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Knorr-Bremse-Eigentümer: Milliardär Heinz Hermann Thiele ist tot | BR24

© dpa-Bildfunk/Knorr-Bremse

Heinz Hermann Thiele (Archivbild)

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    Knorr-Bremse-Eigentümer: Milliardär Heinz Hermann Thiele ist tot

    Er baute Knorr-Bremse zu einem Weltkonzern auf: Der Mehrheitseigentümer des Münchner Unternehmens, Heinz Hermann Thiele, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Zuletzt machte der Milliardär als Großaktionär der Lufthansa von sich reden.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Rigobert Kaiser

    Der Mehrheitseigentümer des Bremsen-Herstellers Knorr-Bremse, Heinz Hermann Thiele, ist tot. Der 79-Jährige sei am Dienstag überraschend in München gestorben, teilte das Unternehmen am Abend mit. Der Self-Made-Milliardär hielt auch einen zweistelligen Prozentanteil an der größten deutschen Fluggesellschaft Lufthansa.

    Thiele übernahm und sanierte Knorr-Bremse

    Thiele hatte in den 80er-Jahren seinen Arbeitgeber Knorr-Bremse gekauft und als Vorstandschef zu einem Milliardenkonzern ausgebaut. 2018 brachte er das Unternehmen an die Börse - hielt aber über seine Familienholding weiterhin knapp 60 Prozent der Anteile. Erst im vergangenen Jahr war Thiele wieder in den Aufsichtsrat zurückgekehrt und fungierte als stellvertretender Vorsitzender.

    "Vorstand und Aufsichtsrat trauern um eine globale und visionäre Unternehmerpersönlichkeit, die die weltweite Schienen- und Nutzfahrzeugbranche über Jahrzehnte wegweisend geprägt hat", erklärte Knorr-Bremse. "Heinz Hermann Thiele hat sein ganzes Leben in den Dienst der Firma gestellt."

    Vermögen von rund 18 Milliarden Dollar

    Mit einem Vermögen (Forbes-Liste 2/2021) von gut 18 Milliarden Dollar zählte Thiele zu den zehn reichsten Deutschen. Ein Vermögen hatte er nicht geerbt - er ist Selfmade-Milliardär. In einem Nachruf verweist das Unternehmen auf den frühen Tod des Vaters, der ihn sehr geprägt habe. Aus der Rückschau habe er "äußerst beschränkte finanzielle Verhältnisse und die mir sehr fehlende Vaterfigur genutzt, um aus eigener Kraft etwas zu schaffen", zitiert das Unternehmen den Firmenpatriarchen selbst.

    Vom Sacharbeiter zum Firmenpatriarchen

    Ende der 60er-Jahre heuerte der studierte Jurist als einfacher Sachbearbeiter bei Knorr Bremse in München an. Zunächst war Thiele Sachbearbeiter in der Patentabteilung, arbeitete sich aber an die Spitze des kleinen, auf Nutzfahrzeugbremsen spezialisierten Unternehmens hoch. Dank eines Streits der Eigentümerfamilien und dank eines guten Kontakts zum damaligen Deutsche Bank-Chef konnte er Knorr Bremse, den damals noch maroden Bremsspezialisten für Nutzfahrzeuge, Stück für Stück in den 80er-Jahren kaufen - und sanieren: "Es war mein fester Wille, etwas ganz Großes zu bewerkstelligen, am Beispiel der Knorr Bremse, einem kleinen Unternehmen." Um's Geld sei es ihm nicht gegangen. Bis heute würde es ihm nicht ums Geld gehen, sondern um den Erfolg, sagte er einmal.

    Knorr Bremse baute er zu einem weltweiten Bremssystemspezialisten für Bahn und Nutzfahrzeuge um - mit rund sieben Milliarden Umsatz und fast 30.000 Beschäftigten. Aus Unternehmenskreisen hieß es: "Er ist der klassische Patriarch. Noch nie ist eine Entscheidung ohne ihn gefallen."

    2020 stieg Thiele bei der Lufthansa ein

    Einer breiten Öffentlichkeit wurde Thiele 2020 bekannt, als er in der Corona-Krise zum größten Aktionär der Lufthansa aufstieg - jüngsten Angaben zufolge mit etwa 12 Prozent der Aktien. Er hatte den Einstieg des Staates zur Rettung der Airline kritisiert, dann aber doch zugestimmt.

    Auch im November hatte er erneut harte Schritte gefordert: Vorstand und Gewerkschaft müssten sich jetzt, so Thiele, auf den sozialverträglichen Abbau von 30.000 Stellen einigen. Die Alternative sei, "dass der Staat dauerhaft weitere Milliarden bereitstellt oder die Lufthansa in die Insolvenz geht".

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