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Kommunen in Not: Krise in der Autoindustrie zeigt Folgen | BR24

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In der Autoindustrie sind in den letzten 12 Monaten 30.000 Arbeitsplätze weggefallen Das bekommen auch viele Städte zu spüren,weil die Steuereinnahmen einbrechen und die Zahl der Arbeitslosen steigt.

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Kommunen in Not: Krise in der Autoindustrie zeigt Folgen

Die Autoindustrie steckt in der Krise. Nach BR-Recherchen sind hier in den vergangenen zwölf Monaten über 30.000 Arbeitsplätze weggefallen. Das bekommen nun auch die Städte zu spüren, weil die Steuereinnahmen extrem einbrechen. Mit Folgen für alle.

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Wenn Audi hüstelt, leidet Ingolstadt an einer Lungenentzündung, so heißt es. Zu recht. Die Abhängigkeit der Städte und Kommunen vom Erfolg der dort angesiedelten Automobilindustrie ist massiv und Segen und Fluch zu gleich. Während in den vergangenen Jahren die Einnahmen nur so sprudelten, reicht das Geld nun an allen Ecken und Enden nicht mehr. Die Krise der Automobilindustrie zeigt ihre Folgen.

Krise in der Autoindustrie - für die Menschen eine Spirale nach unten

Fast 45.000 Menschen arbeiten am Audi-Hauptsitz in Ingolstadt. Zwei Drittel der Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an der Automobilindustrie. Gerät die ins Schwanken, kann das fatale Folgen für die Stadt haben.

"Das kann wirklich zu einer Spirale führen. Das bedeutet zu Anfang Verlust von Gewerbesteuereinnahmen. Das nächste ist, dass Unternehmen Mitarbeiter freistellen. Die Arbeitslosigkeit steigt. Das bedeutet natürlich auch Konsumkraftverluste. Und das bedeutet auf dem Immobilien- und Wohnungsmarkt sinkende Preise und natürlich auch ein Wegzug von Bevölkerung." Hans-Hermann Albers, Stadtforscher TU Berlin

Auch Standorte von Automobilzulieferern betroffen

Ingolstadt steht bislang noch gut da. Andere Städte aber leiden bereits stark unter dem Druck. Das betrifft auch Standorte von Automobilzulieferern. In der Region Bamberg sind Branchengrößen wie Brose oder Bosch angesiedelt, genauso wie kleine Unternehmen wie Grimmer Industrie & Medizintechnik mit 50 Mitarbeitern. Um 30 bis 40 Prozent seien die Aufträge aus der Automobilindustrie zurückgegangen, berichtet Betriebsinhaber Herbert Grimmer. Sein Unternehmen arbeitet auch für andere Branchen wie die Medizintechnik – in der jetzigen Situation ein Segen.

Bevölkerung drohen Jobverlust und Steuererhebungen

Für andere sieht es schlechter aus. Der Reifenhersteller Michelin schließt sein Werk in Hallstadt bei Bamberg komplett. 858 Arbeitsplätze fallen dadurch weg. Geht es so weiter, werden Steuern und Gebühren höher, so der Bürgermeister von Hallstadt, Thomas Söder. Auch Kindergärten und Kitas werden nicht mehr kostenfrei sein können – die Last geht auf die Bevölkerung über. Der Bürgermeister von Roding in der Oberpfalz, Franz Reichhold, bestätigt das. Wenn die Leute nichts verdienen oder abwandern, fallen die für die Kommunen lebensnotwendigen Steuern - nämlich die Gewerbe- und Einkommenssteuer - weg, was zu erheblichen Schwierigkeiten führt, so der Bürgermeister.

30.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie bereits gestrichen

Nach Recherchen des BR-Wirtschaftsmagazins Plusminus wurden allein in den vergangenen zwölf Monaten über 30.000 Arbeitsplätze in der Automobilindustrie gestrichen. Allein im Landkreis Bamberg stehen 25.000 weitere Stellen auf dem Spiel. Je länger diese Krise dauert, desto stärker werden auch die Kommunen darunter leiden und damit die Menschen, die dort leben.

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