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Kinder auf Verwüstungstour: Haften Eltern generell? | BR24

© pa/dpa/John Powell

Haften Eltern immer für ihre Kinder?

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    Kinder auf Verwüstungstour: Haften Eltern generell?

    Eine Spur der Verwüstung in Kulmbach, angerichtet durch zwei Brüder, vier und sechs Jahre alt. Wer haftet, wenn Kinder Schaden anrichten? Manchmal niemand - und der Geschädigte ist der Dumme.

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    In Kulmbach-Ziegelhütten haben zwei Brüder, vier und sechs Jahre alt, für Verwüstung gesorgt. Nachdem sie von zuhause ausgebüxt waren, stahlen sie verschiedene Gegenstände in der Nachbarschaft. Mit einem Gasbrenner zündeten sie einen Carport an. Auf der Suche nach Löschwasser öffneten sie einen Keller, den sie dann unter Wasser setzten. Mit einer Spraydose mit weißem Lack besprühten sie anschließend noch ein Garagentor, eine Haustür und zwei Autos. Die Polizei schätzt den Schaden, den die vier und sechs Jahre alten Brüder verursacht haben, auf etwa 15.000 Euro.

    Der Fall in Kulmbach ist haftungsrechtlich aus mehreren Gründen interessant.

    1. Haften die Kinder selbst?

    Nein, weil die beiden Brüder das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Im Straßenverkehr gilt das sogar bis zum Alter von zehn Jahren.

    Grundsätzlich ist es eine schwierige Aufgabe, die Haftbarkeit eines Kindes festzustellen. Je älter und einsichtsfähiger ein Kind ist, desto eher wird dies anzunehmen sein.

    Sollten Versicherer oder Gerichte zu diesem Urteil kommen, hat das durchaus konkrete Folgen für das Kind. Denn Schadenersatzansprüche bleiben 30 Jahre lang gültig und müssen ab dem ersten eigenen Einkommen beglichen werden.

    2. Haften die Eltern?

    Nur, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Doch das hängt immer vom Einzelfall ab. Wie alt waren die Kinder, welche Eigenarten und Charakterzüge weisen sie auf. Und: Was kann den Eltern zugemutet werden?

    Sicher nicht zumutbar ist eine "Rund-um-die-Uhr-Bewachung". Im Kulmbacher Fall ist also zu fragen: Haben die Eltern die beiden Buben so betreut, dass Dritte keinen Schaden nehmen ? Laut Polizei Kulmbach hätten die beiden Brüder "ihre Mutter ausgetrickst und seien von zu Hause ausgebüxt. Unabhängig von den Umständen dieses Falles geht die Rechtsprechung davon aus, dass Kinder ab vier Jahren ohne ständige Überwachung im Freien spielen dürfen. Mit einem gelegentlichen Kontrollblick alle 15 bis 30 Minuten hätten die Eltern ihrer Aufsichtspflicht genügt.

    3. Was, wenn die Eltern nicht haftbar zu machen sind?

    Das könnte in diesem konkreten Fall durchaus das Ergebnis sein. Die Buben hatten zum Beispiel den Autolack zerkratzt. Eine private Haftpflichtversicherung würde nicht zahlen, wenn weder das Kind noch die Eltern zur Verantwortung gezogen werden können. Dann würde auch eine Schadenersatzklage gegen die Eltern nichts nützen, denn hier wäre das Prüfergebnis das Gleiche wie bei der Versicherung.

    Für Eltern, die solche Situationen vermeiden möchten, wird eine Haftpflichtversicherung empfohlen, die einen zusätzlichen Schutz für "deliktsunfähige Personen" bietet.

    Sonst würde der geschädigte Eigentümer des zerkratzten Autos auf seinen Kosten sitzen bleiben. Nur mit vergleichsweise teurem Vollkaskoschutz wären solche "mut-und böswilligen Schädigungen" abgedeckt. Allerdings muss er sich dann finanziell selbst beteiligen und muss künftig höhere Versicherungsprämien zahlen.

    Unser Tipp

    "Pech gehabt" kann also durchaus das Ergebnis für Geschädigte sein. Davor kann sich jeder mit seiner privaten Haftpflichtversicherung schützen, indem er die sogenannte "Forderungsausfall-Klausel" vereinbart.