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In Corona-Krise: Kurzarbeitergeld aufbessern ist erlaubt | BR24

© picture-alliance dpa

Mitarbeiterin in Supermarkt füllt Regale auf

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    In Corona-Krise: Kurzarbeitergeld aufbessern ist erlaubt

    Rund 64.000 Betriebe in Bayern haben Kurzarbeit angemeldet. Für Beschäftigte kann das heißen, dass sie deutlich weniger verdienen. Wegen der Corona-Krise dürfen Kurzarbeiter neuerdings jedoch in systemrelevanten Branchen ohne Abzüge hinzuverdienen.

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    Mit der neuen Regelung möchte die Bundesregierung für Kurzarbeiter Anreize schaffen, vorübergehend eine zusätzliche Beschäftigung in systemrelevanten Wirtschaftszweigen anzunehmen. Denn in der Landwirtschaft, dem Lebensmittel-Einzelhandel oder im Bereich Gesundheit und Pflege, wird nach wie vor teilweise händeringend Personal gesucht. Wer also bereit ist, zum Beispiel im Supermarkt Regale aufzufüllen, kann so sein Kurzarbeitergeld auf bis zu 100 Prozent des ursprünglichen Nettoeinkommens aufstocken. Weil der Zuverdienst anrechnungsfrei bleibt.

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    Großer Bedarf an Erntehelfern

    Großen Bedarf an Helfern und damit auch Jobs für Kurzarbeiter, gibt es aktuell besonders in der Landwirtschaft. Denn in Bayern arbeiten normalerweise rund 37.000 Saisonarbeitskräfte, von denen 95 Prozent aus dem Ausland kommen. Die meisten konnten aufgrund von Ein- und Ausreisebeschränkungen bisher nicht wie gewohnt eingesetzt werden. Zwar wurden die Reisebeschränkungen mittlerweile gelockert. Dennoch werden weiter viele Erntehelfer auch aus dem Inland gebraucht, um in den nächsten Wochen in Bayern Spargel zu ernten oder Salat, Kohl und andere Gemüsesorten zu pflanzen.

    Enttäuschte Bauern

    Erste Erfahrungen mit den neuen Erntehelfern sind durchmischt. Einige Landwirte äußern sich enttäuscht, weil das fachfremde Personal häufig zu wenig Ausdauer, Lernbereitschaft und Disziplin mitbringe.

    "Viele meinen, das ist ein Ferienlager bei uns. Oft fehlt die Arbeitsmoral. Jeder meint, Spargelstechen ist gar kein Problem. Wir kommen uns von diesen Leuten teilweise auch verarscht und ausgenutzt vor." Franz Schweiger, Spargelhof Schweiger aus Hohenwart

    Personalbedarf im Lebensmittel-Einzelhandel

    Auch in der Lebensmittelbranche ist für Kurzarbeiter Zuverdienst ohne Abzüge möglich. Allerdings ist die Zeit der großen Hamsterkäufe bereits wieder vorbei. Der Handelsverband Bayern rät deshalb, sich bei Supermärkten in der Nähe umzuhören, ob in Filialen oder Lagern noch Personal gebraucht wird.

    "Insgesamt in Bayern ist es so, dass viele Kurzarbeiter untergekommen sind bei uns. Als geringfügig Beschäftigte oder als Minijobber. Aber es gibt sicher auch noch Betriebe, wo händeringend Personal gesucht wird." Bernd Ohlmann, Sprecher Handelsverband Bayern

    Personalbedarf im Bereich Gesundheit und Pflege

    Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen oder Rettungsdienste sind systemrelevant. Hier können Kurzarbeiter nach der neuen Regelung deshalb ebenfalls abzugsfrei dazuverdienen. Es werden jedoch vor allem Mitarbeiter mit pflegerischen Vorkenntnissen gebraucht. Die online Plattform "Pflegepool Bayern" sucht etwa Pflegefachhelfer oder medizinische Fachangestellte. Besonders Berufsaussteiger, die in der jetzigen Krise, bereits sind, auszuhelfen, sollen sich melden. Kurzarbeiter, die aus der Industrie, dem Gastro-Gewerbe oder Einzelhandel kommen, haben hier wenig Chancen.

    Gewerkschaften fordern höheres Kurzarbeitergeld

    Die Gewerkschaften würden es lieber sehen, wenn sich Kurzarbeiter nicht auf die Suche nach Jobs und Zuverdiensten begeben müssten. Denn wer keine passende Arbeit findet, könnte es schwer haben. Wer ohnehin schon wenig verdiene, könne von 60 Prozent oder – wenn er Kinder hat – 67 Prozent nicht leben, meint der Vorsitzende des DGB Bayern Matthias Jena. Er fordert deshalb die Bundesregierung auf, das Kurzarbeitergeld aufzustocken.

    Manche Branchen und Unternehmen wie der Flughafen München zahlen aufgrund von Tarifverträgen oder freiwilligen Leistungen bereits höheres Kurzarbeitergeld als die gesetzlich vorgeschriebenen 60 oder 67 Prozent

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