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Wenn es nach der deutschen Politik geht, sollen Flugzeuge bald mit sogenanntem "grünen Kerosin" betankt werden.

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    Klimaneutrales Fliegen: Neuer Kraftstoff "Power to Liquid"

    Fliegen gilt wegen des hohen Verbrauchs an Treibstoff als umweltschädlich. Doch die Forschung hat eine klimaneutrale Alternative entwickelt. Damit soll die Luftfahrt ihren Beitrag zum Erreichen der Ziele des Pariser Klimaschutz-Abkommens leisten.

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    Von
    • Peter Althammer

    Die "Nationale Luftfahrtkonferenz" beim Bundesverkehrsministerium schiebt einen weitreichenden Umbau der Branche an. Im Mittelpunkt steht der Einsatz neuer Treibstoffe, die das umweltschädliche Kerosin ersetzen sollen.

    Flugverkehr nimmt wieder zu

    Mit dem Abflauen der Corona-Krise und dem Beginn der Sommerreise-Saison nehmen auch die Flugbewegungen über Deutschland und Europa wieder zu. Das sorgt für Erleichterung bei den Betreibern und den Mitarbeitern von Fluglinie und Flughäfen. Doch die Gewerkschaften befürchten dennoch einen weiteren Personalabbau in der Branche. Das Verkehrsministerium spricht lieber davon, den Beschäftigten "Perspektive und Zukunft" zu geben.

    Merkel sieht "umfassende Transformation"

    Die Bundeskanzlerin sieht die Luftfahrtbranche in einem Umbruch und weist dabei besonders auf die Entwicklung von "grünem Kerosin" hin.

    "Um erfolgreich und nachhaltig aus der Krise hervorzugehen, müssen rechtzeitig die wichtigen technologischen Zukunftsthemen wie Klima- und Umweltschutz und internationale Wettbewerbsfähigkeit in den Focus gerückt werden." Presseerklärung zur Nationalen Luftfahrtkonferenz 2021

    Allerdings lassen Preise und Menge dieses neuen Treibstoffs nach Ansicht der Bundeskanzlerin "noch zu wünschen übrig".

    "Power-to-Liquid"-Kerosin - was ist das?

    Das "Power-to-Liquid"-Verfahren (PtL-Verfahren) bezeichnet die Herstellung von flüssigen Kraftstoffen aus Strom, Wasser und Kohlenstoffdioxid CO2. Von ökologischem Wert ist dieses Verfahren besonders dann, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird und das CO2 zuvor aus der Luft abgeschieden wurde, etwa in einem Biomasse-Heizkraftwerk. Beim Herstellungsprozess kann nicht nur Sprit für Flugzeuge, sondern auch Treibstoff für Schiffe oder Lkw erzeugt werden.

    PtL-Kerosin: Weder am Markt etabliert noch wettbewerbsfähig

    In ihrer "PtL-Roadmap" schreibt die Bundesregierung, dass der weltweite Luftverkehr etwa einen Anteil von 2,8 Prozent an den menschengemachten CO2-Emissionen hat. Die Bundesregierung hat sich vertraglich verpflichtet, im Verkehrssektor bis 2050 Treibhausgas-Neutralität zu erreichen. Das ist mit den bisherigen Treibstoffen für Flugzeuge nicht möglich.

    Deshalb fördern Bund und Länder die Herstellung des PtL-Kerosins. Mitte des Jahrzehnts soll die Produktion hochlaufen. Dazu soll ein regulatorischer Rahmen kommen, der die Verwendung von PtL-Kerosin vorschreibt. Hier steckt die deutsche Regierung in einer Zwickmühle: Die "PtL-Roadmap" setzt einerseits darauf, "zunächst regional zu beginnen, um sukzessive auf europäischer bzw. internationaler Ebene vergleichbare Regelungen zu erreichen." Umgangssprachlich nennen viele Politiker dieses Ansatz eine "Vorreiter-Rolle". Andererseits soll die heimische Luftfahrt-Industrie keine Wettbewerbs-Nachteile erfahren.

    "Regulatorische Maßnahmen sollen so ausgestaltet werden, dass sie einerseits wirkungsvoll und andererseits wettbewerbsneutral sind." PtL-Roadmap der Bundesregierung

    Ziel: Etwa 2 Prozent Marktanteil bis 2030

    Weil die Herstellung von PtL-Kerosin sehr aufwendig und teuer ist, setzt sich die "PtL-Roadmap" für den Einsatz des Öko-Treibstoffs durchaus überschaubare Ziele. "Bis 2030 sollen mindestens 200.000 Tonnen PtL-Kerosin im deutschen Luftverkehr genutzt werden", ist dort zu lesen. "Das entspricht 2 Prozent des Kerosinabsatzes in Deutschland im Jahr 2019."

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