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Lebensmittel: Discounter und Supermärkte kämpfen um Kunden | BR24

© BR / Ralf Schmidberger

Discounter und Supermärkte kämpfen um Kunden.

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Lebensmittel: Discounter und Supermärkte kämpfen um Kunden

Lange gab es im Supermarkt eine große Auswahl und hochwertige Lebensmittel, die günstigen Alternativen im Discounter. Doch dieses Prinzip gilt nicht mehr. Discounter bieten Biofleisch und putzen sich auch optisch heraus. Ein Kampf um Kunden.

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Von
  • Ralf Schmidberger

Lange Regale, Palletten dazwischen, grelles Licht – mit einem großen Einkaufswagen schiebt sich der Kunde durch den nüchternen Laden. Manchmal muss er selbst einen Karton aufreißen, um an ein Spülmittel oder eine Packung Kekse zu kommen. Mit diesem Prinzip ist Aldi als erster Discounter einstmals gestartet und sehr erfolgreich geworden. Hauptsache billig, hieß es damals.

Discounter: Mehr Auswahl, mehr Markenartikel, mehr Design

Zwar werben die Discounter auch heute noch damit, am billigsten zu sein. Doch das müssen sie extra betonen. Denn auf den ersten Blick sieht es der Kunde nicht mehr, wenn er in eine Filiale von Aldi, Lidl, Penny oder Netto geht, meint der Handelsexperte Professor Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf.

Discounter hätten in vielen Bereichen aufgerüstet. Insbesondere Aldi biete mittlerweile mehr Markenartikel, erklärt Martin Fassnacht. Viele Discounter böten nahezu ein volles Sortiment. Auch die Filialen der Discounter seien aufgewertet worden. "Die Filialen sehen schön aus. Schickeres Design, mehr frische Produkte und mehr Service", sagt der Handelsexperte.

Ganz aus freien Stücken machen das die Discounter natürlich nicht. Denn all das ist mit höheren Kosten verbunden. Doch sie haben keine Wahl, so Fassnacht. "Das Qualitätsbewusstsein, die Erwartungen von Verbrauchern werden immer anspruchsvoller. Das heißt, die Discounter müssen auch entsprechend reagieren, um ihre bestehenden Kunden zu halten und auch neue Kunden zu gewinnen."

Discounter vs. Supermarkt: Harter Kampf um Kunden

Bis zum Jahr 2008 haben die Discounter die Supermärkte immer mehr in die Ecke gedrängt und ihnen Kunden abgeworben. Also mussten die Supermärkte reagieren, meint Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE in München. Es seien "vor allem die Supermärkte, die ganz erheblich in den letzten Jahren ihre Optik, ihre Erscheinungsform, ihren Auftritt im Laden verbessert haben", sagt Joachim Stumpf. Die Discounter hätten nachgezogen, "um nicht noch mehr Marktanteile an die Supermärkte zu verlieren".

Supermärkte bieten günstige Eigenmarken

Im vergangenen Jahrzehnt haben die Supermärkte wieder Boden gut gemacht. Sie haben Grundnahrungsmittel als Eigenmarkten zum gleichen Preis verkauft wie die Discounter und gleichzeitig mit größerer Auswahl und einer netteren Einkaufsumgebung punkten können. Also sind die Kunden wieder zurückgekommen. Teilweise haben Edeka und Rewe ihre Umsätze doppelt so stark steigern können wie Aldi, Lidl und Co. Also haben die Discounter mit milliardenschweren Verschönerungen ihrer Filialen nachgezogen.

Allerdings hat das seinen Preis, sagt Handelsprofessor Fassnacht. Durch die Modernisierung der Filialen habe die Profitabilität von Discountern gelitten, sagt der Experte, und die Discounter verdienen nicht mehr so viel wie zuvor. Insbesondere Aldi hat zu kämpfen. Aldi Nord hat sogar zeitweise Verluste gemacht.

Experten: Supermärkte und Discounter sind sich zu ähnlich

Mittlerweile werden schon Stimmen in der Branche laut, dass die Annäherung der Discounter an die Supermärkte zu weit gegangen sei. Auch Fassnacht sieht das Problem. "Generell gesprochen dürfen Discounter Supermärkten aus Verbrauchersicht nie zu ähnlich werden, weil ansonsten es für Verbraucher keine Gründe gibt oder wenig Gründe gibt, zu Discountern zu gehen", sagt Fassnacht.

Letztlich müsse es den Discountern nicht nur darum gehen, den günstigsten Preis zu bieten, sondern dem Kunden durch Einkaufsatmosphäre und Image gleichfalls das Gefühl zu geben, dass er hier am günstigsten einkauft. Dass die Strategie dabei auch innerhalb der Konzerne umstritten ist, zeigt, dass sowohl bei Aldi und als auch bei Lidl in den vergangenen Jahren mehrfach die Führungsmannschaft gewechselt hat.

Prinzip: Immer günstiger sein

Zuletzt haben sich die Giganten der deutschen Lebensmittelmärkte eine regelrechte Schlacht um die günstigsten Preise geliefert. Der eine hat den anderen beispielsweise bei einer Kaffeemarke immer wieder um ein paar Cent unterboten. Und nun gibt es eine weitere Schlacht um die besten Standorte in den Innenstädten, sagt Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE. "Es leben viel mehr Menschen in den Städten und zusätzlich kommt dazu, dass die Bereitschaft, große Strecken in Kauf zu nehmen, gar mit dem Pkw zum Lebensmitteleinkauf zu fahren, sich extrem verringert hat."

Immer mehr Discounter-Filialen in den Innenstädten

Während bis vor zehn Jahren die Discounter vor allem mit großen Filialen an die Ausfallstraßen gezogen seien, steige nun die Bereitschaft, kleinere Formate zu machen. Der erbitterte Wettkampf der wenigen Spieler im Lebensmittelhandel geht also in jeder Hinsicht weiter und davon werden wir Verbraucher letztlich profitieren, meint Stumpf.

Durch die nach wie sehr hohe Wettbewerbssituation, seien die dauerhaft niedrigen Preise "nahezu garantiert". Dank der Expansionsstrategie, die auf mehr Nähe zum Verbraucher ausgerichtet ist, seien die Wege für Verbraucher zum Discounter kürzer.

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