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Sparfalle Lebensversicherung? Diese Policen lohnen nicht mehr | BR24

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Die Lebensversicherung als Altersvorsorge? Warum klassische Sparformen oft nicht mehr rentabel sind.

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    Sparfalle Lebensversicherung? Diese Policen lohnen nicht mehr

    Sie klingen verlockend, doch oftmals sind sie nicht mehr rentabel: Traditionelle Sparformen wie Lebensversicherungen. Worauf man beim Abschluss achten sollte und warum sie sich oftmals nicht mehr als Altersvorsorge eignen.

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    Von
    • Johannes Lenz

    Sparerinnen und Sparer haben es in der Niedrigzinsphase nicht einfach. Denn aufgrund der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) lohnen sich viele klassische Sparformen nicht mehr. Trotzdem gelten Lebensversicherungen für viele Menschen immer noch als sichere Altersvorsorge. Doch dabei gibt es einiges zu beachten. Worauf insbesondere Berufseinsteiger bei der Altersvorsorge achten sollten, haben wir hier zusammengefasst.

    In eine Lebensversicherung zahlen die Versicherten in der Regel über Jahrzehnte monatlich Beiträge ein. Wenn der Vertrag nach einem gemeinsam vereinbarten Datum ausläuft, zahlt die Versicherung den gesamten Sparbetrag auf einen Schlag aus. Der Schutz vor dem Todesfall macht in der Regel nur einen kleinen Teil der Beiträge aus. Im Vordergrund steht das langfristige Sparen.

    Sparen mit der klassischen Lebensversicherung

    Die klassische Lebensversicherung heißt auch "kapitalbildende Lebensversicherung". Das bedeutet: Die Versicherung nimmt den kompletten Sparbetrag und legt das Geld an den Finanzmärkten an – bildet damit also Kapital. Versicherungsunternehmen lockten Sparerinnen und Sparer in der Vergangenheit oft mit guten Argumenten: Anfang der 2000er waren die Verträge noch mit einem lukrativen Garantiezins ausgestattet. Beispielsweise knapp drei Prozent. Das ist jedoch heute angesichts der Niedrigzinsphase bei Neuabschluss eher utopisch.

    Außerdem darf man nicht vergessen: Auch von einem Garantiezins kann die Versicherung noch Kosten abziehen. Für den Bankberater oder für die Anlage-Manager zum Beispiel.

    Fragwürdige "Überschussbeteiligung"

    Versicherungen werben oftmals zusätzlich mit der sogenannten Überschussbeteiligung. Laut dem Finanzexperten Saidi Sulilatu von "Finanztip" sollte man hier genau hinsehen: "Wenn die Versicherung an den Finanzmärkten ein großes Plus erwirtschaftet, bekommen die Versicherungsnehmer etwas davon ab. Ein Versprechen, das nicht unbedingt so attraktiv ist wie es sich anhört."

    Denn aus Kostengründen hätten viele Versicherer dieses Versprechen quasi aufgekündigt. Sie könnten es sich schlichtweg nicht mehr leisten. Man sollte die Höhe der Überschussbeteiligung deshalb genau im Blick haben – oftmals falle sie nur sehr gering aus. Ein positiver Aspekt bleibt jedoch: Die Auszahlungen später sind steuerfrei.

    Alte Lebensversicherung sollte in einigen Fällen weiterlaufen

    Um festzustellen, ob sich der Abschluss einer Lebensversicherung lohnt oder nicht, ist der Rechner auf der Seite von "Finanztip" hilfreich. "Finanztip" ist Teil einer gemeinnützigen Stiftung und betreibt ein unabhängiges Verbraucherportal.

    Nicht alle Verträge sind unrentabel. Es kann durchaus Sinn machen, eine alte Lebensversicherung weiter laufen zu lassen. Und zwar dann, wenn der garantierte Zins nach Abzug der Kosten noch über zwei Prozent liegt und damit die Teuerungsrate ausgleicht. Allerdings bieten die meisten Versicherungen aufgrund der Niedrigzinsphase solche Konditionen bei Neuabschluss nicht mehr an.

    Risikolebensversicherung: Wann sie sinnvoll ist

    Bei der Risikolebensversicherung steht nicht das langfristige Sparen im Vordergrund. Denn man baut damit kein Kapital auf. Die Beiträge sind nur die Kosten für den Versicherungsschutz. In manchen Fällen kann eine solche Versicherung sinnvoll sein: Wenn zum Beispiel unbedingt ein Immobilienkredit abbezahlt werden muss, aber nur einer der Partner Hauptverdiener ist.

    So ein Vertrag ist sinnvoll bis zu dem Zeitpunkt, zu dem die Immobilie abbezahlt ist oder bis die Kinder alt genug sind, um für sich selbst zu sorgen.

    Vorsicht vor Zusatzversicherungen

    Der Abschluss einer Lebensversicherung ist heutzutage nicht selten mit einer integrierten Zusatzversicherung verbunden. Hier sollten Sparerinnen und Sparer aufpassen. Denn beispielsweise können sich hinter dem komplizierten Wort "Berufsunfähigkeitszusatzversicherung" unnötig hohe Kosten verstecken.

    In solchen Fällen sollte man bei der Konkurrenz vergleichen oder genau überprüfen, ob man die Zusatzversicherung überhaupt braucht.

    Allianz schafft Beitragsgarantie ab

    Es ist ein schleichender Abschied: Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen trennen sich immer mehr Versicherungsunternehmen von ihren klassischen Verträgen. Denn sie sind ihnen wohl zu teuer geworden. Vor allem für Menschen, die kein hohes Risiko eingehen wollen, wird ein Neuabschluss unattraktiver. So schafft der Allianz-Konzern ab Anfang 2021 bei Neuverträgen die bisher immer garantierte Auszahlung von 100 Prozent der eingezahlten Sparbeiträge ab. Eine Police mit klassischer Garantie gibt es dann also nicht mehr.

    Ausgenommen sind nur Allianz-Altersvorsorgeprodukte, bei denen die Beitragsgarantie gesetzlich vorgeschrieben ist. Zum Beispiel bei der betrieblichen Altersvorsorge. Die Allianz baut stattdessen immer stärker auf risikoreiche Anlageprodukte wie Aktien, um durch eine höhere Rendite die Niedrigzinsphase abzufedern. Je niedriger die Beitragsgarantie, desto höher der Anteil "chancenorientierter Anlagen", heißt es von der Allianz.

    Der Versicherungs-Marktführer macht es vor und viele andere Versicherungen könnten bald nachziehen. Eine Reaktion auf die anhaltende Nullzins-Phase. Und so führen immer mehr klassische Sparangebote ein Nischendasein.

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