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Knapper Sand: Münchner Startup hilft Bauwirtschaft | BR24

© picture-alliance/ ZB

Im Bauboom wird Sand langsam knapp

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    Knapper Sand: Münchner Startup hilft Bauwirtschaft

    Feinsand war für die Baubranche bislang nicht nutzbar. Ein Münchner Startup könnte das nun ändern und so der Bauindustrie über Sandmangel hinweg helfen.

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    Bausand ist ein knappes Gut, wie Sand am Meer gibt es ihn tatsächlich nicht. Dabei ist er für unsere Gesellschaft wichtiger denn je. Insgesamt 40 Milliarden Tonnen Sand werden weltweit im Jahr gefördert, so Pascal Peduzzi, der Leiter des US-Umweltprogramms. Das ist deutlich mehr als sich jährlich auf natürliche Weise neu bilden kann. Dafür findet man Sand in zahlreichen Produkten, darunter in Glas oder sogar Zahnpasta. Für die Bauindustrie ist er als meistgenutzter Baustoff der Welt wichtig, denn er ist neben Wasser, Kies und Zement einer der Elementarbestandteile von Beton.

    Wüstensand für Bauindustrie unbrauchbar

    Besonders aber bei Bauprojekten im Nahen Osten wird erst richtig bewusst, wie knapp die Ressource ist. Denn hier musste Sand bisher immer aus dem Ausland importiert werden. Das wirkt natürlich zunächst verwunderlich. Aber der dort vorhandene Wüstensand ist unbrauchbar durch den Wüstenwind. Dieser schleift die Sandkörner über Jahre hinweg komplett glatt und fein. Geologen beschreiben Sandarten mit diesen Eigenschaften auch als "Feinsand". Als Betonzuschlagstoff ungeeignet, denn ohne eine raue Oberflächenstruktur kann Feinsand keinen Halt aufbauen und Wasser nicht binden.

    Feinsand-Pellets als Lösung

    Das Münchner Gründerunternehmen MultiCON hat ein Verfahren entwickelt, in dem Feinsand noch kleiner gemahlen wird. Zusammen mit einigen beigemischten Bindestoffen entstehen Granulate oder kleine Pellets. .

    "Das Prinzip der Granulatherstellung lässt sich bildlich mit dem Formen eines Schneeballes aus pulvrigem Schnee vergleichen. Je länger man einen Schneeball im Schnee rollt, desto größer wird dann der Schneeball." Helmut Rosenlöcher, technischer Leiter MultiCON GmbH

    Dieses Granulate können dann wieder als Zuschlagsstoffe für die Zementherstellung weiterverwendet werden. Dabei setzt Rosenlöcher auf ein zweistufiges Mischverfahren. In diesem werden zuerst Wasser, Zement und einige Zusatzstoffe zu einer Art Leim zusammengemischt. Dafür wird ein Hochgeschwindigkeitsmischer genutzt. Die hohe Umdrehung ändert die Eigenschaften des Zements und erhöht so dessen Haftung.

    In der zweiten Mischstufe werden dann die zuvor erzeugten Granulate beigefügt und so gemeinsam mit Kiesbestandteilen in der Mischung eingearbeitet. Einspareffekt laut Multicon 40 % weniger Zement und 8-15 % weniger Materialkosten. Das Münchner Unternehmen MultiCON liefert das Know-how und die notwendige Technik in alle Welt.

    Probleme bei ökologischer Bilanz und Kosten

    Auch weniger Kohlenstoffdioxid soll dadurch bei der Herstellung anfallen. Laut Rosenlöcher kommt es bei dem Verfahren zu Einsparungen "von bis zu 400 kg Kohlendioxid pro m³ Beton.“

    Doch was ist mit illegalem Sandabbau in Drittweltstaaten und damit verbundene langen Transportwegen? Beides ökologisch nicht vertretbar, aber Bayerns Bauindustrie sieht hierzulande ohnehin keine aktuellen Verwertungsmöglichkeiten:

    "Ab ca. 50 km werden die Transportkosten für den Rohstoff höher als der Materialwert. Wenn auch nur ein Bruchteil des Bedarfs von wenigen Mio.Tonnen über Entfernungen von mehreren 1.000 km transportiert werden müssten, wären hiermit ein enormer CO2-Ausstoß und Kosten verbunden, die die Baukosten extrem verteuern würden." Dr. Bernhard Kling, der Geschäftsführer des bayerischen Industrieverbands Baustoffe, Steine und Erden

    Nachfrage auch in Europa

    In Europa interessieren sich laut MultiCON dennoch auch Unternehmen aus Deutschland und Polen für die neue Technologie. Weil Recycling in vielen Branchen immer wichtiger wird, entsteht auch viel mehr Feinsand als früher.

    Bereits im Frühjahr 2020 werden die ersten beiden Anlagen in Saudi-Arabien und in Ägypten in Betrieb genommen. Spätestens dann lässt sich der Nutzen des Verfahrens bewerten.