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Kreuzfahrten im Test: Das Traumschiff als Kostenfalle | BR24

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Zwei Wochen Karibik-Kreuzfahrt mit Vollpension für 1.500 Euro. Schon inbegriffen: Flugreise aus Deutschland, Transfers und Trinkgelder an Bord. Wie ist das möglich? Stiftung Warentest hat sich umgeschaut.

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Kreuzfahrten im Test: Das Traumschiff als Kostenfalle

Zwei Wochen Karibik-Kreuzfahrt mit Vollpension für 1.500 Euro. Schon inbegriffen: Flugreise aus Deutschland, Transfers und Trinkgelder an Bord. Wie ist das möglich? Stiftung Warentest hat sich umgeschaut.

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Stiftung Warentest hat Kreuzfahrten von Reedereien mit Billigangeboten untersucht. Auch nach Stellen, wo möglicherweise gespart wird: auf Kosten der Sicherheit von Passagieren, des Umweltschutzes und des Bordpersonals. Getestet wurde auf zwölf Schiffen der Reedereien "Aida Cruises", "Costa Crociere", "MSC Kreuzfahrten" und "TUI Cruises".

Sicherheit an Bord: Insgesamt gut, aber Kostenrisiken im Krankheitsfall

Erste Prüfung: Wie steht es um die Sicherheit der Passagiere? Dafür haben die Tester Expertenteams zusammengestellt und auf alle zwölf Schiffe geschickt.

"Da waren Kapitäne dabei, aber auch Schiffsbetriebs-Techniker. Da waren Wirtschaftsingenieure für Seeverkehr dabei, Schiffsbauer. Also eine breite Palette von Menschen, die sich wirklich gut auskennen." Anne Kliem, Stiftung Warentest

Die Experten haben alle Sicherheitseinrichtungen an Bord der Schiffe untersucht. Dazu gehören Rettungsboote und Rettungsinseln, aber auch Notfallpläne und ihre Durchführung, mit Feuer- und Wassereinbruchübungen. Sie haben die Evakuierungsübung beobachtet, die Sicherheit der Passagiere am Pool und der Relings. Zudem haben sie Fluchtwege, Anzahl und Qualität der Rettungsmittel geprüft.

Das Ergebnis: Die Sicherheitsvorkehrungen auf den Schiffen seien in Ordnung. Im Prüfpunkt "Sicherheit" gibt es daher laut Stiftung Warentest gute Noten für alle zwölf Schiffe. Auch Teil des Sicherheitschecks: die medizinische Versorgung an Bord. Auch hier gibt es keine Mängel, doch schon der Besuch beim Bordarzt ist kostenpflichtig. Ansonsten halten sich die Kosten so lange in Grenzen, wie alles gut geht:

"Insbesondere ist es aber teuer, wenn es wirklich zum Notfall kommt, wenn man dann ausgeflogen oder ausgebootet werden muss, weil die Versorgung an Bord nicht ausreicht. Und dafür empfehlen wir auf jeden Fall, dass man eine Auslandsreise-Krankenversicherung abschließt, vor der Kreuzfahrt natürlich, die solche Fälle auch abdeckt." Anne Kliem, Stiftung Warentest

Umweltschutz: Nicht alle Schiffe haben die nötige Ausrüstung

Zweite Prüfung: Was tun die Reedereien für den Umweltschutz? Größtes Umweltproblem: Alle Kreuzfahrtschiffe im Test fahren mit Schweröl. Schweröl ist ein besonders schmutziger Treibstoff.

"Beim Verbrennen von Schweröl entstehen einfach Unmengen an Schwefeldioxid, Stickoxide und auch Ruß. Und das ist alles natürlich sehr umwelt- und auch gesundheitsschädlich." Claudia Till, Stiftung Warentest

Die Schiffe können auch mit dem besseren Schiffsdiesel fahren. Der ist aber teurer, und wird daher nur genutzt, wo es vorgeschrieben ist. So in der Nord- und Ostsee, aber nicht in der Karibik. Auch das Filtern der schmutzigen Abgase ist möglich, doch nicht alle Schiffe haben die notwendige Technik an Bord.

"Einige Schiffe haben zum Beispiel mehrere Filter an Bord, um zum Beispiel Schwefeldioxid zu reduzieren, aber auch Stickoxide. Andere Schiffe, sogar neuere, haben keinen einzigen Filter an Bord." Claudia Till, Stiftung Warentest

"Zwei-Klassen-Gesellschaft" beim Personal

Beim Umweltschutz sind acht von zwölf Schiffen im Test gerade mal ausreichend - vier Schiffe sind immerhin befriedigend. Bleibt der dritte Prüfstein: Die Arbeitsbedingungen an Bord. Die Tester haben beim Personal eine Art "Zwei-Klassen-Gesellschaft" vorgefunden.

"Wir haben die höher qualifizierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Zum Beispiel die Offiziere, der Kapitän oder Chef des Hotelbetriebs. Das sind häufig Europäer, und die haben eher kurze Arbeitsverträge. Die sind dann so drei Monate an Bord und verdienen auch gut, haben Anspruch auf Sozialleistungen. Und dann haben wir den großen Teil der restlichen Besatzung. Die sind zuständig für den Hotelbetrieb, zum Beispiel Zimmermädchen oder auch die Deckhilfen. Die haben ganz andere Verträge. Die sind so neun bis elf Monate an Bord, verdienen deutlich weniger, und sie haben auch keinen Anspruch auf Sozialleistungen." Claudia Till, Stiftung Warentest

Servicekräfte arbeiten zwölf Stunden täglich, sieben Tage die Woche, neun Monate am Stück. Stundenlohn: zwischen 2,50 Euro und 4,50 Euro. Dazu oft ein Leben unter Deck, fernab der Sonne. Bei den Arbeitsbedingungen gibt es kaum Unterschiede zwischen den vier Reedereien im Test. Das Urteil daher: ausreichend für alle vier.

Für Expertin Claudia Till ließe sich festzustellen: Die geprüften Reedereien halten sich zwar an die gesetzlichen Regelungen, die aber seien oft so "lasch", dass die Kreuzfahrtunternehmen "deutlich mehr" tun könnten. Fazit: Billige Kreuzfahrten gehen auf Kosten der Umwelt und der Arbeitskräfte an Bord. Und: Für Reisende ohne gute Versicherung können sie obendrein zur persönlichen Kostenfalle werden.