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Kliniken in Zeiten von Corona: Reichen die Finanzspritzen? | BR24

© Nikolaus Nützel/BR

Deutschland ist bislang deutlich besser durch die Corona-Krise gekommen als viele andere Länder. Allerdings ist für Kliniken der Umgang mit dem Virus nicht nur medizinisch eine Herausforderung, sondern auch finanziell. Reichen die Finanzspritzen?

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Kliniken in Zeiten von Corona: Reichen die Finanzspritzen?

Deutschland ist bislang deutlich besser durch die Corona-Krise gekommen als viele andere Länder. Allerdings ist für Kliniken der Umgang mit dem Virus nicht nur medizinisch eine Herausforderung, sondern auch finanziell. Reichen die Finanzspritzen?

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Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland bislang deutlich besser durch die Corona-Krise gekommen. Als ein Grund dafür wird oft die vergleichsweise gute Qualität der Krankenhausversorgung genannt. Allerdings ist der Umgang mit dem Virus für die Kliniken auch eine finanzielle Herausforderung. Gerade in Bayern gibt es daher Warnungen, dass Krankenhäuser in Schieflage geraten könnten.

Die Hälfte bayerischer Kliniken macht Verluste

Schon im Februar, also vor der Corona-Krise, brachte eine Umfrage der Bayerische Krankenhausgesellschaft ein besorgniserregendes Ergebnis: Deutlich mehr als die Hälfte der bayerischen Kliniken hat zuletzt Verlust gemacht. Jetzt haben viele Krankenhäuser zusätzliche Umsatzeinbußen, teilweise gehen die Erlöse um mehr als ein Drittel zurück.

Denn die Kliniken müssen Operationen, die sich verschieben lassen, erst einmal absagen, um Betten für mögliche Corona-Patienten freizuhalten. Außerdem beobachten viele Krankenhäuser, dass Patienten aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus von sich aus Behandlungen aufschieben.

Zweifel an der Finanzspritze

Die Bundesregierung hat den Kliniken Unterstützungszahlungen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt, um ihre Einbußen abzufedern. Für jedes nicht genutzte Intensivbett sollen pro Tag 560 Euro fließen. Der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Siegfried Hasenbein, bezweifelt allerdings, dass die Gelder alle Belastungen ausgleichen. Denn die Kliniken hätten an vielen Stellen Einbußen – nicht nur durch Operationen, die ausfallen, sagt Hasenbein.

"Der gesamte ambulante Bereich liegt seit Wochen brach. Die Krankenhäuser haben derzeit keine Einnahmen durch Wahlleistungen. Und das geht hin bis hin zu Mieten aus Kiosken und dergleichen mehr – das fällt alles weg." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft

Warnung vor Klinik-Pleiten

Deshalb gibt es Befürchtungen, dass weitere Kliniken in Bayern schließen müssen. Der Vorstand der Kliniken des Landkreises Amberg-Sulzbach, Klaus Emmerich, erwartet, dass das Finanzierungssystem über sogenannte Fallpauschalen für noch mehr Kliniken zum Problem wird. Dieses System sieht vor, dass alle Kliniken für die Behandlung verschiedener Diagnosen verschiedene feste Summen bekommen. Davon profitieren vor allem größere Häuser mit bestimmten Spezialgebieten. Denn bei ihnen sind die Fixkosten je Fall günstiger als bei kleinen Kliniken. Die Probleme, die viele Krankenhäuser wegen des Fallpauschalen-Systems hätten, würden jetzt oft noch verschärft, warnt Emmerich.

"Das Fallpauschalen-System trifft die kleinen Krankenhäuser besonders, und weil Bayern ein Flächenstaat ist, auch die bayerischen Krankenhäuser besonders." Klaus Emmerich, Vorstand Kliniken Amberg-Sulzbach

Zusagen aus der Politik

Der BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein erwartet aber keine Pleitewelle unter bayerischen Kliniken. Es werde sicherlich an vielen Stellen Schwierigkeiten geben, sagt Hasenbein. Doch die Politik habe fest zugesagt, dass sie umfangreiche Hilfen organisiert.

"Von der Kanzlerin über den Bundesgesundheitsminister bis zu unserem Ministerpräsidenten haben alle versprochen: Wegen der Corona-Krise wird kein Krankenhaus in wirtschaftliche Schieflage geraten. Und dieses Wort steht für mich." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft

Unterschiedliche Einschätzungen zu Kurzarbeit

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert gleichzeitig, dass Kliniken Personal in Kurzarbeit schicken. Bei Verdi gingen aus ganz Bayern entsprechende Berichte von Beschäftigten ein, sagt die Gewerkschaftssekretärin Kathrin Weidenfelder. Verdi fordert von den jeweiligen Arbeitgebern, dass sie Einkommenseinbußen ausgleichen, die Beschäftigte haben, wenn sie Kurzarbeitergeld beziehen. Doch damit stoße die Gewerkschaft oft auf taube Ohren, berichtet die Gewerkschaftssekretärin.

Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft, Siegfried Hasenbein, hat allerdings eine andere Einschätzung zur Kurzarbeit. Bei seinem Verband seien nur wenige Kliniken bekannt, die entsprechende Anträge gestellt hätten, sagt Hasenbein. Er spricht von "einigen wenigen Einzelfällen".

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