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Schwierige Anlegerfrage: Wie steuerlich korrekt bleiben bei Bitcoin&Co. ?

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    Krypto-Investoren im Steuerdschungel

    Krypto-Investoren im Steuerdschungel

    Wer in Bitcoin & Co. investiert, scheut keine Risiken. Was viele nicht ahnen: Neben großen Kursschwankungen könnte auch das Finanzamt Probleme machen. Denn es mangelt weiterhin an Rechtssicherheit für Steuerzahler.

    Wie sind Erträge aus dem Handel mit Bitcoin, Ether und anderen sogenannten Krypto"währungen" steuerlich zu behandeln? Dazu wurde in diesen Tagen vom Bundesfinanzhof in München (Az. IX R 27/21) Grundlegendes erwartet. Doch weil der Kläger die Revision zurücknahm, bleiben Anleger zunächst in einer Grauzone, die durchaus gefährlich werden kann.

    Missverständnis kann teuer werden

    Der Münchner Fachanwalt Dr. Christopher Arendt nennt einen typischen Fall aus seiner Praxis: Ein Lehrer aus Hessen hatte im vergangenen Jahr rund 200.000 Euro Gewinn mit Kryptogeschäften gemacht. Was er nicht bedachte: Jede seiner vielen Transaktionen löste jeweils einzeln und für sich einen Besteuerungstatbestand aus. Stattdessen reinvestierte der Lehrer mit unversteuertem virtuellem Geld und erzielte weitere unversteuerte virtuelle Gewinne. Ein hohes und unerkanntes Risiko, denn was passiert, wenn der Kurs wie zu Jahresbeginn 2022 stark abstürzt ? Dann bleibe Anlegern die Steuerschuld aus vorangegangenen Gewinnen, obwohl sie zum Stichtag im Minus sind, fasst Steueranwalt Arendt die möglichen praktischen Auswirkungen zusammen.

    Dokumentieren ist Pflicht

    Als Lehre aus diesem Grundmissverständnis kann es nur einen Rat geben: Rechtssicher dokumentieren. Sämtliche Anschaffungsvorgänge sollten dokumentiert und damit festgehalten werden. Dabei kann auch ein Tausch verschiedener Krypto-Währungen, etwa Bitcoin in Ethereum oder Solana, einen steuerlich relevanten Vorgang begründen. Fachanwalt Arendt stellt klar: Auch wenn etwa mit Bitcoins oder Ethereum bezahlt wird, kann das steuerlich einer Veräußerung gleichgestellt sein. Das werde vielfach nicht beachtet.

    Die Probleme bestehen auch bei Anlagen in Krypto-Sparplänen, die mit Indizes aus mehreren Kryptowährungen arbeiten. Weil sich deren Zusammensetzung ständig ändert, müssten Anleger nachweisen, wie lange jede einzelne Währung im Portfolio war, um steuerlich korrekt zu bleiben. Im Ergebnis sinkt zwar das Anlagerisiko, aber steuerlich wird es kompliziert und aufwändiger.

    Nur weil es komplex ist, Kryptowährungen zu versteuern, ist dies noch lange kein Grund die Gewinne vor dem Fiskus zu verheimlichen. Juhn&Partner, Kanzlei für Unternehmenssteuerrecht

    Immerhin: Zur Aufzeichnung solcher Vorgänge gibt es gesonderte Programme, die hier sehr viel Dokumentationsarbeit übernehmen.

    Auch Minderjährige lösen Steuerpflicht aus

    Auch hier häufen sich die Fälle bei Fachanwalt Arendt. So berichtete ein aufgeregter Vater, sein minderjähriger Sohn habe mit sogenannten NFT (Non Fungible Token) mittlerweile mehr als 15.000 Euro verdient. Grundsätzlich gilt aber: Auch der minderjährige Sohn kann steuerpflichtige Einnahmen haben. Die Steuererklärung muss grundsätzlich über die gesetzlichen Vertreter (regelmäßig die Eltern) abgegeben werden. Dabei hat jeder Steuerpflichtige für das Jahr 2021 einen Grundfreibetrag von 9.744 Euro. Auch dieser Betrag ist altersunabhängig. Wenn der Minderjährige darüber hinaus keine steuerpflichtigen Einnahmen hat, werden die Gewinne bis zu diesem Betrag im Ergebnis nicht besteuert.

    Andernfalls jedoch kann bei Nichtabgabe einer Steuererklärung sogar ein Steuerstrafverfahren drohen. Deshalb sollten die Eltern auch vorsorglich mit ihren Kindern darüber sprechen, inwieweit diese in der Krypto-Welt mitwirken.

    Warten auf Klarheit und viele offene Fragen

    Wie die Finanzämter künftig vorgehen, soll mit einem aktuellen Schreiben des Bundesfinanzministeriums geklärt werden. Die Abstimmung mit den Länderfinanzministerien läuft und die Veröffentlichung wird auf BR24-Anfrage "zeitnah angestrebt".

    Parallel dazu strebt der Gesetzgeber nach weiterer Klärung. Auf Betreiben der FDP steht in der Ampel-Koalition eine steuerliche Gleichbehandlung mit Kapitalerträgen auf der Tagesordnung. Im Gegensatz dazu werden bislang Gewinne aus dem An- und Verkauf von Kryptowährungen innerhalb eines Jahres als private Veräußerungsgeschäfte behandelt.

    Nicht auf Anonymität beim Krypto-Geld bauen

    Wer sich auf die Anonymität im Kryptouniversum verlässt, kann jedenfalls längerfristig böse Überraschungen erleben. Dies gilt grundsätzlich immer dann, wenn Kryptogewinne in offizieller Währung auf das mittlerweile gläserne Bankkonto zurückfließen.

    Fachanwalt Arendt geht zwar davon aus, dass der deutsche Fiskus gegenwärtig keine Informationen darüber hat, wie viel Krypto-Geld ein Steuerpflichtiger in Deutschland besitzt. Dies sei aber bedeutungslos für die Besteuerung und die damit verbundene Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung.

    Wer hätte sich vor 15 Jahren vorstellen können, dass Schweizer Banken jährlich die Kapitalerträge in Deutschland steuerpflichtiger Personen nach Deutschland melden. Fachanwalt Dr. Christopher Arendt

    Tatsächlich unterstellen die Finanzgerichte eine erweitere Mitwirkungspflicht des Steuerpflichtigen bei Auslandssachverhalten. Aus Sicht von Fachanwalt Arendt ist es nicht ratsam, auf die künftige Anonymität der betroffenen Plattformen zu bauen.

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