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Konjunktur und Jobs: Düstere Aussichten für Industriestaaten | BR24

© Holger Romann/BR

Die Corona-Krise wird die Euro-Zone laut Prognose der EU noch tiefer in die Rezession stürzen als gedacht. Rekordarbeitslosigkeit als Folge der Coronavirus-Pandemie erwartet die Industriestaaten-Organisation OECD.

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Konjunktur und Jobs: Düstere Aussichten für Industriestaaten

Die Corona-Krise wird die Euro-Zone laut Prognose der EU noch tiefer in die Rezession stürzen als gedacht. Rekordarbeitslosigkeit als Folge der Coronavirus-Pandemie erwartet die Industriestaaten-Organisation OECD.

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Die Sommerprognose der EU-Kommission fällt nun auch deshalb düsterer aus, weil sich die Folgen des Lockdowns als gravierender erweisen als gedacht. Den Staaten an der Südflanke der Währungsunion brechen zudem wichtige Einnahmen aus dem Tourismus weg. Italien, Spanien und auch Frankreich werden laut EU-Prognose 2020 jeweils mehr als ein Zehntel ihrer Wirtschaftsleistung einbüßen. Die konjunkturelle Erholung werde zwar im zweiten Halbjahr 2020 an Dynamik gewinnen. Doch werde sich diese "unvollständig und ungleichmäßig" in den einzelnen Staaten vollziehen.

Deutschland weniger betroffen als Frankreich, Spanien und Italien

Dies zeigt sich auch in den Prognosen für die BIP-Entwicklung in den Mitgliedsländern. Während die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um 6,3 Prozent schrumpfen dürfte, sieht Brüssel für die drei weiteren Schwergewichte der Euro-Zone zweistellige Minus-Werte beim BIP voraus: für Frankreich minus 10,6 Prozent, für Spanien minus 10,9 Prozent und für Italien sogar minus 11,2 Prozent.

EU-Finanzgipfel Mitte Juli entscheidend

EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni mahnte daher eine rasche politische Einigung auf den geplanten Wiederaufbaufonds an, der für "neue Zuversicht und Finanzmittel" in Krisenzeiten sorgen könne. Auf dem EU-Gipfel Mitte Juli steht ein Finanzpaket aus dem EU-Haushaltsrahmen für die nächsten sieben Jahre und dem von Deutschland und Frankreich vorgeschlagenen Wiederaufbaufonds zur Debatte. Die Regierung der Niederlande sieht allerdings keine Dringlichkeit, dass sich die EU bereits am 17. Juli auf den geplanten Wiederaufbaufonds einige.

OECD erwartet höchste Arbeitslosigkeit seit der Weltwirtschaftskrise

Selbst bei günstiger Entwicklung erwartet die OECD für ihre 30 Mitgliedsstaaten im vierten Quartal eine Arbeitslosenquote von bis zu 9,4 Prozent. Das wäre der höchste Wert seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, wie die OECD in ihrem Beschäftigungsausblick 2020 mitteilte. Im Mai habe die Arbeitslosenquote 8,4 Prozent betragen. Das seien 54,5 Millionen Menschen ohne Job. Im Vergleich zum April sank die Quote um einen Zehntelpunkt. Dies sei mit gegenläufigen Entwicklungen zu erklären: In den USA kehrten zahlreiche entlassene Arbeitskräfte zurück, während in vielen anderen Ländern die Arbeitslosigkeit steige oder sich zu verfestigen drohe.

Ziel: Sozialkrise verhindern

Der OECD-Beschäftigungsausblick enthält eine Reihe von Empfehlungen, die den Ländern helfen sollen, Menschen und Unternehmen in der Krise zu unterstützen und die langfristigen Schäden gering zu halten. Damit aus der Jobkrise keine Sozialkrise wird, müssten Lücken in den Sozialsystemen geschlossen und möglichst rasch neue Beschäftigungschancen eröffnet werden. Besonders betroffen sieht die OECD Geringverdiener, Frauen und junge Berufseinsteiger.