Zurück zur Startseite
Wirtschaft
Zurück zur Startseite
Wirtschaft

Kommt das Zuckerverbot? | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Würfelzucker

Per Mail sharen

    Kommt das Zuckerverbot?

    Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an ernährungsbedingten Krankheiten. Deshalb soll die Lebensmittelindustrie weniger Zucker, Fett und Salz in ihren Produkten verarbeiten. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner will jedoch keinen Zwang.

    Per Mail sharen

    Der Streit um den richtigen Weg, wie Übergewicht und Diabetes verringert werden kann, wird immer heftiger. Erstmals tritt heute das sogenannte Begleitgremium der Bundesregierung zusammen, das die Umstellung der Lebensmittelindustrie auf zucker-, fett- und salzreduzierte Produkte überprüfen soll. Doch kurz zuvor hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft ihre Teilnahme abgesagt. Der Verband zählt mit 9000 Mitgliedern zu den großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften.

    „In seiner jetzigen Form hat die Wissenschaft in dem Gremium praktisch keinen Einfluss auf die Formulierung konkreter Reduktionsziele.“ Dirk Müller-Wieland, Präsident Deutsche Diabetes Gesellschaft

    Knackpunkt der Kritik ist auch die freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie, auf den Bundesernährungsministerin Julia Klöckner von der CDU setzt. Nach Einschätzung der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist der deutsche Sonderweg, Zucker, Salz und Fette in Fertiglebensmittel nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, bereits jetzt gescheitert.

    Zielvereinbarungen auf freiwilliger Basis bis 2025

    Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich die Bundesernährungsministerin mit mehreren Branchen der Lebensmittelindustrie darauf geeinigt, bis 2025 Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten zu verringern. Zu einem Verbot rang sich die Ministerin nicht durch, die Industrie sollte allein mit freiwilligen Selbstverpflichtungen die vereinbarten Ziele erreichen. So soll beispielsweise der Zuckergehalt in Frühstücks-Cerealien für Kinder bis zum Jahr 2025 um mindestens ein Fünftel verringert werden, in Erfrischungsgetränken um 15 Prozent, in Joghurts um 10 Prozent. Und es gebe bereits Erfolge, so die Ernährungsministerin. Schon jetzt hätten etliche Firmen und Handelsketten Produkte mit weniger Zucker, Fett und Salz in den Mittelpunkt ihrer Angebote gestellt.

    AOK: Freiwilliger Verzicht verpufft wirkungslos

    Gemeinsam mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft verlangt auch der AOK- Bundesverband von der Lebensmittelindustrie, mehr gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Dezidiert fordern sie den Verbot von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet.

    "Wenn wir wollen, dass sich vor allem auch Kinder und Jugendliche gesünder ernähren, dann kommen wir nicht um ein Verbot für Kindermarketing von stark zucker-, fett- und salzhaltigen Produkten herum." Martin Litsch, AOK Vorstandsvorsitzender

    Die AOK ist allerdings skeptisch, dass sich die Werbewirtschaft hier bewegen werde. Denn seit Jahren gebe es bereits auf EU-Ebene eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, auf Lebensmittelwerbung für Kinder zu verzichten - etwa für Süßigkeiten oder spezielle Kinder-Joghurts und Frühstücks-Ceralien. Doch Studien zufolge bleibt diese bisher wirkungslos.