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Viele Krankenkassen erhöhen Zusatzbeitrag: Was Sie tun können | BR24

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Zum Jahreswechsel erhöhen viele gesetzliche Krankenkassen ihre Beiträge.

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    Viele Krankenkassen erhöhen Zusatzbeitrag: Was Sie tun können

    Zum Jahreswechsel erhöhen viele gesetzliche Krankenkassen ihre Beiträge. Auch die Prämien vieler Privatversicherer gehen nach oben. Kassenpatienten können den Anbieter weitgehend problemlos wechseln. Bei Privatversicherten ist das schwieriger.

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    Von
    • Nikolaus Nützel

    Viele Millionen Versicherte erhalten in diesen Tagen Post von ihrer Krankenkasse mit einer unangenehmen Botschaft: Der Beitragssatz steigt. Der Beitrag für Kassenversicherte besteht zum einen aus dem allgemeinen Beitragssatz, den alle Anbieter mindestens verlangen. Er liegt weiterhin bei 14,6 Prozent vom Bruttolohn. Darauf schlagen die Kassen unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge auf. Sie steigen jetzt bei vielen Kassen.

    Marktführer werden teurer - Bayerns Groß-Kassen bleiben stabil

    Die größte bundesweite Kasse, die Techniker Krankenkasse, geht um 0,5 Prozentpunkte nach oben. Ihr Beitrag liegt künftig bei 15,8 Prozent. Bei einem Brutto-Monatseinkommen von beispielsweise 4.000 Euro entspricht das einem Aufschlag von 20 Euro, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Die Nummer zwei der bundesweiten Kassen, die Barmer, geht um 0,4 Prozentpunkte nach oben, auf 16,1 Prozent.

    Die mit Abstand größte Kasse in Bayern, die AOK Bayern, hält ihren Beitragssatz hingegen stabil bei insgesamt 15,7 Prozent. Auch die Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), die in Bayern besonders viele Versicherte hat, wird nicht teurer, sie bleibt bei 15,9 Prozent. Ebenfalls stabil bleibt die DAK. Die drittgrößte bundesweite Kasse nimmt auch künftig 16,1 Prozent vom Bruttolohn.

    Sonderkündigungsrecht bei Beitragsanhebung

    Wenn eine gesetzliche Kasse ihren Beitragssatz erhöht, können die Mitglieder sich relativ problemlos einen neuen Anbieter suchen. Egal, wie krank oder alt jemand ist, jede Kasse muss jeden Pflichtversicherten aufnehmen. Es gilt, anders als bei Privatversicherungen, ein sogenannter Kontrahierungszwang.

    Die Versicherten müssen dabei allerdings eine Frist einhalten. Sie gilt bis zum Ende des Monats, in dem der Beitrag steigt. Wer im Dezember erfährt, dass seine Kasse zum Jahreswechsel teurer wird, kann bis Ende Januar kündigen.

    Kassenwechsel wird einfacher

    Die Bundesregierung hat dabei zum Jahreswechsel die Wechselformalitäten vereinfacht. Wer zu einer anderen Kasse wechseln will, muss sich nur dort anmelden. Die Abmeldung bei der früheren Kasse und die entsprechenden Informationen an den Arbeitgeber übernimmt die neue Kasse. Auch die Bindungsfrist wird kürzer.

    Wenn eine Kasse ihren Beitragssatz stabil hält, mussten Versicherte bislang mindestens 18 Monate bei einer Kasse bleiben, bevor sie sich eine neue suchen konnten. Mit dem Jahreswechsel verkürzt sich diese Frist auf zwölf Monate. Das Sonderkündigungsrecht bei einer Beitragsanhebung bleibt unverändert.

    Der Preis ist nicht alles

    Rechnerisch lässt sich durch einen Kassenwechsel oft einiges sparen. Allerdings raten Verbraucherschützer dazu, das Gesamtangebot einer Kasse im Blick zu haben. Der Großteil der Leistungen ist zwar bei allen rund hundert gesetzlichen Krankenkassen identisch.

    Aber bei bestimmten Sonderleistungen, wie etwa Krebsfrüherkennung über die gesetzlichen Leistungen hinaus, professionelle Zahnreinigung oder Osteopathie gibt es Unterschiede. Auch das Service-Netz der verschiedenen Krankenkassen ist unterschiedlich dicht.

    Kostendruck bei allen Kassen

    Dass jetzt viele Kassen ihre Beiträge erhöhen, hat vor allem zwei Gründe. In allen Bereichen steigen ihre Ausgaben laufend, etwa für Medikamente oder Krankenhausbehandlungen. Durch eine Reihe neuer Gesetze, zum Beispiel zur Bezahlung von Pflegekräften, steigen ihre Kosten zusätzlich. Weil die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen an die Löhne gekoppelt sind, bringt sie gleichzeitig der Anstieg der Arbeitslosen- und Kurzarbeiterzahlen wegen der Corona-Krise unter Druck.

    Deswegen warnen viele Kassenvorstände vor weiteren Beitragsanhebungen. Auch die Bundesregierung sieht zusätzlichen Finanzbedarf. Sie errechnet für jedes Jahr, wie hoch der Zusatzbeitrag im Schnitt liegen muss, um die Kosten zu decken. Dieser Durchschnittswert steigt nach der Berechnung der Bundesregierung im Jahr 2021 von vorher 1,1 Prozent auf 1,3 Prozent. Der Spitzenverband der Krankenkassen hält diese Rechnung für zu optimistisch und hält eine Anhebung auf im Schnitt 1,4 Prozent für nötig.

    Privatversicherte mit geringerem Spielraum

    Auch viele private Krankenversicherer erhöhen ihre Prämien. Anders als bei gesetzlichen Krankenkassen ist es allerdings oft schwer, sich einen neuen Anbieter zu suchen. Es gibt für Privatversicherer keine Pflicht, einen Antragsteller aufzunehmen. Die PKV kalkuliert ihre Tarife nach dem jeweiligen Kostenrisiko, das ein Versicherter nach seinem Alter und seinen Vorerkrankungen mitbringt.

    Wenn der Wechsel zu einem anderen Versicherer schwierig oder unmöglich ist, ist aber oft der Wechsel in einen kostengünstigeren Tarif des gleichen Anbieters möglich. Dazu müssen die Versicherten jeweils für ihren individuellen Fall mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen.

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    Daten einiger in Bayern wählbarer gesetzlicher Krankenkassen

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