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"Level3": Neues Start-Up liefert maßgeschneiderte Lösungen | BR24

© Isabell Semmel

Team des Start-Ups Level3

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    "Level3": Neues Start-Up liefert maßgeschneiderte Lösungen

    "Level3" ist ein junges Unternehmen, das seinen Kunden IT-Lösungen anbietet. Damit soll es möglich sein, effizienter zu planen und Kosten einzusparen. Zu den Hauptkunden gehören derzeit Würzburger Bäckereien.

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    "Level3" ist ein neues Start-Up in Würzburg und kümmert sich um Softwarelösungen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Betriebsmanagement. Im Moment gehören Bäckereien zu den Hauptkunden. Nach dem Wirtschaftsplan des Start-Ups sollen in den nächsten drei Jahren 200 verschiedenen Bäckereien als Neukunden dazukommen. "Wir rechnen mit 20 Filialen pro Bäckerei und daher mit einem Umsatz von 400.000 Euro im Monat", sagt Fabian Taigel, einer der Gründer des Start-Ups.

    Künstliche Intelligenz berechnet Brötchen-Bedarf

    Zu den wichtigsten Kunden von "Level3" gehören zur Zeit Würzburger Bäcker, die viele Filialen unterhalten. "Mit unserer Lösung müssen sie jeden Tag zwischen 100 und 500 Brötchen weniger backen und nicht in den Müll werfen. Das gelingt, indem wir ihnen zum Beispiel raten, mehr zu backen, wenn die Sonne scheint und viele Brötchen für Grillfeste gebraucht werden", so Taigel. Umgekehrt gebe die KI-Lösung von "Level3" vor, "an Schultagen oder bei neuen Corona-Beschränkungen entsprechend weniger zu backen."

    Klingt reichlich banal und lässt den Schluss zu, dass Bäcker auch selbst darauf kommen könnten, wenn sie ihren Job länger ausüben und seit Jahren Erfahrungen gesammelt haben. "Könnte man annehmen", bestätigt Taigel, "tatsächlich landen aber immer noch unglaubliche Mengen im Abfall."

    Berechnungen statt ungefähren Kalkulationen

    In den Filialen müssen Mitarbeiter oft Dutzende von Produkten vorbereiten und dazu ständig Kunden bedienen. "Da bleibt ihnen keine Zeit, mal länger darüber nachzudenken, was und wie viel gebraucht wird, sondern sie müssen schnell entscheiden und handeln." Daher werde im Augenblick oft noch "so ungefähr" und über den Daumen kalkuliert.

    Fazit Taigel: "Bäcker erkennen schnell den deutlichen Mehrwert für ihr Unternehmen." Nach Berechnungen von "Level3" sparen sie zwischen 200 und 400 Euro im Monat pro Filiale ein, wenn sie auf die Lösung des Start-ups zurückgreifen. Im Gegenzug verlangt "Level3" zwischen 50 und 100 Euro für jede Zweigstelle. Kunden bekommen die nötigen Werte und Infos automatisch auf einer Oberfläche eingespielt, die sie selbst bedienen. Und sechs Tage im Voraus, damit sie zielgerichtet planen und ihre Mengen anpassen können.

    "Level3" bietet klare Planung durch Künstliche Intelligenz

    Verfehlte Planungen stellen nicht nur für Bäcker ein hohes Risiko dar. Auch Unternehmer in anderen Branchen dürfen sich keine Fehleinschätzungen leisten. Das kostet nicht nur Geld, sondern kann die Existenz aufs Spiel setzen. Doch Firmen müssen tagtäglich planen. Das macht viel Arbeit und bestimmt wesentlich die Abläufe in einem Betrieb. Noch immer treffen Unternehmer solche Entscheidungen lediglich "intuitiv und aufgrund von Erfahrungswerten", wie Fabian Taigel erkannt hat.

    Externe Zahlen kombiniert mit internen Daten

    Weil unternehmerische Handlungen heute mehr denn je auf zuverlässige Informationen angewiesen sind, will "Level3" sie auf eine solide Basis stellen. Dafür verarbeitet das Team externe Zahlen und interne Daten seiner Kunden. Damit werden passenden Algorithmen zur Verfügung gestellt. "Wir verwenden eine Kombination aus stochastischer Optimierung und maschinellen Lernverfahren", erläutert Jan Meller vom Team. Entwickelt wurde sie in "fünf Jahren Forschung" an der Universität Würzburg. Und diese Kombination sei "einzigartig", so Meller.

