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Lage der bayerischen Wirtschaft nach wie vor ernst | BR24

© BR / Birgit Harprath

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen spiegeln sich bisher nicht in der bayerischen Wirtschaft wider. Für das Jahr 2020 rechnet der Verband vbw mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um acht Prozent. Die Erholung kann dauern.

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Lage der bayerischen Wirtschaft nach wie vor ernst

Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen spiegeln sich bisher nicht in der bayerischen Wirtschaft wider. Für das Jahr 2020 rechnet der Verband vbw mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um acht Prozent. Die Erholung kann dauern.

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Von
  • Birgit Harprath
  • Leonie Thim

Weder Pessimismus, noch Optimismus will die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) mit ihrem Frühjahrsindex verbreiten. Es gehe um einen realistischen Blick auf die Konjunkturlage und der fällt erst einmal düster aus, sagte der vbw-Präsident Wolfram Hatz auf einer Pressekonferenz in München.

In den letzten sechs Monaten sank der vbw-Index von 99 Punkten auf jetzt 51 Punkte im Frühjahr. Das ist der tiefste Stand seit der Finanzkrise im Herbst 2009 (ebenfalls 51 Punkte). Bei der letzten Erhebung zum Herbst 2019 lag er noch bei 100 Punkten. Nimmt man nur die Monate nach dem Shut-Down im März, sind es sogar nur 37 Punkte. Bis sich die Wirtschaft wieder erholt, kann es dauern, sagte Wolfram Hatz. "Wir erwarten bestenfalls 2022 eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau."

Bayerns Wirtschaft besonders schwer getroffen

Für heuer rechnet der Verband mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von acht Prozent in Bayern. Das ist mehr als im Bundesschnitt. Bayern lebt zum Großteil von der Automobilindustrie und dem Tourismus und damit von zwei Branchen, denen die Corona-Krise besonders zusetzt. Rund zwei Millionen Beschäftigte sind in Kurzarbeit und die Nachfrage nach neuen Kräften hat sich fast halbiert. Ein weiterer Grund für die düstere Lage ist, dass die bayerische Wirtschaft stark von der Nachfrage aus den USA, China, Österreich, Italien und Frankreich abhängt und diese Länder sind ebenfalls schwer von der Krise betroffen.

Zum realistischen Blick gehört für vbw-Präsidenten Wolfram Hatz eines aber auch, der Blick in die Zukunft. "Insgesamt stellen wir heute eine gewisse Bodenbildung fest, dass es nicht noch schlimmer werden wird, weil die Anmeldungen für Kurzarbeit oder die Zahl der Arbeitslosen generell weniger werden."

An Unternehmen richtet Wolfram Hatz den Appell, nun zu investieren. Von Verbrauchern wünscht er sich, dass sie konsumieren. Damit würden sie "den wirtschaftlichen Wiederaufbau unterstützen", erklärt Wolfram Hatz.

Für das Konjunkturpaket aus Berlin und die Hilfen des Freistaates gibt es ein Lob der bayerischen Wirtschaft. Die Vereinigung hat aber auch Forderungen, damit spätestens 2022 das Vorkrisenniveau wieder erreicht werde. Stromkosten senken zum Beispiel, weniger Bürokratie, keine Steuererhöhungen und ein flexibleres Arbeitsrecht.

Gewerkschaft gegen flexiblere Arbeitszeiten

Letzteres führt zu Diskussionen mit den Gewerkschaften. Der Deutsche Gewerkschaftsbund Bayern (DGB) zum Beispiel erklärte, dass Wirtschaftsverbände seit Jahren versuchen, flexiblere Arbeitszeiten durchzusetzen. Nun würden sie es vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie wieder versuchen, heißt es in einem Positionspapier der Gewerkschaft. Längere Arbeitszeiten, kürzere Ruhezeiten sowie Sonn- und Feiertagsarbeit will die Gewerkschaft jedoch nicht hinnehmen.

Darüber hinaus erneuert die Gewerkschaft ihren Appell, sachgrundlose Befristungen abzuschaffen und nicht im Zuge der Corona-Pandemie auszubauen.

© Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw)

vbw-Frühjahrsindex der bayerischen Wirtschaft 2020

Ein Weißbierglas zur Veranschaulichung

Zweimal im Jahr veranschaulicht die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) anhand eines Weißbierglases, wie es der Wirtschaft geht. Die aktuellen Daten des vbw-Index zeigen, wie ist es um die Konjunktur bestellt ist und was die Firmen erwarten. Der Inhalt des Glases für den Frühjahrs-Index zeigt, dass es zurzeit nur zu einem Viertel gefüllt ist.

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