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Lichtblick: Wie das Internet dem Einzelhandel hilft | BR24

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Seit dieser Woche geht "Click and Collect" - also bestellen im Internet und abholen vor Ort - endlich auch in Bayern. Für viele Einzelhändler eine mehr als willkommene Einnahmequelle. Doch reicht das, um eine Insolvenz abzuwenden?

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Lichtblick: Wie das Internet dem Einzelhandel hilft

Seit Montag dürfen Kunden vorbestellte Ware unter strengen Auflagen bei den Geschäften abholen. "Click und Collect" ist für den Einzelhandel ein Hoffnungsschimmer. Einige werden kreativ.

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Von
  • Reinhard Weber

Die Türen des Bettenhauses Federl in Murnau am Staffelsee sind wegen des Lockdowns geschlossen. Doch dahinter herrscht emsiges Treiben. Seit 142 Jahren werden hier Kissen genäht und mit Daunen befüllt - gerade zu Corona-Zeiten ein Garant für ein kuscheliges Zuhause. Stefanie Fischer führt Betten Federl bereits in fünfter Generation.

Schon den ersten Lockdown überstanden

Den ersten Lockdown überstand das Bettenhaus mit Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter und die Soforthilfe. Dann zog das Geschäft an. Am Ende konnte Betten Federl 2020 sogar etwas besser abschließen als das Jahr vor Corona.

Matratzenabteilung wird zum Showroom

Das hat Stefanie Fischer auch mit neuen Ideen geschafft, etwa mit einem Instagram-Profil. Aus der Matratzenabteilung machte sie einen Showroom. Jeden Tag veröffentlicht sie ein persönliches Video oder Fotos von Produkten - und erzählt kleine Geschichten dazu.

"Es ist viel Arbeit. Aber es macht Spaß und ich erreiche noch mal einen ganz anderen Kundenkreis, junge Leute. Es ist direkter, es ist schneller. Ich habe die Möglichkeit, meine Ladentheke zu erweitern." Stefanie Fischer, Betten Federl, Murnau

Einige Meter weiter in der Murnauer Fußgängerzone: das Modehaus Handelskontor Staffelsee. Hier herrscht Stillstand. Chefin Rukiye Meder-Krumpf liefert zwar auch nach Hause, doch mit teurer Marken-Kleidung ist das nicht so einfach. Niemand braucht derzeit schicke Abendgarderobe fürs Theater. Die Winterware hatte sie vor einem Vierteljahr bestellt und bezahlt, nun bleibt vieles liegen.

"Wir machen das hier mit Herzblut. Auch meine Tochter arbeitet mit im Betrieb. Wir wollen Einzelhändler bleiben und das mit Leib und Seele. Wir brauchen einfach geöffnete Geschäfte." Rukiye Meder-Krumpf, Handelskontor-Staffelsee, Murnau

Einzelhandel rechnet mit Tausenden Insolvenzen

Der zweite Lockdown wird etliche Läden in den Ruin treiben, prognostiziert der Lobbyverband der Einzelhändler HDE. Er rechnet deutschlandweit mit 50.000 Insolvenzen – allein in Bayern mit 5.000. Mode-, Schuh-, Textil- und Ledergeschäfte sind im Einzelhandel die großen Verlierer der Pandemie.

Einige Fachgeschäfte profitieren

Manche Einzelhändler profitieren aber auch von der Pandemie. Thomas Kraus führt mit seiner Frau ein Elektrofachgeschäft in Kempten im Allgäu. Sie haben vier Angestellte. Auf etwa 240 Quadratmetern stellt er das typische Sortiment aus: Küchen-, Kaffee-, und Waschmaschinen, Hifi-Anlagen und Computer. Auch sein Laden ist im Lockdown zu. Doch er darf Installationen und Service anbieten. Dazu kann er Neuware verkaufen – das Geschäft brummt.

Deutsche investieren in Küchenmaschinen

In der Pandemie erleben viele kleine lokale Fachhändler eine Renaissance – durch Solidarität. Dazu kommt: Die Kunden geben ihr Geld statt für Reisen gerade lieber für die eigenen vier Wände aus. So hat in Deutschland der Verkauf von Küchenmaschinen in den ersten drei Quartalen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent zugelegt. Das spürt auch Thomas Kraus. Er hat trotz des Lockdowns sogar etwas mehr Umsatz gemacht als 2019.

"Wir liefern viel aus, auch viele kleine Sachen. Wir haben viele Stammkunden, die uns wirklich gut unterstützen. Da können wir darauf zählen." Thomas Kraus, Elektro-Kraus GmbH, Kempten

Einzelhändler wie das Elektrofachgeschäft Kraus hoffen, dass die Kunden Qualität und Service der Läden vor Ort weiterhin zu schätzen wissen. Auch dann, wenn die Pandemie irgendwann abebbt.

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