Laptop Computer auf einem Schreibtisch mit der Künstlichen Intelligenz Website Chat GPT
Bildrechte: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

ChatGPT kann zwar Unternehmen stark entlasten. Doch gleichzeitig schafft die KI Intransparenz und kostet viel Energie.

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Künstliche Intelligenz: Wie ChatGPT die Arbeitswelt verändert

ChatGPT verändert die Arbeitswelt. Es ermöglicht Firmen routinemäßige Aufgaben automatisiert zu erledigen. Das erhöht die Effizienz - kostet aber viel Energie. Das Hasso-Plattner-Institut sucht Wege für eine sparsamere Künstliche Intelligenz.

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ChatGPT hilft der IT-Firma Blueprint in München bei ziemlich komplexen Aufgaben. Firmenchef Andreas Lessing demonstriert das an einem Beispiel: Viele seiner Kunden möchten derzeit ihre Daten in eine Cloud umziehen, um sie vor Hackerangriffen besser zu schützen. Dazu müssen Andreas Lessing und seine Mitarbeiter nachprüfen, wie es um den Datenschutz steht. Seit neuestem setzt er hier die Künstliche Intelligenz ChatGPT ein: "Ich hatte ChatGPT gefragt, mir mal eine Struktur für eine Datenschutz Folgenabschätzung für einen Konzern vorzulegen. Dann kam eine relativ gut strukturierte Vorlage raus," berichte Andreas Lessing im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Er sehe ChatGPT als Werkzeug an, das uns einfach helfe, Dinge schneller voranzutreiben, auch um Dinge für seine Kunden besser zu machen. Tatsächlich könnten Fachleute die Gliederung, die ChatGPT hier ausspuckte, nach Lessings Einschätzung kaum besser machen. Arbeitsplätze aber fallen dadurch nicht weg berichtet der Firmenchef. Man müsse das Ergebnis, dass die Textgenerierung ausgibt, sorgfältig prüfen. Der große Vorteil: Die Zeitersparnis, die Raum für andere, kreativere Aufgaben zulässt.

ChatGPT erleichtert Alltagsaufgaben

Auch die IT-Firma Innfactory in Rosenheim setzt ChatGPT schon ein. Das zeigt Firmenchef Tobias Jonas am Beispiel einer Webseite, die er für einen Kunden erstellen soll. Es geht um Software für Handwerker. Er fragt ChatGPT, wie so eine Webseite aufgebaut werden soll. Im Nu liefert der Computer eine Gliederung, die Überschrift und einen inhaltlich fast perfekten Text, den er überarbeitet und dann auf die Webseite kopiert. Dem Firmenchef Tobias Jonas werden damit Alltags-Aufgaben, die weniger Spaß machen, abgenommen: "Das kann ich dann noch ein bisschen umformulieren, dass es zu meinem Sprachstil passt, aber ich habe einfach schon mal eine gute Grundlage. [...] Aber ich würde nicht sagen, dass irgendwer ersetzt wird dadurch."

ChatGPT schreibt Software

ChatGPT kann noch mehr, als Texte schreiben. Prof. Ralf Herbrich am Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit führt das mit seinen Studenten vor. Sie fordern ChatGPT auf, ein Programm zu schreiben, dass Zahlen der Größe nach sortieren kann. Sofort spuckt die KI einen Programmcode aus. Das ist nur ein Beispiel für ein einfaches Programm. Aber es funktioniert, so Prof. Ralf Herbrich vom Hasso-Plattner-Institut: "Programmieren ist ja letztlich den Text schreiben, den ein Computer versteht und ihn ausführt. In den letzten zehn, zwanzig Jahren haben viele Programmierer ihr Wissen über Programme im Internet ausgetauscht. Die Programmfehler werden diskutiert und ChatGPT kann diese Texte lesen und daher kann es auch diese Texte generieren, eben aus den Beobachtungen, aus den Aufzeichnungen des Internets."

ChatGPT – ein Energiefresser?

Im aktuellen Hype um ChatGPT und andere KI-Anwendungen würde bislang aber ein wichtiger Aspekt vernachlässigt, so Prof. Ralf Herbrich: "Um sie zu trainieren, braucht es nicht nur riesige Datenmengen, sondern auch immens viel Energie. Einer Studie zufolge fällt beim Training eines einzigen KI-Modells so viel CO2 an, wie im gesamten Lebenszyklus von fünf Autos. Hinzu kommt noch der Stromverbrauch für die aufwändigen Berechnungen der einzelnen Aufgaben. Wenn wir jetzt alle mit ChatGPT, Dall-E oder Midjourney experimentieren, hat auch das einen Fußabdruck." Auf seinem Fachgebiet "Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit" forsche er mit seinem Team daher an energieeffizienteren Algorithmen für grundlegende Verfahren der KI: "Wir schauen uns beispielsweise genau an, in welchen Bereichen Ungenauigkeiten bei Berechnungen toleriert werden können, um auf diese Weise Energie einsparen zu können. Unser Vorbild ist das menschliche Gehirn – es benötigt gerade mal 20 Watt am Tag", so Prof. Herbrich.

Einschränkungen für den Einsatz von KI

Ob Programmcode oder Textgenerierung: Künstliche Intelligenz wie Chat GPT kann zwar Unternehmen stark entlasten. Doch gleichzeitig schafft ChatGPT Intransparenz. Wer hat die Leistung erbracht? Der Mensch oder Chat GPT? Und – die ersten Beschränkungen zeichnen sich ab, durch ein neues Gesetz der EU. All das sorgt für Diskussionen sorgt das für Gesprächsstoff, erklärt uns Ilja Nothnagel von der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Berlin. "Wir erleben eine Verunsicherung. Spreche ich noch mit einem Menschen? Spreche ich mit einer Maschine? Wie viel geistiges Eigentum steckt dort eigentlich drin?"

Aber es gäbe auch Fachkräftemangel und viele Unternehmen bräuchten Erleichterungen, so Ilja Nothnagel. Daher sei die Frage, wie man den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Firmen nach vorne bringen könne, wenn die Wettbewerber in den USA oder in Japan so eine Technologie einfacher einsetzen können: "Am Ende geht es um Produktivität, das heißt um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im internationalen Wettbewerb", betont Nothnagel.

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