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Ledvance schließt Werk in Eichstätt mit 360 Mitarbeitern | BR24

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Der Leuchtenhersteller wird seinen größten deutschen Standort schließen. Das kündigte die Unternehmensführung nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Garching an. Das Werk mit rund 360 Mitarbeitern stand schon länger zum Verkauf.

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Ledvance schließt Werk in Eichstätt mit 360 Mitarbeitern

Ledvance schließt sein letztes großes deutsches Werk in Eichstätt. Das Werk stand schon länger zum Verkauf. Die Hoffnung der rund 360 Beschäftigten, dass durch eine Übernahme die Schließung abgewendet werden kann, hat sich nun zerschlagen.

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Von
  • Stephan Lina
  • Lena Appel

Ledvance will das Werk in Eichstätt mit rund 360 Mitarbeitern schließen. Das beschloss die Unternehmensführung bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Garching. Das Unternehmen stand schon länger zum Verkauf. Angebote von Interessenten hätten sich aber "als nicht tragfähig erwiesen", so Ledvance.

Statt auf eine kostenintensive Eigenproduktion wolle das Unternehmen jetzt auf Partnerschaften setzen und sich auf Wachstumssegmente wie smarte Lichtlösungen konzentrieren. Am Standort Eichstätt wurden lange Zeit vor allem Halogenlampen gefertigt, die durch Gesetzesinitiativen in Europa und vielen anderen Teilen der Welt verboten wurden, erklärte das Unternehmen heute.

IG Metall kritisiert Ledvance

Für die Mitarbeiter des Leuchtenherstellers ist die Entscheidung eine herbe Enttäuschung. Am Vormittag hatten sie noch auf dem Werksgelände gegen die Schließung ihres Werkes protestiert. Bernhard Stiedl von der IG Metall warf dem chinesischen Eigentümer MLS vor, eine unseriöse Politik zu betreiben. Das oberste Management habe gar kein Interesse an der Zukunft des Werkes und seiner Beschäftigten, obwohl es sehr wohl Perspektiven für den Standort gebe, meinte Stiedl.

"Wir haben im Endeffekt drei Investoren, die den Standort übernehmen würden, wir haben neue Produkte außerhalb des Lampen- und Lechtensektors. Dennoch will der chinesicher Eigentümer den Standort schließen." Bernhard Stiedl, IG Metall

Die Belegschaft fühlt sich "verraten und verkauft"

Dem Eigentümer MLS sei es bei der Übernahme der früheren Osram-Tochter Ledvance nur um einen schnellen Zugang zu Know-how und zum europäischen Markt gegangen. Danach habe man angefangen, die hiesigen Fabriken zu schließen: erst in Augsburg und Berlin. Nun sei Eichstätt als letztes verbliebenes Werk an der Reihe. Die Belegschaft sei verraten und verkauft worden, so Stiedl. Das sieht auch Klaus Kürzinger vom Ledvance-Betriebsrat so:

"Erst im Sommer 2018 war hier eine Veranstaltung, wo gesagt wurde, das Eichstätter Werk wird das Leit-Werk in Europa. Hier wird die Konsolidierung der europäischen Werke stattfinden. Dann, im Januar 2019, hat die Geschäftsführung noch einen Tarifvertrag zur Standort- und Beschäftigungssicherung abgeschlossen. Die Zeichen, dass hier die Lichter ausgehen, waren also eigentlich nicht da." Klaus Kürzinger, Ledvance-Betriebsrat

Ledvance stand für wirtschaftlichen Aufschwung

Als das Werk in den frühen 60er Jahren gebaut wurde, galt Eichstätt als wirtschaftlich rückständig und strukturschwach. Mit der Leuchtenfabrik begann ein wirtschaftlicher Aufschwung, der bis heute anhält. An diese Bedeutung des Ledvance-Werkes erinnerte auch Eichstätts Landrat Anton Knapp:

"Das steht natürlich für sehr viele Arbeitsplätze und einen hohen Technologiestandard. Und wenn man rückblickend die ganze Werksgeschichte betrachtet, steht das gerade hier am Standort Eichstätt für eine wirtschaftliche Entwicklung, die für die Stadt, weite Teile unseres Landkreises und weit darüber hinaus unabdingbar ist, wenn man die Mitarbeiter-Ströme betrachtet." Landrat Anton Knapp

Nach Kuka ist Ledvance das zweite bayerische Unternehmen, dessen Produktionsstandorte im Freistaat trotz Zusagen von ihren chinesischen Eigentümern dicht gemacht wurden.

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In unternehmerische Entscheidungen kann der Freistaat nicht eingreifen. Der Wirtschaftsminister hofft, dass die betroffenen 360 Mitarbeiter rasch wieder eine andere Arbeitsstelle erhalten.

Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger setzt jetzt noch einmal auf Gespräche. In der BR-Rundschau sagte er, man werde versuchen, Ledvance doch noch davon zu überzeugen, weiterzumachen. Der Einstieg eines Investors sei allerdings schon abgelehnt worden.

Gegen die unternehmerische Entscheidung könne man nichts machen. Am Ende ginge es dann nur noch darum, den Beschäftigten wohnortnahe Ersatzarbeitsplätze zu vermitteln.