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Kurz vorm Brexit: Ist die Euphorie nur ein Strohfeuer? | BR24

© BR/Felix Lincke

In Großbritannien ist die Bevölkerung nach wie vor gespalten bei der Frage nach dem Brexit. Am Austritt der Briten aus der EU ist aber nichts mehr zu ändern. Wirtschaftlich führt das gerade sogar zu regelrechter Euphorie: dem "Boris Bounce".

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Kurz vorm Brexit: Ist die Euphorie nur ein Strohfeuer?

In Großbritannien ist die Bevölkerung nach wie vor gespalten bei der Frage nach dem Brexit. Am Austritt der Briten aus der EU ist aber nichts mehr zu ändern. Wirtschaftlich führt das gerade sogar zu regelrechter Euphorie: dem "Boris Bounce".

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Beim Brexit sind die Briten gespalten. Einige sind enttäuscht über den bevorstehenden EU-Austritt, an diesem Freitag um 23 Uhr (deutscher Zeit). Andere sind euphorisch über einen möglichen Wirtschaftsaufschwung, der auch "Boris Bounce" genannt wird. Als sein Urheber gilt Premier Boris Johnson, der den Brexit nach mehreren zähen Jahren jetzt schnell vorantreibt.

Wohnungspreise in London ziehen wieder an

Fest steht, dass gleich nach dem Wahlsieg von Boris Johnson im Dezember die Wohnungspreise in London nach langer Flaute plötzlich nach oben sprangen. Auf Englisch kann man “Bounce Back“ dazu sagen. Seitdem ist von "Boris Bounce", also Boris-Aufschwung, die Rede.

Auch Konsum und Produktion steigen angesichts des Brexit

Die Erwartungen eines schnellen Endes der vorher endlos scheinenden Brexit-Verhandlungen mit der EU haben Konsum, Dienstleistungen und sogar die Produktion in Großbritannien angekurbelt. Dazu mögen auch Johnsons Wahlversprechen beigetragen haben. Der Premier hatte für seine Wiederwahl hohe öffentliche Investitionen und ein Konjunkturprogramm angekündigt.

Zentralbank denkt über Verschiebung der Zinserhöhung nach

So stieg das Wachstum nach dem Jahreswechsel auf ein 16-Monatshoch, alle Konjunktur-Indikatoren zeigen nach oben. Das wird auch an den Finanzmärkten positiv aufgenommen. Die Wirtschaftsdaten sind derzeit so gut, dass die mögliche Zinssenkung der Bank of England diese Woche wohl verschoben wird, weil sie nicht mehr notwendig erscheint.

Kritiker sehen im "Boris Bounce" aber nur ein Strohfeuer. Sie erinnern vor allem an das unsichere Handelsabkommen mit der EU. Denn andere Wirtschaftsdaten zeigen auch an, dass der Brexit sehr wohl negativen Einfluss auf den Handel mit Großbritannien hat.

Deutsche Exporte nach Großbritannien deutlich gesunken

Beispielsweise sind die deutschen Exporte nach Großbritannien im Vorfeld des Brexits deutlich gesunken. Von Januar bis November 2019 führten deutsche Unternehmen Waren im Wert von 73,6 Milliarden Euro nach Großbritannien aus, drei Milliarden Euro oder vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie aus Zahlen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervorgeht.

Demnach ist Großbritannien innerhalb der vergangenen drei Jahre von Platz fünf auf Platz sieben der wichtigsten Handelspartner Deutschlands gerutscht.

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