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Bitcoin und Co.: Auch ein Fall für das Finanzamt

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Kryptowährungen: Welche Steuern fallen bei Bitcoin und Co. an?

Spekulieren mit Kryptos: Neben dem bekannten Bitcoin gibt es mehrere tausend andere sogenannte Cyberwährungen. Doch wer mit dem digitalen Geld Gewinne macht, muss diese oft versteuern. Es gibt aber Zweifel, ob eine Steuer hier rechtens ist.

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Von
  • Ralf Schmidberger

Umfragen zufolge besitzen ungefähr vier Prozent der Deutschen "Kryptowährungen". Die deutlichen Wertsteigerungen in den vergangenen Monaten haben das digitale Geld interessant gemacht. Doch auch wenn viele ihr Investment in das neue Zahlungsmittel mehr als Glückspiel betrachten: Der Fiskus möchte in vielen Fällen mitverdienen.

Steuer frisst bis zu 45 Prozent des Bitcoin-Gewinns

Wer direkt Bitcoin, Ethereum, Binance, Dashcoin und dergleichen kauft, hat grundsätzlich eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Das heißt: Wird die "Kryptowährung" nach dem Ablauf von zwölf Monaten mit Gewinn verkauft, bekommt das Finanzamt nichts. Bis zu diesem Zeitpunkt aber schon. Das realisierte Kursplus muss der Betroffene in diesem Fall mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Bis zu 45 Prozent gehen dann an den Fiskus. Gegebenenfalls wird auch noch ein Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer abgezogen.

Bei einem kleinen Plus geht das Finanzamt allerdings leer aus: Es gibt eine Freigrenze von 600 Euro. Wird diese Summe aber nur leicht überschritten, muss der gesamte Gewinn mit dem persönlichen Satz versteuert werden. Achtung: Wer mit seiner "Kryptowährung" einkauft und damit beispielsweise einen Tesla bezahlt, ist nicht vor der Steuer gefeit. Innerhalb der Ein-Jahresfrist muss auch in diesem Fall ein Kursgewinn versteuert werden.

Vorteil: Bitcoin-Verluste mindern Steuerlast

Wer sich verspekuliert hat und mit seinen "Kryptowährungen" Verluste gemacht hat, kann diese bei der Steuererklärung angeben. Auch hier gilt die Ein-Jahres-Frist. Wer mit seinem digitalen Geld im Minus ist, sollte also die "Cyberwährung" innerhalb der Jahresfrist verkaufen. Die Verluste sind dann mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften des laufenden Jahres oder künftiger Jahre steuersparend verrechenbar.

Immer wieder kommt es vor, dass Bitcoin übers Internet gestohlen werden. In diesem Fall erkennen die Finanzämter bislang den Verlust bei den Steuern nicht an. Das gilt selbst dann, wenn der Diebstahl und damit der Totalverlust innerhalb eines Jahres nach dem Kauf erfolgt sind. Die Begründung: Ein Diebstahl stellt kein Veräußerungsgeschäft im Sinn des § 23 des Einkommensteuergesetzes dar.

Streit: Ist die Steuer bei Kryptowährungen überhaupt rechtens?

Es wird gestritten, ob Gewinne aus dem Verkauf von "Kryptowährungen überhaupt das Finanzamt etwas angehen. Das Finanzgericht Nürnberg hat Zweifel an einer Besteuerung im Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäfts im Sinne des § 23 EStG geäußert.

Tipp: Falls das Finanzamt von Ihnen die Steuer auf Cyber-Geld-Gewinne haben will, legen sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein und verweisen Sie dabei auf den Beschluss des Finanzgerichts Nürnberg. Dann heißt es abwarten, was die womöglich oberste Instanz entscheidet.

ETFs und ETCs mit "Kryptowährungen" werden anders besteuert

Für Anleger, die nicht direkt eine "Kryptowährung" kaufen und stattdessen mit einem ETF, also einem börsengehandelten Fonds, auf Cyber-Geld setzen, gilt eine andere Regel. Hier muss bei realisierten Gewinnen die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer entrichtet werden – so wie bei anderen Fonds und Aktien auch.

Bei solchen Kapitalanlagen gibt es einen Freibetrag von 801 Euro (1.602 Euro bei zusammenveranlagten Partnern). Der Anleger kann für diese Summe seiner Bank einen Freistellungsauftrag erteilen.

Etwas komplizierter wird es bei anderen börsengehandelten Wertpapieren: den sogenannten ETCs (Exchange Traded Commodities). Räumt ein ETC dem Kunden das Recht ein, die "Kryptowährung" tatsächlich ausgeliefert zu bekommen, gilt die Ein-Jahresfrist wie bei einem Direktinvestment. Gibt es keinen Auslieferungsanspruch, gilt die Regel mit der Abgeltungssteuer.

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