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Lichttechnologie soll Klimawandel bremsen | BR24

© pa/dpa/Stefan Sauer

Hochleistungslaser im Einsatz

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    Lichttechnologie soll Klimawandel bremsen

    Die wichtigste Messe für Laser und Photonik in München empfiehlt Licht als "Schlüssel zur globalen Nachhaltigkeit". Drei Milliarden Tonnen CO2 könnten Laser, Sensorik und optische Systeme bis 2030 mindestens einsparen, schätzen Experten.

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    Licht ist schnell und extrem zielgenau. Zwei Eigenschaften, die sich die Photonik zu Nutze macht, wenn Laser Leichtbauteile schweißen und schneiden. Doch nicht nur da spart die Lichttechnologie Energie und Material ein, ihre Lösungen könnten weltweit beim Klimaschutz helfen.

    "Bereits drei Mal wurden Lösungen der Photonik mit dem höchstdotierten Umweltpreis Europas, dem deutschen Umweltpreis ausgezeichnet", so Professor Reinhardt Poprawe, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT an der RWTH Aachen University.

    Experten halten Photonik für eine besonders nachhaltige Zukunftstechnologie. Als führender deutscher Wissenschaftler hat Reinhardt Poprawe an der aktuellen Studie zum klimaschützenden Potential der Lichttechnologien mitgewirkt, die zum Auftakt der Weltleitmesse "Laser World of Photonics" in München vorgestellt wird.

    In Auftrag gegeben von der Messe München und dem Industrieverband Spectaris sind darin alle künftigen Einsatzgebiete zusammengefasst. Ergebnis der Studie: Immerhin elf Prozent des globalen CO2-Ausstoßes könnten mit der Technologie in Landwirtschaft, Industrie, Recycling und Energiesektor eingespart werden.

    Pionierarbeit für mehr Nachhaltigkeit

    "Licht zur industriellen Anwendung verursacht keinen Schmutz", so Edwin Büchter, Träger des Deutschen Umweltpreises und AiF Vizepräsident. Lichttechnologie hilft besonders bei der Stromerzeugung per Photovoltaik den CO2-Ausstoß zu senken. Laut Studie wird aber auch die Weiterentwicklung energiesparender Lampen, Displays und TV-Screens die CO2-Bilanz verbessern.

    Erfolgreiche Beispiele sind neben Solaranlagen auch stromsparende LEDs und intelligente Beleuchtungssysteme. Zudem wachsen die Anwendungsmöglichkeiten von Lasern, optischen Prozessoren und Komponenten, wie die Aussteller in dieser Woche auf dem Messegelände in München zeigen.

    1.100 Hersteller aus 30 Ländern präsentieren hier ihre Ideen. Interessant für besseren Umweltschutz sind lichtbasierte Reinigungsverfahren für Luftfilter, Kläranlagen oder lasergestütztes Recycling von Wertstoffen wie Edelmetallen aus Elektroschrott.

    Lichtblicke für den Klimaschutz

    Speziell im Agrarbereich wachsen die Einsatzgebiete von Licht als Werkzeug: Satelliten sammeln Klima- und Wetterdaten, lasergestützte Überwachungssysteme verbessern den Brandschutz in gefährdeten Waldgebieten. Die umweltschonende Analyse von Pflanzenwachstum birgt weitere Chancen.

    "Lasertechnologie kann die nachhaltige Landwirtschaft entscheidend voranbringen. Die Photonik ermöglicht, sehr präzise zu arbeiten. Mit robusten Prozessen kann der Einsatz von Lasern die Unkrautbekämpfung revolutionieren", erklärt Dietmar Kracht, Vorstand des Laserzentrums Hannover.

    Licht für Indoor-Farmen

    Ein Einsatzgebiet der Zukunft entsteht beim Indoor-Farming, das nachhaltiges Gärtnern in Stadträumen mittels energiesparender Lichttechnologie ermöglichen soll. Die Gewächshäuser sollen die Versorgung der wachsenden Bevölkerung mit frischen Lebensmitteln ebenso sichern wie nachhaltige Nährstoffkreisläufe.

    Großes Potential erkennt die Studie zuletzt in der digitalen Kommunikation, denn Photonik umfasst verschiedenste Anwendungen optisch physikalischer Verfahren zur Übertragung, Speicherung und Verarbeitung von Information: Datenverkehr über effizientere Glasfaserkabel, die 5G-Technologie und die ersehnte Entwicklung von Quantencomputern kann demnach trotz rasant steigender Datenmengen Energie einsparen helfen.

    Ihre große Anwendungsvielfalt macht Photonik zu einer Schlüsseltechnologie der Zukunft. 2018 haben die deutschen Unternehmen laut Angaben des Branchenverbandes Spectaris ihren Umsatz um 6,7 Prozent gesteigert auf mehr als 37,1 Milliarden Euro. Bei weltweitem Einsatz könnte das Werkzeug Licht zu einem wichtigen Faktor im Klimaschutz werden.