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Lieferengpässe und rasant steigende Rohstoffpreise gefährden den Aufschwung der bayerischen Wirtschaft nach der Corona-Krise. Nachschubsorgen machen zum Beispiel Handwerksbetrieben wie Sanitärfirmen besonders zu schaffen.

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Lieferengpässe am Bau: Lage verschärft sich

Lieferengpässe und steigende Rohstoffpreise gefährden den Aufschwung der bayerischen Wirtschaft nach der Corona-Krise. Sorgen um Nachschub machen Handwerksbetrieben wie Sanitärfirmen zu schaffen. Dazu kommt ein Fachkräftemangel in der Baubranche.

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Von
  • Johannes Lenz

Es mangelt an Rohstoffen, die Preise ziehen rasant an und Lieferungen bleiben aus. Für viele Handwerksbetriebe in Bayern ist es eine Belastungsprobe. Trotz voller Auftragsbücher droht Kurzarbeit, wenn wegen fehlender Ware nicht gearbeitet werden kann.

Hamsterkäufe bei Bauteilen

Der Installateur Bernhard Vornehm leitet einen Sanitär- und Heizungsbetrieb im oberbayerischen Gilching. Aktuell machen ihm Lieferengpässe Sorgen: "Es ist momentan nicht absehbar, wie sich der Markt entwickeln wird. Salopp gesagt: Letztes Jahr haben wir Klopapier und Nudeln gekauft und wir kaufen jetzt Edelstahl- und Kupferrohre. Der Unterschied ist: Wir brauchen es für die Arbeit." Metall- und Kunststoffteile hamstern statt Klopapier. Das bedeutet eine große finanzielle Vorleistung. Sollten die Regale bald wieder leer sein, könnte das gravierende Folgen haben.

Lieferketten-Verzögerungen gefährden Reparaturen

"Wenn jetzt Lieferketten unterbrochen werden, dann können wir vielleicht bestimmte Arbeiten des täglichen Bedarfs, also Reparaturen nicht machen. Aber auch im Heizungstausch: Wenn bestimmte Baugruppen nicht lieferbar sind, dann können wir die Heizungsanlage als solches nicht tauschen", befürchtet Vornehm. Deshalb hat er bei den wichtigsten Bauteilen vorgesorgt: "Einfach für die nächsten zwei bis drei Monate. Das sind keine Großbaustellen, sondern das ist nur der Heizungstausch, Badumbauten, solche Dinge. Damit das halt gewährleistet ist."

Mitarbeiter machen sich Sorgen

"Unsere Monteure reden untereinander", berichtet Vornehm. "Und da sind dann schon auch Ängste da. Wo man mich fragt: Chef, wie ist es? Müssen wir jetzt auch mal kurzarbeiten? Was würde das finanziell bedeuten?" Der Heizungsbauer und sein Team versuchen, so weit wie möglich im Voraus zu planen. Während der Pandemie lief das Geschäft noch besser als zuvor, weil viele Kunden die Zeit für Reparaturen nutzten. Doch jetzt drohe die Vollbremsung.

Kurzarbeit droht trotz voller Auftragsbücher

Man sehe sich schon als Motor der Wirtschaft während der Corona-Pandemie, doch "unser Motor ist jetzt gerade dabei, dass er anfängt zu stottern", sagt Christine Lucht-Vornehm vom Installateurbetrieb in Gilching. "Wir haben immer noch volle Auftragsbücher und hätten einen schönen Auftragsvorlauf, um weiter zu arbeiten, aber merken jetzt: Wenn Material fehlt, müssen wir uns auch auf Kurzarbeit einstellen."

Auch Baumärkte von Lieferengpässen betroffen

Auch Baumärkte sind von Lieferengpässen betroffen, wie etwa die Baumarktkette Hornbach. Sie tut alles, um dem Preisdruck Stand zu halten. Doch wie lange geht das gut? Die Ware wird langsam knapp – und irgendwann müssen die Preise steigen. "Lieferengpässe haben wir mittlerweile bei einer Vielfalt von Produkten", bestätigt Volker Thoma von der Baumarktkette Hornbach. "Angefangen beim Rohstoff Holz, bei Kunststoffen aller Art. Wir haben Lieferengpässe beim Thema Stahl, Kupfer und Messing." In nur einem Jahr haben sich etwa Dämmplatten um 10 Prozent verteuert. Flachglas um 15 Prozent. Betonstahl um 30 Prozent. Und Dachlatten um 31 Prozent.

Fachkräftemangel belastet Baubranche

Neben den Lieferengpässen wirkt sich auch der Fachkräftemangel auf die Baubranche aus. Der größte Fachkräftemangel herrscht zwar in der Altenpflege. Doch in der Top-Ten-Liste der Mangelberufe finden sich nach Informationen der Bundesagentur für Arbeit sechs Baubereiche: Kanal- und Tunnelbau, Bauelektrik, Leitungsinstallation, Klempnerei, Sanitär- und Klimatechnik und Kältetechnik.

Lieferengpässe weiten sich auf Kunststoffindustrie aus

Nicht nur die Baubranche ist von Lieferengpässen betroffen. Beim Kunststoffhersteller Karl Kühnlein in Mammendorf im Landkreis Fürstenfeldbruck entstehen zum Beispiel Silikon- und Spritzgussteile für die Automobilindustrie – normalerweise. Doch aktuell fehlt der Rohstoff für die Produktion, wie Vertriebsmitarbeiter Robert Fink erklärt. "Hier warten wir jetzt schon seit mehreren Wochen auf Material, haben die Maschine bereits gerüstet, Material eingeteilt, Menschen eingeteilt, können aber nicht fertigen." Die Firma baut ihre eigenen Aufsätze für Fräsmaschinen, um Spezialteile für Autos und Computer herzustellen. Die Maschinen sollten eigentlich Plastikteile zuschneiden. Doch das nicht möglich, denn der Kunststoff ist knapp.

"Man fühlt sich wirklich machtlos. Man tut und macht – schließt langfristige Liefertermine mit unseren Lieferanten ab. Wir kriegen auch langfristige Vorkasse von unseren Kunden, aber trotz alledem sind wir momentan nicht lieferfähig." Robert Fink, Vertrieb Karl Kühnlein GmbH

Und das könnte für die Beschäftigten Folgen haben: Die oberbayerische Kunststoff-Firma schließt Kurzarbeit nicht mehr aus. Die Aufholjagd der Weltwirtschaft könnte noch einige Monate andauern. So lange dürfte die Nachfrage das Angebot wohl noch übersteigen - und die gesamte Baubranche mit Engpässen und steigenden Preisen zu kämpfen haben.

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