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Konsumkritik: Kauf-Nix-Tag statt Schnäppchenjagd | BR24

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Eine Megarabattschlacht des Einzelhandels, analog wie digital - Kaufrausch pur. Aber es gibt auch einen Gegentrend und dessen Höhepunkt ist der "Kauf-Nix-Tag" - ein Anlass, sein Konsumverhalten zu überdenken und Dinge selber herzustellen.

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Konsumkritik: Kauf-Nix-Tag statt Schnäppchenjagd

Traditionell beginnt am letzten Samstag im November das Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels. Die Geschäfte locken die Kunden mit Rabattaktionen und Spezialangeboten - die konsumfreudigste Zeit des Jahres beginnt. Doch es gibt eine Gegenbewegung.

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Lange Schlangen vor Kaufhäusern, Kunden, die in Läden stürmen und sich um Fernseher oder Computer streiten: Das ist der Black Friday in den USA.

Doch auch in Deutschland ist dieser Konsumtag als wiederkehrende Tradition dankbar vom Handel übernommen worden – und bildet nun den Auftakt des Weihnachtsgeschäfts.

Bayerischer Einzelhandel rechnet mit Umsatz-Plus

Hier rechnet der Einzelhandel in Bayern heuer mit einem dicken Umsatz-Plus: Erstmals könnte die 14-Milliarden-Euro-Grenze geknackt werden. Die Vorweihnachtszeit ist für viele vor allem: Konsum-Zeit.

Jasmin Berger und Michael Manhart wollen da nicht mitmachen: Die beiden gehören zur Moosburger Gruppe von Greenpeace und engagieren sich bei der "Make Something Week".

"Wir machen das, weil wir auch selber dem Konsumwahnsinn den Kampf ansagen wollen und uns auch wieder auf unsere Werte und unsere Dinge, die wir haben, besinnen wollen. Wir wollen also unsere Sachen möglichst selber machen oder schöner machen, reparieren, sie weiter bewahren, statt wieder was Neues dafür zu kaufen und wieder Ressourcen dafür zu verschwenden." Jasmin Berger, Greenpeace

Upcycling statt Neukauf

Upcycling nennt sich das und findet heute in der Offenen Werkstatt in Freising statt – ein Treffpunkt für Tüftler und Bastler. Die Wände hängen voller Werkzeug, hier gibt es alles vom Schraubenzieher bis zur Schleifmaschine.

Hier kann heute jeder vorbeikommen und seine alten Fahrräder reparieren, mit Holz experimentieren oder einfach Klamotten mit anderen tauschen. Allerdings wird es immer schwieriger, die Leute dafür zu begeistern, so Manhart.

"Einfach dieses Kaufen und schnell Benutzen und schnell wieder was Neues, das ist mittlerweile so drin und diese Idee, etwas selber zu kreieren oder gemeinsam mit anderen sich selber etwas zu überlegen, die ist so weit weg wie nur irgendwas. Da ist der Weg zum Saturn, Mediamarkt, und wie sie alle heißen, um so viel einfacher und um so viel schneller und vor allem auch um so viel präsenter in den Köpfen." Michael Manhart, Greenpeace

Kauf-Nix-Tag: Zeichen gegen übermäßigen Konsum

Die Greenpeace-Aktivisten stehen nicht alleine mit ihrer Konsumkritik. Auch der "Kauf-Nix-Tag" will ein Zeichen gegen übermäßigen Konsum setzen. Der Tag wurde Anfang der 90er-Jahre in Kanada ins Leben gerufen und wird in Deutschland am Samstag nach dem Black Friday organisiert.

Die Idee: Einen Tag lang nichts kaufen und sich kritisch mit dem eigenen Konsum auseinandersetzen. Den Konsum pauschal zu verweigern – Christoph Lütge, Ökonom und Philosoph, steht dieser Idee skeptisch gegenüber. Viel wichtiger sei, nachhaltiger zu konsumieren.

"Von einem pauschalen Kauf-Nix-Tag halte ich eigentlich nicht so viel, weil es doch immer sehr stark darauf ankommt, was wir tun. Wir können auch ökologisch wertvolle Dinge kaufen, wir können etwas für andere Menschen kaufen als Geschenk. Insofern bin ich der Meinung, das ist ein bisschen zu pauschal." Christoph Lütge, TU München

Trotzdem sei es wichtig, sich Gedanken über den eigenen Konsum zu machen. Denn der Kunde bestimmt mit seinem Kaufverhalten das Angebot.