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Konjunktur: Prognosen wegen Pandemieentwicklung unsicher | BR24

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Bundeswirtschaftsminister Altmaier stellte am 17.10.2020 die Herbstprognose der Bundesregierung vor

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    Konjunktur: Prognosen wegen Pandemieentwicklung unsicher

    Es scheint verwirrend: Während gestern der ifo-Geschäftsklima-Index schlechtere Stimmung bei den Unternehmen signalisierte, wird Bundeswirtschaftsminister Altmaier laut Presseberichten seine Wachstumsprognose leicht anheben. Wie passt das zusammen ?

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    Die Bundesregierung will ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr einem Medienbericht zufolge am Freitag trotz der hohen Corona-Neuinfektionszahlen leicht anheben. Wie das «Handelsblatt» am Montag unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, erwartet das Wirtschaftsministerium in der neuen Herbstprognose einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts von 5,5 Prozent. Anfang September hatte das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) ein Minus von 5,8 Prozent vorhergesagt. Ende April war noch mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland von 6,3 Prozent gerechnet worden.

    Zuversicht wird von ifo-Geschäftsklima-Index nicht gedeckt

    Auch der heute veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober schaut in die Zukunft, allerdings deutlich pessimistischer. Abgefragt werden die Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Befragt werden regelmäßig rund 9.000 Unternehmen aus verschiedener Branchen. Das ist eine Momentaufnahme, ein Stimmungsbild, wie Unternehmer ihre - nicht die gesamtwirtschaftliche - Lage beurteilen. Eine Wachstumsprognose ist es jedoch nicht. Wachstumsprognosen orientieren sich hingegen an harten Daten, die die Statistikämter vierteljährlich melden. Aus der Entwicklung der vierteljährlichen gesamtwirtschaftlichen Produktion werden die Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) abgeleitet und angepasst.

    Vier maßgebliche Wirtschaftsprognosen

    Wachstumsprognosen sollen politischen Entscheidern Informationen und datengestützte Handlungsempfehlungen liefern. Neben Prognosen von Bundesbank und Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gibt es in Deutschland die Gemeinschaftsdiagnose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Die Bundesregierung prognostiziert unter Federführung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie dreimal im Jahr die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Die Frühjahrs- und Herbstprojektionen bilden die Grundlage für die Schätzungen des Steueraufkommens.

    Prognosequalität von Annahmen abhängig

    Wachstumsprognosen können durch außergewöhnliche Ereignisse wie Streiks, unerwartete Rohstoffengpässe oder internationale Konflikte beeinträchtigt werden. Die Wachstumsprognosen für 2020/2021 werden vor allem durch den weiteren Verlauf der Pandemie unsicher. Optimistische Prognosen unterstellen stets, dass die Infektionsschutzmaßnahmen im Verlauf des kommenden Sommerhalbjahrs soweit gedrosselt werden können, dass sie die ökonomische Aktivität nicht mehr nennenswert beeinträchtigen.

    So hat auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier schon deutlich gemacht, die Prognose auch für das Wachstum im kommenden Jahr stehe unter dem Vorbehalt, wie sich die Corona-Krise entwickelt und ob es gelinge, die hohe Zahl der Neuinfektionen senken zu können. Laut Zeitung erwartet die Bundesregierung 2021 weiterhin eine spürbare Erholung und bleibt bei ihrer bisherigen Vorhersage von plus 4,4 Prozent. Die Politik will einen erneuten flächendeckenden Lockdown wie im Frühjahr unbedingt verhindern, also ein Herunterfahren des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens. Dies hatte im Frühjahr zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung geführt.

    Ebenso argumentieren die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom 14. Oktober. Neben dem ungewissen Pandemieverlauf nennen sie die unbekannte Zahl von erwarteten Unternehmensinsolvenzen und weiter ungelöste Handelskonflikte.

    "Sollten wir einen massiven shutdown bekommen, dann werden wir die Gemeinschaftsprognose anpassen müssen." ifo-Chef Prof. Clemens Fuest