigung, also mit Verzögerungen und höheren Einkaufspreisen. Die aktuelle Entwicklung könne den wirtschaftlichen Erholungsprozess nach der Corona-Krise merklich erschweren, erklärt Volker Treier vom DIHK. Es geht dabei nicht nur um Produktionsausfälle in der Industrie sondern auch um leere Regale bei den Groß- und Einzelhändlern. Die weltweiten Handelswege seien massiv gestört, sagt Außenwirtschaftsexperte Treier.

    Auto: Wer es eilig hat, muss Premium-Produkte kaufen

    Bei den Autoherstellern werden die Chips, die von Zulieferern wie Infineon oder Continental kommen, jetzt vorzugsweise in die teuren Modellen eingebaut. Bei ihnen sind die Gewinnmargen am höchsten. Das führt dazu, dass Autokunden auf günstige Schnäppchen und Sondermodelle mit Preisnachlässen nun besonders lange warten müssen. Einigen Herstellern wie BMW gelang es zuletzt, die Gewinnmargen mit dieser Taktik zu erhöhen und damit die rückläufigen Umsätze beim Ertrag teilweise mehr als auszugleichen. Denn grundsätzlich ist die Nachfrage hoch, so dass auch hohe Preise bezahlt werden. Wer also schnell ein neues Auto haben will, muss zu den Premium-Modellen greifen, die gerade im Angebot sind, und dabei tief in die Tasche greifen.

    Export: Ohne Auftragsstau könnten die Umsätze viel höher sein

    Die gesamte Exportwirtschaft kann sich über Aufträge nicht beklagen - ohne Engpässe auf den Transportwegen ginge aber noch viel mehr. Die Deutsche Chemieindustrie rechnet auch so mit einem Rekordjahr und hat dabei die hohe weltweite Nachfrage im Blick. Inzwischen gibt es gerade in der Industrie auch Hamsterkäufe, mit denen sich die Krise noch verschärft. In Anbetracht der steigenden Kosten für Vorprodukte und von verstopften Handelswegen, auf denen sich die Containerschiffe stauen, bestellen einige Firmen so viel, wie nur geht.

    Elektroindustrie: Sondervorräte angelegt

    So haben in der Elektroindustrie viele Unternehmen Notfall-Lager eingerichtet, wo sie vorher gar keine Vorräte hatten. Die vollen Auftragsbestände reichen Monate in die Zukunft, in denen die Belieferung auch nicht einfacher werden dürfte. Andreas Gontermann vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie ZVEI sieht viele Firmen am Anschlag bei einer Auslastung der Kapazitäten von knapp 90 Prozent. Damit das so bleibt, versuchen viele ihre Produktion mit Hamsterkäufen bestimmter Bauteile zu sichern.

    Chip-Produktion: Corona bremst Ausweitung der Produktion

    Die Lieferschwierigkeiten blieben allgegenwärtig, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss: "Wir kämpfen um jeden zusätzlichen Wafer." Die Wafer-Scheiben sind ein gängiges Vorprodukt für die Halbleiterindustrie. Im Normalfall würden die großen Zulieferer etwa in Asien einfach die Herstellung hochfahren, um die starke Nachfrage zu befriedigen und dabei gute Gewinne machen. Doch Zwangspausen wegen Corona-Infektionen, wie zuletzt in chinesischen Häfen, verhindern, dass viele Lieferanten ihre Produktion ausweiten.

    Toyota: Lieferprobleme wegen Corona

    So musste der japanische Autohersteller Toyota wegen der ansteckenden Delta-Variante jetzt die Produktion hart drosseln. Corona-Ausbrüche in Südostasien führten bei Chip-Herstellern beispielsweise in Malaysia zur Schließung von Fabriken. Diese Bauteile fehlen nicht nur bei Toyota. Auch VW teilte mit, nach der Sommerpause im Wolfsburger Stammwerk nur eingeschränkt starten zu können. Auf allen Fertigungslinien in Wolfsburg wird dann nur noch in einer Schicht produziert.

    Entspannung der Lieferkrise: Frühestens im nächsten Jahr

    Die meisten Experten sind sich einig, dass die Liefer- und Rohstoffkrise noch eine ganze Weile andauern wird. Ein wesentlicher Ausgangspunkt ist auch die boomende US-Wirtschaft, wo der Konsum zweistellig wächst und große Warenströme hinfließen. Mit zusätzlichen Infrastrukturprogrammen wird US-Präsident Joe Biden die Konjunktur weiter anheizen. Erwartet wird daher, dass die Entwicklung noch bis weit ins nächste Jahr anhalten wird.

    Deutsche Wirtschaft: Stark exportabhängig

    In der Zwischenzeit könnte es für den Aufschwung in Deutschland kritisch werden. Denn die Wirtschaft lebt bei uns nicht so stark vom Konsum wie in den USA oder zuletzt auch in Großbritannien, sie bleibt vielmehr auf starke Exporte und den Welthandel angewiesen.

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

    Sendung

    BR24 Wirtschaft und Börse

    Schlagwörter