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Wirtschaft

Kommentar: Nach Wirecard-Skandal wirkt Börse wie eine Zockerbude | BR24

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Margit Siller

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    Kommentar: Nach Wirecard-Skandal wirkt Börse wie eine Zockerbude

    Der Dax-Konzern Wirecard aus Aschheim bei München gab sich immer einen seriösen Anstrich, soll aber seine Bilanzen manipuliert haben. Ein Skandal, der einen fatalen Eindruck hinterlässt, meint Margit Siller. Die Börse wirke wie eine Zockerbude.

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    Der Name Wirecard – er stand lange für stabile, hohe Wachstumsraten mit einem Geschäftsmodell, das Zukunft hat. Schließlich ist das Digitale Bezahlen auf dem Vormarsch. Jetzt steht der Name Wirecard für ein Unternehmen, das das Ansehen des Finanzplatzes Deutschland schwer beschädigt hat. Ein Konzern, der zum DAX-30 gehört, sollte zumindest die Mindeststandards erfüllen - bei regeltreuer Unternehmensführung, in der eigenen Organisation, bei der Kommunikation - und schließlich nach monatelangen Prüfungen endlich das Bilanz-Testat der Wirtschaftsprüfer erhalten. Nichts davon trifft auf Wirecard zu.

    Wirecard-Vorstand hat kaum etwas zur Aufklärung beigetragen

    Eine Klitsche sei der Konzern, mit einer unprofessionellen und überforderten Chefetage – das ist noch eines der mildesten Urteile. Es mag sein, dass das Unternehmen selbst zum Opfer geworden ist: Dass Mittelsmänner, Treuhänder, Briefkastenfirmen den Vorstand betrogen haben. Warum hat der Aufsichtsrat so lange zugeschaut? Warum ist die Finanzaufsicht BaFin nicht früher aktiv geworden? Statt verlorenes Vertrauen zurückzuerobern, hat der Vorstand kaum etwas zur Aufklärung beitragen können, als immer neue Ungereimtheiten zutage kamen.

    Ein Debakel für Privatanleger

    Es kann sogar sein, dass die fehlenden Belege und die final-entlastenden Dokumente gar nicht mehr vorhanden, gar nicht mehr verfügbar sind. Anlegerschützer und Kanzleien sprechen von einem Bilanzskandal, der vermutlich nie restlos aufzuklären ist. Für Privatanleger ist das Ganze ein Debakel, denn der Konzern wird womöglich zahlungsunfähig, wenn die Banken Milliardenkredite fällig stellen. Sie müssen sich betrogen fühlen, gebracht um ihr Erspartes.

    Wann sollten spekulative Wetten verboten werden?

    Die Börse als Zockerbude, genau dieser Eindruck ist fatal. Weil es hierzulande möglich ist, dass spekulative Fonds an schlechten Nachrichten und fallenden Kursen Geld verdienen, hat am Ende immer einer das Nachsehen: Der Aktionär, der an ein Unternehmen und sein Geschäftsmodell glaubt, investiert und nicht verkauft. Wenn es nicht möglich ist, Kursmanipulation und illegale Absprachen nachzuweisen und zu bestrafen, dann sollten solche spekulativen Wetten verboten werden, zumindest zeitweise. Für die Aktienkultur hierzulande ist der Fall Wirecard ein Debakel.

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