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Kontoinformationsdienste sind umstritten

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    Kontoinformationsdienste: Apps machen den Banken Konkurrenz

    Wer ein Haushaltsbuch führen möchte, kann dafür heute auf verschiedene Apps zurückgreifen. Diese sogenannten Kontoinformationsdienste sind allerdings umstritten. Die Verbraucherzentrale warnt sogar vor ihnen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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    Von
    • Hanna Heim
    • BR24 Redaktion

    Wer einen besseren Überblick über seine Ein- und Ausgaben haben möchte, legt ein Haushaltsbuch an. So war das zumindest früher. Heute gibt es dafür verschiedene Apps - Kontoinformationsdienste.

    Was ist ein Kontoinformationsdienst?

    Erstmal genau das: Ein Dienst, der Informationen über das eigene Girokonto bereitstellt. Meistens handelt es sich dabei um Apps. Nach dem Download verlangen sie Zugriff auf das Girokonto und können dann mittels eines Algorithmus Einnahmen und Ausgaben erkennen und auswerten.

    Die meisten Anbieter ordnen diese Informationen dann in übersichtlichen Listen. So erkennen Userinnen und User, wenn sie zu viel Geld ausgeben oder, ob sie etwas zurücklegen können.

    Manche dieser Services bieten auch die Möglichkeit an, Verträge zu optimieren und beispielsweise den Stromanbieter zu wechseln, wenn es ein günstigeres Angebot gibt. Damit verdienen sie dann auch meistens Geld: Für jeden abgeschlossenen Vertrag bekommt das Unternehmen eine Provision.

    Weshalb wird das Modell kritisiert?

    Vor allem die Verbraucherzentralen befürchten, dass Kundinnen und Kunden solcher Services gläsern werden. Die Richtlinie (sog. PSD2) zur Aufsicht und Kontrolle über diese oft jungen Unternehmen sei nicht stark und tiefgründig genug, um eine tatsächliche Sicherheit über die Datenströme zu gewährleisten.

    Mit dieser Richtlinie wollte die Europäische Union unter anderem kleinen und jungen Unternehmen die Möglichkeit geben, neben den großen Bankhäusern zu bestehen. So sollten die Verbraucherinnen und Verbraucher eine breitere Auswahl auf dem Finanzmarkt bekommen.

    Im schlimmsten Fall, so die Befürchtung, könnten sensible Informationen mit oder ohne Zustimmung an Werbenetzwerke weiterverkauft werden, die dann gezielt das Konsumverhalten beeinflussen. Außerdem könnten Einschätzungen zur Kreditwürdigkeit weitergegeben werden und so soziale Nachteile entstehen.

    Sind meine Daten bei den deutschen Anbietern sicher?

    Das ist die große Frage. Grundsätzlich ist Vertrauen für diese Unternehmen ein hohes Gut. Wenn hier ein Skandal oder ein Datenleck an die Öffentlichkeit geraten, könnte das für die gesamte Branche den Untergang bedeuten. Deshalb werben auch viele Anbieter mit Servern in Deutschland und ihren strengen Sicherheitsvorkehrungen.

    Allerdings gibt es womöglich ein rechtliches Schlupfloch: Während die PSD2-Richtlinie vergleichsweise streng ist, lässt die DSGVO an manchen Stellen Spielraum zur Nutzung von Daten für Werbezwecke. Beide Verordnungen gelten – welche allerdings schwerer wiegt, ist im Zweifelsfall Auslegungssache.

    Wer möglichst sicher sein möchte, kann es mit der Haushaltsbuch-App probieren, die die Verbraucherzentrale anbietet. Da es sich hierbei um eine staatlich subventionierte Institution handelt, dürfte es kein Interesse an einer kommerziellen Nutzung der Daten geben.

    Wer kann so einen Dienst anbieten?

    Von der Idee bis zur Umsetzung ist es für die Unternehmerinnen und Unternehmer meistens ein langer Weg. Deshalb gibt es laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auch weniger als hundert solche Anbieter in Deutschland. Um einen Kontoinformationsdienst zu betreiben, müssen die Unternehmen sich bei der Bafin registrieren lassen. Das heißt, sie benötigen zwar kein Mindestanfangskapital, müssen aber Sicherheitsrichtlinien erfüllen.

    Welche das sind, steht in der PSD2-Richtlinie und ist für Deutschland im Zahlungsdienste-Aufsichtsgesetz (ZAG) geregelt.

    Unterschied von Kontoinformationsdienst und Zahlungsauslösedienst

    Oft werden Kontoinformationsdienste und Zahlungsauslösedienste in einem Atemzug genannt. Tatsächlich muss auch bei beiden Angebotstypen eine ausdrückliche Erlaubnis des Nutzers oder der Nutzerin vorliegen, damit sie funktionieren.

    Allerdings gehen die Zahlungsauslösedienste noch einen Schritt weiter. Dort können innerhalb der App Zahlungen getätigt – also ausgelöst – werden. Weil das noch deutlich heikler ist als nur ein Informationsservice, müssen diese Unternehmen ein Mindestkapital nachweisen und eine Erlaubnis bei der Bafin haben, nicht nur eine Registrierung.

    Wo liegt der Unterschied zu einer gewöhnlichen Bank?

    Manche dieser Angebote sind sehr nah an dem einer vollwertigen Bank, andere beschränken sich tatsächlich auf kleine Service-Dienstleistungen. Einige Banken waren naturgemäß bei der Einführung im Allgemeinen nicht sonderlich angetan davon, dass sie qua EU-Verordnung eine Schnittstelle zu den von ihnen verwalteten Girokonten anlegen mussten.

    Sie argumentieren, sie verlieren damit die Kontrolle über die ihnen anvertrauten Daten. Die EU aber entgegnet dem mit der Wettbewerbsfreiheit. So oder so sollten Kundinnen und Kunden sich gut überlegen, welchem Anbieter sie Zugang zu ihren Geldinformationen geben und, ob der Nutzen die Risiken tatsächlich überwiegt.

    Tatsächlich haben viele große Geldhäuser inzwischen eigene Apps, in denen sie auch Funktionen anbieten, die einem Haushaltsbuch sehr nahekommen. Was sie natürlich nicht tun, sind Produktempfehlungen für Tarifwechsel.

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