    Effizient zu planen und Kosten zu senken hat im Zuge der Globalisierung jedoch schon seit Jahrzehnten in allen Branchen höchste Priorität. "Nicht aber im Umfeld von Bäckereien", erwidert Taigel, "hier werden Daten oft gar nicht genutzt." Gerade hier sei eine klare Planung aber wegen der oft kurzen Haltbarkeit der Waren dringend geboten.

    Mathematiker, Volkswirtin und Ingenieur als Team

    Fabian Taigel ist Wirtschaftsmathematiker, zum Team von "Level3" gehört außerdem die Volkswirtin Sarah Mehringer. Beide kennen sich seit ihrem ersten Studiensemester an der Julius-Maximilians-Universität. Auch im Team des Start-Ups: Wirtschaftsingenieur Jan Meller, der für eine Promotion an die Würzburger Uni gekommen war. Mit Taigel und der Lufthansa-Logistik arbeitete er bereits daran, dort die betriebsinterne Planung zu verbessern.

    Bereits Ende 2018 reifte die Einsicht, eine Firma zu gründen. Seitdem wird "Level3" von mehreren Institutionen gefördert. Zunächst durch das Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT) der Würzburger Uni, das universitäre Gründungsprojekte betreut. Ebenso durch die "gut vernetzte Würzburger Gründerszene", so Sarah Mehringer.

    Stipendien vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

    Mit Hilfe von SFT beantragte das Team Stipendien aus dem EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Der Antrag hatte Erfolg. Ab September 2019 wurde "Level3" mit solchen Stipendien gefördert. Sie sicherten ein Jahr lang den Lebensunterhalt der Gründer, die sich während dieser Zeit auf die Unternehmensgründung konzentrieren konnten. "Zudem konnten wir davon Rechner anschaffen, Reisekosten zu potentiellen Kunden verrechnen und wichtige Kontakte knüpfen", so Taigel.

    Er hält solche Stipendien für Gründer für unverzichtbar. Nur mit ihrer Hilfe könne kontinuierlich und zielführend an einem Geschäftsmodell gearbeitet werden. "Sonst wäre es ein enormes Risiko und nicht realisierbar, ein Jahr lang eine Idee zu verfolgen und zu entwickeln ohne Gewissheit zu haben, dass sie dann auch jemand abkauft." Zugleich nutzte "Level3" Räume und Infrastruktur der Universität Würzburg. Zwei Professoren standen den Gründern als universitäre Mentoren zur Seite. Ebenso zwei Mentoren aus der Wirtschaft.

    "Corona war hilfreich"

    Wegen Corona wurde die EXIST-Förderung um drei Monate verlängert. "Das war sehr hilfreich", sagt Fabian Taigel. Denn nachdem sie ihre Firma im Herbst letzten Jahres gegründet hatten und mit Restaurants sowie größeren mittelständischen Industrieunternehmen als Kunden gestartet waren, bescherte den Machern von "Level3" die Pandemie "erst einmal Eiszeit in etlichen Bereichen." Nicht so bei Bäckern: Brot und Brötchen wurden weiter lebhaft nachgefragt.

    Auch deshalb liegt der Fokus von "Level3" auf diesem Kundenklientel. "Das ist ein großer Markt für uns", mutmaßen die Gründer, deshalb wollen sie IT-Lösungen weiter entwickeln und weitere Bäckereien gewinnen.

    36.000 Euro Zuschuss durch Auszeichnung

    Wenn EXIST Ende November ausläuft, "stehen wir einigermaßen auf eigenen Füßen", erläutert Taigel. Trotzdem müssen sich er und seine Mitstreiter eine Anschlussfinanzierung besorgen. Die Suche nach neuen Investoren hat bereits begonnen.

    Daran ändert auch der Preis nichts, den "Level3" vor wenigen Tagen durch das Bayerische Wirtschaftsministerium erhielt. Im Rahmen des Programms "Start?Zuschuss!" wurden 27 technologieorientierte Start-Ups ausgezeichnet. Unter ihnen: "Level3". Die Würzburger erhielten bis zu 36.000 Euro Zuschuss zu ihren Anlaufkosten. Darum beworben hatten sich laut Ministerium mehr als 100 Start-ups aus allen bayerischen Regierungsbezirken. Die Notwendigkeit des Programms begründete Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger damit, dass "Start-ups die Mittelständler und Arbeitgeber von morgen" seien. Mit ihren innovativen Ideen würden sie entscheidend "die künftige Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Wirtschaft" sichern.

    Drei Gründer im dritten Stock

    Das will auch "Level3". Der Name des Unternehmens leitet sich nicht nur aus der Zahl seiner Gründer ab. Er kommt auch daher, dass "unsere Büros immer im dritten Stock lagen", lacht Fabian Taigel. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er gemeinsam mit Sarah Mehringer und Jan Meller weiterhin hoch hinaus will.

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