Urlaubsfreude kann getrübt werden, wenn man zum Arzt muss. Nicht immer sind die Kosten von der gesetzlichen Versicherung abgedeckt.

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Krank im Urlaub: Was zahlt die Versicherung?

Krank im Urlaub: Was zahlt die Versicherung?

Wer als Kassenpatient auf Reisen erkrankt, kann sich innerhalb Europas ohne allzu große Probleme in den jeweiligen Gesundheitssystemen behandeln lassen. Es gilt allerdings einiges zu beachten.

Den meisten Kassenpatienten wird es nur selten auffallen: Ihre Chipkarte ist auch eine Europäische Krankenversicherungskarte. Die entsprechenden Daten sind auf der Rückseite der Karte vermerkt. Mit dieser "European Health Insurance Card" (EHIC) können sich in Deutschland Versicherte quer durch Europa behandeln lassen. Alexander Meindl, der sich bei der AOK Bayern auf die Behandlung im Ausland spezialisiert hat, empfiehlt daher: "Wer vor einer Reise Plastikkarten aus dem Geldbeutel nimmt, damit er möglichst wenig verlieren kann, der sollte trotzdem die Kassen-Karte drin lassen!"

Verschiedene Systeme

Grundsätzlich gilt: Wer als Patient im europäischen Ausland über die EHIC abrechnen will, so wie er in Deutschland auch seine Chipkarte vorzeigt, der sollte in Einrichtungen des jeweiligen öffentlichen Gesundheitsdienstes gehen. Die Regeln und Strukturen sind von Land zu Land verschieden. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung hat dazu Merkblätter geschrieben. Dort sind auch Such-Anleitungen und Listen aufgeführt, mit denen Reisende herausfinden können, welche Praxen und Kliniken zum jeweiligen öffentlichen Gesundheitsdienst gehören.

Allerdings kommt es auch mit einer EHIC regelmäßig vor, dass Touristen die Behandlung oder Medikamente erst einmal ganz oder teilweise selbst bezahlen müssen. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen dann in der Regel für Kosten auf, wie sie auch in Deutschland angefallen wären. Deswegen sei es wichtig, sich eine detaillierte Rechnung ausstellen zu lassen, erklärt der AOK-Spezialist Meindl: "Daraus sollte genau hervorgehen, welche Leistung erbracht wurde, damit man hinterher besser berechnen kann, welche Erstattungsmöglichkeit infrage kommt."

Grenzfall Privatärzte

Vor allem in Regionen, die bei Touristen besonders beliebt sind, gibt es auch etliche Privatpraxen deutscher Ärztinnen und Ärzte. Die können die Behandlung nicht über die Europäische Krankenversicherungskarte abrechnen, sondern nur privat. Wie viel die gesetzlichen Kassen davon übernehmen, lasse sich nicht pauschal beantworten, sagt der AOK-Spezialist Meindl: "Hier ist dann im Nachhinein zu prüfen, welche Kosten man erstatten kann."

Privatversicherung empfohlen

Die gesetzlichen Kassen betonen, dass die EHIC gute Möglichkeiten bietet. Viele Kassen empfehlen aber auch den Abschluss einer privaten Zusatzversicherung. Die kommt zum einen gegebenenfalls für Eigenanteile auf, die Reisende bei einer Behandlung im Ausland tragen müssen. Und sie sollte den Rücktransport bei Krankheit absichern, empfiehlt Alexander Meindl von der AOK Bayern, denn: "Der Rücktransport aus einem Urlaubsland darf von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden."

Abrechnung nach üblichen Tarifen

Allerdings decken auch private Zusatz-Policen nicht immer alles ab. Wer an der Côte d’Azur oder auf Ibiza einen Promi-Arzt aufsucht, der ein Vielfaches dessen in Rechnung stellt, was eine Privatbehandlung in Deutschland kosten würde, der muss auch mit einer privaten Zusatzversicherung damit rechnen, dass er auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt.

Die Versicherungskammer Bayern beispielsweise erklärt dazu, die Erstattung erfolge "zu ortsüblichen Preisen". Dabei betont die Versicherungskammer: "Das Preisniveau ist in vielen Regionen generell höher als in Deutschland."

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