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Klare Kante vom neuen Arbeitgeber-Präsidenten Dulger | BR24

© BR/Birgit Harprath
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Wolfgang Kumm

Der bisherige Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger ist zum neuen Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gewählt worden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ingo Kramer wird er auch mal sehr direkt in seinen Ansagen.

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Klare Kante vom neuen Arbeitgeber-Präsidenten Dulger

Der bisherige Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger ist zum neuen Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gewählt worden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ingo Kramer dürfte es häufig klare Ansagen geben.

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Von
  • Birgit Harprath
  • Dirk Vilsmeier

Die Mitglieder der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, kurz BDA, haben den bisherigen Chef von Gesamtmetall, Rainer Dulger, zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Er löst Ingo Kramer ab, der seit 2013 Arbeitgeber-Präsident war. Dulger war bisher auch Vizepräsident der BDA.

Ton des BDA dürfte rauer werden

Wer ab jetzt mit der Arbeitgebervereinigung zu tun hat, wird sich an einen neuen Ton gewöhnen müssen: die Mitglieder, die Gewerkschaften aber auch die Politik. Ingo Kramer war in seiner Amtszeit eher ein verbindlicher Typ - wenn auch konkret in seinen Forderungen. Zu poltern oder zu polarisieren ist ihm eher fremd. Rainer Dulger dagegen hat schon bewiesen, dass er gern Tacheles redet.

Als Chef von Gesamtmetall bezeichnete er Wirtschaftsminister Altmaier als Fehlbesetzung, die Kanzlerin als verkappte Sozialdemokratin und er kritisierte scharf den Reformstau der Großen Koalition zum Beispiel in puncto Arbeitszeiten:

"Wir haben Kunden in Amerika, wir haben Kunden in Asien. Es muss früher aufgestanden werden, länger in die Nacht hineingearbeitet werden, um in Zukunft der globalen Herausforderung gerecht zu werden." Rainer Dulger, neuer BDA-Präsident

Forderungen, mit denen er sich auch bei der IG Metall nicht gerade beliebt machte. Auch mit dieser nicht: "Für weniger Arbeit kann es nicht mehr Geld geben", wie er zuletzt den Vorschlag des Tarifpartners IG Metall ablehnte, die bei schlechter Auslastung von Betrieben eine Viertagewoche mit Teillohnausgleich vorschlug.

Dulger: Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge gesetzlich verankern

Gleich zum Auftakt seiner ersten Amtszeit forderte er jetzt auch die Bundesregierung dazu auf, eine Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge gesetzlich zu verankern. "Die 40-Prozent-Grenze bei den Sozialabgaben darf keine unverbindliche Absichtserklärung mehr bleiben, sie muss in Gesetzesform gegossen und am besten sogar ins Grundgesetz aufgenommen werden", sagte Dulger der "Wirtschaftswoche" mit Blick auf die sogenannte Sozialgarantie der Regierung.

Dulger: Deutschland hat eine der schlechtesten Infrastrukturen

In der Süddeutschen Zeitung warnte er vor einem allgemeinen Abschwung in Deutschland. "Was unseren Wohlstand ausmacht, wird Stück für Stück zurückgedreht." Von der Bundesregierung forderte Dulger deshalb Reformen in mehreren Bereichen: Deutschland habe "mit die höchsten Unternehmenssteuern und Lohnkosten, aber gleichzeitig eine der schlechtesten Infrastrukturen".

Auch die von der Regierung geplante Frauenquote in Vorständen lehnt Dulger ab - wenngleich die politische Botschaft richtig sei. "Ich halte eine Quote für den verkehrten Weg, auch weil sie verfassungsrechtlich bedenklich ist", so Dulger. Wenn es keine geeigneten Kandidatinnen gebe, könne auch eine gesellschaftlich und "von den Unternehmen gewünschte Entwicklung nicht per Gesetz erzwungen werden".

Nicht nur Tacheles, sondern auch Kompromissbereitschaft

In den Tarifrunden hat Dulger aber auch bewiesen, dass er durchaus Kompromisse auf den Weg bringen kann. Und das gerade in schwierigen Zeiten wie der Finanzkrise.

Promovierter Ingenieur und Hubschrauberpilot

Dulger hat an der Universität Kaiserslautern studiert und als Doktor der Ingenieurwissenschaften abgeschlossen. Nach einer kurzen Tätigkeit bei Audi stieg der begeisterte Hubschrauberpilot 1992 in das Familienunternehmen Prominent ein, das er seit 1998 gemeinsam mit seinem Bruder Andreas führt. Der Heidelberger Hersteller von Dosier- und Spezialpumpen hat weltweit 2.700 Beschäftigte.

Seinen Job bei Prominent wird Dulger als Arbeitgeberpräsident nicht abgeben. BDA-Chef zu sein ist ein Ehrenamt.

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