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Chia Coin: Neue Kryptowährung sorgt für Goldgräberstimmung

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Kryptowährung Chia: Der neue Bitcoin?

Mit Chia ist eine weitere Kryptowährung am Start, die seit wenigen Tagen erst handelbar ist. Wie bei den Anfängen von Bitcoin sollen sich so genannte Chia Coins daheim auf dem Rechner herstellen lassen. Das erzeugt bei vielen eine Goldgräberstimmung.

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Von
  • Felix Lincke

Anders als beim Bitcoin, der ein Netzwerk von ultraschnellen Hochleistungsrechnern erfordert, wird Chia auf vernetzten Computer-Festplatten produziert. Das soll weniger Strom verbrauchen und damit nachhaltiger sein als bei anderen Kryptowährungen. Wer mit seiner Parzelle auf der Festplatte zur Chia-Blockchain beiträgt, wird mit Coins belohnt. Software und das digitales Rohmaterial gibt es kostenlos im Internet.

Großinvestoren verdrängen kleine private Chia-Macher

Ähnlich wie beim Bitcoin, der sich inzwischen nur noch mit sehr hohen Anforderungen professionell herstellen lässt, wird es auch bei Chia immer aufwändiger. So wächst die Mindestgröße für die Parzelle, und die Rechner sollten schnell sein. Zu kleine Speicher fallen aus der Produktion heraus.

Mit dem Einstieg von Großinvestoren hat ein globaler Wettlauf um bestimmte Festplatten begonnen, die teilweise schon ausverkauft sind. Sollten Kryptowährungen wie Chia sich durchsetzen, könnte das zu Lieferengpässen wie bei Computerchips und Grafikkarten führen.

Vertiefte Computer-Kenntnisse und hoher finanzieller Aufwand

Bereits heute ist die Herstellung von Chia Coins kein einfaches Hobby. Für die Anschaffung der Hardware, wie sie etwa in Youtube-Videos präsentiert wird, sind fünfstellige Beträge fällig. Auch die Bedienung der Software für das sogenannte Plotting erscheint nicht so einfach. Gemeint ist damit eine Art virtueller Druckvorgang, bei dem die Coins innerhalb eines bestimmten Rasters ausgerechnet werden. Erst wenn diese Vorlage richtig und vollständig bearbeitet wird, entsteht eine brauchbare Einheit der Cyberwährung. Dabei kann man vieles falsch machen und produziert dann mit einem erhöhten Stromverbrauch nur teuren Datenmüll.

Ganz wichtig ist auch, dass alle diese Prozesse in einem möglichst kurzen Zeitraum stattfinden. Sonst würde es theoretisch Jahre dauern, bis meine "Chia-Farm" zu Hause die ersten Resultate liefert. Doch das würde so nicht stattfinden. In der Zwischenzeit hätte sich die Software und der Programmiercode so stark geändert, dass meine Coins einfach nicht rechtzeitig fertig wären.

Image der Währung Chia zum Selbermachen nur Marketing?

Alle diese Umstände werden vermutlich dafür sorgen, dass viele Chia-Amateure in absehbarer Zeit aus dem Rennen fliegen. Im Moment scheint bei vielen noch Goldgräberstimmung zu herrschen. Manche denken an die Anfänge von Bitcoin und ihre verpassten Chancen. Im Rückblick wäre es damals mit vertieften Computerkenntnissen recht einfach gewesen wäre, mit dem Mining zu Hause ein Millionenvermögen zu schürfen.

Darauf, dass diese Geschichte sich wiederholt, hoffen viele Produzenten. Auf jeden Fall ist es den Erfindern von Chia mit diesem Angebot gelungen, viel Aufmerksamkeit zu erregen und von Anfang an vielleicht auch eine höhere Akzeptanz für die Kryptowährung zu schaffen. Bram Cohen, der als der Erfinder von Bit Torrent gilt, soll sich Chia ausgedacht haben. Für viele Investoren ist das eine Art Gütesiegel dafür, dass das Projekt einen gewissen Erfolg haben wird.

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