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Lieferschwierigkeiten stellen Bayerns Wirtschaft vor Probleme. Industrie- und Handwerksvertreter warnen vor möglicherweise schädlichen Maßnahmen der Politik.

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Lieferengpässe gefährden Handwerk und Bauindustrie

Nachschubschwierigkeiten und rasant steigende Rohstoffpreise gefährden den Aufschwung der bayerischen Wirtschaft. Warum das so ist und warum manche Maßnahmen der Politik schädlich sein können.

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Von
  • Johannes Lenz

Die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise steht auf dem Spiel. Denn trotz gut gefüllter Auftragsbücher geraten Baumaßnahmen ins Stocken, Termine müssen verschoben und Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt werden.

Engpässe beunruhigen Bauwirtschaft

Viele unterschiedliche Gründe sind für die Lieferengpässe verantwortlich, mit denen vor allem die Bauwirtschaft und deren Nebenbrachen wie Zimmerer- und Schreinereibetriebe konfrontiert sind. Das Bauholz wird aufgrund starken Borkenkäferbefalls und Aufkäufe aus den USA knapp und immer teurer. Während die Preise für sogenanntes "Käferholz" jedoch sinken. Aus diesem Holz können beispielsweise Hackschnitzel produziert werden, doch für Baukonstruktionen ist es zu instabil. Das macht der Baubranche immer mehr zu schaffen.

Nicht nur Bauholz fehlt, sondern auch Kunststoffe und Baumetalle. Laut Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, könnten das auch bald die Kunden zu spüren bekommen.

"Es kommt natürlich infolgedessen zu Preissteigerungen, die bis zum Kunden durchgereicht werden. Die betroffenen Branchen sind vor allem das Bauhauptgewerbe, aber auch Nebengewerbe wie Heizung und Sanitär. Für den Bauträger kann das bedeuten, dass sich sein Fertigstellungstermin um Wochen verschiebt." Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags

Ursachen dafür seien unter anderem die stark gestiegene Nachfrage auf den Weltmärkten sowie Überschwemmungen in China und Winterstürme in den USA. Diese hätten Produktionsstätten lahmgelegt und das Angebot verknappt, so Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern im BR-Interview.

Bayerische Wirtschaft sieht Exportstopps kritisch

Einige Wirtschaftsminister hatten in jüngster Vergangenheit EU-Exportbeschränkungen in die Diskussion um Gegenmaßnahmen eingebracht. Wirtschaftsvertreter sehen diese Staatseingriffe allerdings kritisch.

"Das Schlimmste, was die Politik jetzt tun könnte, wäre Exportverbote auszusprechen. Das würde den ganzen Markt durcheinander bringen. Grund dafür: Deutschland ist viel abhängiger von ausländischen Materialien als umgekehrt." Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern

Die deutsche Wirtschaft würde somit nur "den Ast absägen, auf dem wir sitzen", so Gößl weiter. Denn dann müsse man damit rechnen, dass auch andere Länder Exportverbote aussprechen würden. Darunter könnte vor allem die stark auf Vorprodukte angewiesene Bayerische Wirtschaft leiden.

Stattdessen fordern Industrie und Handwerk Anpassungsklauseln für Unternehmen, um Preise auch nach Vertragsabschluss noch nach oben korrigieren zu können. Die Aufholjagd der Weltwirtschaft könnte noch einige Monate andauern. So lange wird die Bayerische Wirtschaft wohl noch mit Engpässen und steigenden Preisen zu kämpfen haben.

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