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Klimaaktivisten stellen sich vor Siemens-Zentrale in München tot | BR24

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Klimaschützer gehen heute wieder gegen Siemens auf die Straße - auch in Bayern. Ein spontaner Protest, nachdem Siemens-Chef Kaeser erklärt hatte, sich an einen Vertrag halten und Teile für ein Kohlebergwerk nach Australien liefern zu wollen.

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Klimaaktivisten stellen sich vor Siemens-Zentrale in München tot

Siemens steht nach der Entscheidung, an der Lieferung von Zugsignaltechnik für ein Kohlebergwerk in Australien festzuhalten, im Kreuzfeuer der Kritik. Klimaschützer demonstrieren deshalb vor der Konzernzentrale in München und anderen Standorten.

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Umweltschützer laufen weiter Sturm gegen die Entscheidung von Siemens, an der Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien festzuhalten. Am Montagnachmittag versammelten sich 100 Aktivisten von Fridays for Future vor der Siemens-Zentrale in München - unter anderem zu einem sogenannten "Die-in", bei dem sich die Protestierenden wie tot auf den Boden legten. Außerdem kündigten sie weitere Proteste für die Siemens-Hauptverammlung am 5. Februar in München an.

In Bayern sollte es heute auch an Siemens-Standorten in Erlangen und Landshut Proteste geben. Aber auch bundesweit formierte sich Widerstand, etwa in Köln, Frankfurt oder Hamburg. Insgesamt waren Aktionen in 15 Städten geplant.

Der Protest gegen Siemens sei auch ein Zeichen an andere Unternehmen in Deutschland, sagte Nick Heubeck von der Fridays for Future Bewegung dem BR. Man könne nicht öffentlich zu Klimaschutz stehen und trotzdem Entscheidungen treffen, die nicht in dieses Jahrhundert passen.

Auch Grüne kritisieren Siemens

Politische Unterstützung erhalten die Umweltschützer von den Grünen. Parteichefin Annalena Baerbock sagte in Berlin, sie habe sich ein anderes Signal erhofft. Auch, weil das Auftragsvolumen für Siemens relativ gering sei. Der Konzern hätte sich "rausverhandeln" oder Vertragsstrafen in Kauf nehmen können, weil der Rufschaden, der jetzt mit dieser Entscheidung einhergehe, wesentlich größer ausfallen dürfte, so Baerbock.

Der Fall mache deutlich, dass es nicht mehr nur um Gewinnmaximierung gehen dürfe, sondern auch Nachhaltigkeitsziele verankert werden müssten, sagte die Grünen-Chefin weiter. Die Politik müsse dafür die Leitplanken setzen.

Das Bundesumweltministerium wollte den konkreten Fall nicht kommentieren, ein Sprecher sagte jedoch: "Wer mit dem Wissen von heute in fossile Infrastruktur investiert, riskiert, morgen zu den Verlierern zu gehören."

Kaeser: Müssen zu Vereinbarungen stehen

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte am Sonntag angekündigt, dass der Konzern an der Zulieferung für ein riesiges Kohlebergwerk in Australien festhalte. In einer vierseitigen Erklärung legte der Konzernchef dann ausführlich seinen Standpunkt dar. Man nehme die Proteste ernst:

"Doch jetzt müssen wir ein Vertragspartner sein, der zu seinen Vereinbarungen steht (...). Angesichts der Bedeutung berechtigter Umweltbelange haben wir uns das Recht gesichert, vom Vertrag zurückzutreten, wenn unser Kunde gegen die sehr strengen Umweltauflagen verstößt." Joe Kaeser, Siemens-Chef

Die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer hatte bereits kurz darauf erklärt: "Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler. Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen." Der Konzern-Chef hatte sich erst vor wenigen Tagen mit der 23-Jährigen getroffen. Das Treffen hatte für Klimaschützer Anlass zur Hoffnung gegeben, dass Siemens sich gegen die Lieferung entscheiden könnte.

Reaktionen aus Australien auf Siemens-Entscheidung

Der Bergbaukonzern, für den Siemens in Australien arbeitet, bekräftigte, das Projekt umzusetzen. Das Unternehmen freue sich, mit dem Zulieferer Siemens zusammenzuarbeiten, sagte eine Sprecherin von Adani Australien der Deutschen Presse-Agentur. Australische Umweltschützer kritisierten dagegen die Entscheidung von Siemens: Der "schändliche" Beschluss ruiniere das Image von Siemens, kritisierte die Australian Conservation Foundation.

Siemens will Signalanlagen für die Schienen des indischen Minenbetreibers Adani liefern, auf denen die Kohle von der Mine zum Hafen kommt. Adani baut in Australien eine der größten Kohleminen der Welt. Kritiker fürchten unter anderem Schäden am Great Barrier Reef durch die große Zahl der Schiffe, die die Kohle vom Hafen aus in Richtung Indien transportieren.

Siemens-Chef Kaeser spricht sich immer wieder dafür aus, dass Siemens mehr gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Der Konzern hat sich auferlegt, bis 2030 klimanneutral zu sein.

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Gespräch B5 aktuell: Stephan Lina BR zu Siemens

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