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Lebensmittel aus der Region: Wertschöpfung durch Nachhaltigkeit | BR24

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Rinder auf der Weide

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Lebensmittel aus der Region: Wertschöpfung durch Nachhaltigkeit

Gastronomen, Landwirte und Bierbrauer im mittelfränkischen Feuchtwangen lassen sich von Billigpreisen in Supermärkten nicht kleinkriegen. Sie setzen auf Nachhaltigkeit und Zusammenhalt für regionale Produkte. Mit Erfolg.

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Gastwirt Heiner Sindel aus Feuchtwangen ist ein weit bekannter Tausendsassa in seiner Heimat. Der Hotelier, Karpfenzüchter und Naturschützer ist deutschlandweit aktiv in Sachen regionaler Vermarktung. Früher hat man ihn deswegen belächelt. Heute gilt der Mann, der auch gerne zur Jagd geht, als Visionär einer autarken und ökologischen Wertschöpfung.

"Wir haben sehr viele Betriebe, die Elemente dieses regionalen Wirtschaftskreislaufes sind, auch diese Vielfalt der Landschaft mitprägen, die weggehen. Und jetzt, glaube ich, ist die Trendwende da. Klimaschutz wird ein elementares Ziel der Menschheit sein, nicht nur bei uns, und dazu brauche ich dezentrale Strukturen." Heiner Sindel, Gastwirt in Feuchtwangen

Hohe Nachfrage für Produkte vom Bauern

Wild und Fisch besorgt Heiner Sindel für seine Gäste persönlich. Andere Lebensmittel muss er zukaufen. Und da hat er in und um Feuchtwangen ein dichtes Netz an Lieferanten gesponnen. Das Rindfleisch bezieht er von Bauer Rainer Gröninger im sechs Kilometer nördlich gelegenen Ortsteil Bieberbach. Kunden hat der Bauer mehr als genug. Er sei selbst überrascht über die hohe Nachfrage, "aber es ist momentan der Trend da auf Qualitätsfleisch und nicht auf Masse." So der Eindruck des Gastwirts.

Der Schlachtbetrieb liegt nur neun Kilometer entfernt. Es ist der letzte im Landkreis, der noch Großvieh verarbeitet. Kunden: vor allem Bauern, die ihr Fleisch direkt vermarkten.

Den familieneigenen Hotel-Gasthof in Feuchtwangen betreibt Heiner Sindel gemeinsam mit Ehefrau Elisabeth. Doch auch die Töchter helfen mit: die beiden älteren an der Rezeption, die jüngste Tochter Christine unterstützt ihre Mutter bei der Zubereitung der Speisen. Natürlich mit regionalen Produkten.

Mehr Unabhängigkeit bei Anbau und Vermarktung

Das Rezept für ihre Emmer-Getreidespeise haben sich Elisabeth Sindel und Tochter Christine selbst ausgedacht, und sie "Emmerotto" genannt. Die alte Getreidesorte baut Landwirt Gerhard Binder an, sein Feld liegt neun Kilometer entfernt. Die langen Halme müssen weiter auseinander stehen als beim konventionellen Getreide - ein idealer Lebensraum für Feldtiere und Ackerblumen. Der Bauer baut den Emmer aus Überzeugung an.

"Der Durchschnittslandwirt möchte eben viel Ertrag haben, bei der Firma abliefern und nichts mehr damit zu tun haben. Wir müssen schauen, dass wir ihn entspelzen, müssen schauen, wie wir ihn vermarkten. Also, es liegt alles in unserer Hand, was daraus wird. Und diese Arbeit scheut vielleicht mancher Landwirt." Gerhard Binder, Landwirt

Gerhard Binder kümmert sich um das Getreide, seine Frau Elisabeth um dessen Vermarktung. Auch Mehl, Nudeln und Schnaps gehören zum Sortiment.

Fokus auf Nachhaltigkeit statt auf Profitmaximierung

Zu dem über Jahre aufgebauten Kundenstamm des Getreidebauers Gerhard Binder zählt auch der regionale Bierbrauer Tobias Hüttner. Früher, so der Braumeister, habe er unter den Dumping-Preisen der Großen gelitten. Aber die Entwicklung der letzten Jahre sei "doch eher positiv". Verbraucher würden wieder mehr Wert auf Regionalität legen. Und seien wieder bereit, etwas mehr zu bezahlen.

Fragt man Brauer Tobias Hüttner nach seiner eigenen Kundschaft, landet man wieder bei Gasthofbetreiber Heiner Sindel: Jede Woche lässt sich der Gasthof in Feuchtwangen von der Privatbrauerei beliefern, und das schon seit Generationen. Man sein auf "einem guten Weg" mit dem regionalen Wirtschaftskreislauf, meint der Gastwirt: "Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns."