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Jugendschutz: Die Social-Media-Plattform TikTok gerät immer wieder in die Kritik

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    Kinder auf Tiktok: Was Eltern wissen müssen

    Was können Eltern ihren Kindern auf TikTok erlauben, was sollten sie besser einschränken? Ein neues Buch der Stiftung Warentest weiß Rat. Geschrieben hat es ein Vater, der Youtuber und Musikpädagoge ist – und selbst auf TikTok Videos macht.

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    Von
    • Anna Dannecker

    Er muss es wissen: Tobias Bücklein ist auf TikTok bekannt als „dieserdad“. Er ist Vater von zwei Kindern, Pädagoge und arbeitet als Medienproduzent. "Beim technischen Fortschritt und auch bei dem, was die Kinder können, halten Eltern oft nicht mehr Schritt.", meint er. Deswegen hat er nun einen Ratgeber geschrieben. Mit konkreten Tipps und praktischen Anleitungen für Einstellungen auf TikTok, Snapchat und Instagram.

    Großer Bedarf bei Eltern

    Sowohl die Plattformen selbst als auch Unternehmen, die Werbung schalten, haben kein großes Interesse daran, die Nutzung zu regulieren. So liege die Verantwortung bei den Erziehungsberechtigten, meint Bücklein. "Man muss sich damit beschäftigen. Und man muss eine Haltung dazu entwickeln und diese Haltung den Kindern gegenüber zum Ausdruck bringen." Und die Apps bieten da einige Möglichkeiten, das technisch zu unterstützen.

    "Begleiteter Modus" an

    Das besondere an TikTok: Als einzige der großen Plattformen bietet sie einen begleiteten Modus an. Über einen QR-Code können das Handy der Eltern und das der Kinder verbunden und dann vom Handy der Eltern aus mitbestimmt werden, was und wie die Teenager schauen können. Sich selbst mit den Apps zu beschäftigen, um die Sogwirkung nachvollziehen zu können, sei da schon auch wichtig, meint Bücklein. In TikTok stecke auch viel kreatives Potential.

    Wie schränke ich Kontakte und Inhalte auf TikTok ein?

    TikTok ist außerdem ein soziales Netzwerk. Man kann private Nachrichten schreiben, kommentieren und Videos weiterleiten. In der App kann ziemlich detailliert eingestellt werden, wer das Nutzer-Profil sehen kann, ob die App auf die Kontakte im Telefonbuch zugreifen darf und es können auch speziell Nutzer gesperrt werden. Außerdem können bestimmte Inhalte eingeschränkt werden. Sogar mit ganz individuellen Stichworten.

    Wichtig: der Blick ins Kleingedruckte von TikTok

    Im Ratgeber wird deutlich: Wenn man Videos auf TikTok hochlädt, dann sichert sich die Plattform "praktisch alle Verwertungsrechte an den von den Nutzern hochgeladenen Inhalten." Nutzungsdaten oder auch der ungefähre Standort werden erfasst – essenziell für das Geschäftsmodell von TikTok. Bücklein empfiehlt, die Datenschutzerklärung zu lesen, die TikTok in für Jugendliche verständliche Sprache veröffentlicht hat. Darin steht unter anderem, dass Daten etwa an andere soziale Netzwerke, Werbetreibende und Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden. Außerdem ob und wie es geht, die Weitergabe einzuschränken. Auf die Folgen, die es haben kann, wenn die Daten weitergegeben werden, geht Bücklein jedoch leider nicht genauer ein.

    Ab welchem Alter Kinder auf TikTok sein können

    TikTok selbst gibt an, dass man mindestens 13 Jahre alt sein sollte, um die App zu nutzen. Und bis 18 nur mit Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten. Für Bücklein ist das Alter die erste Frage: "Kenne ich mich da wirklich so gut aus, dass sich jetzt einfach eigenmächtig entscheide: Mein Kind kann das schon ab zwölf oder sogar noch früher? Das hat meistens schon auch seinen Grund, dass man das erst so spät darf." TikTok habe Filter, um unangemessene Videos einzuschränken, aber die seien auch nicht hundertprozentig verlässlich.

    Das "ob" wird Eltern nicht abgenommen

    Ob Eltern ihren Kindern überhaupt TikTok erlauben sollten, diese Entscheidung nimmt der Ratgeber Eltern nicht ab, bietet aber eine gute Grundlage für eine informierte Entscheidung. Der Autor skizziert vor allem, was es für Möglichkeiten gibt, wenn Kinder und Jugendliche schon auf TikTok sind. Bücklein geht auch auf die Zugehörigkeit von TikTok zum chinesischen Konzern „ByteDance“ ein, ohne jedoch genauer auf die fortlaufende Diskussion um die Weitergabe von Informationen an die chinesische Regierung oder Unterdrückung bestimmter Inhalte einzugehen.

    Wie viel Zeit auf TikTok?

    Innerhalb der App kann die Nutzungszeit auf mindestens 40 Minuten pro Tag eingeschränkt werden. Für Bücklein aber nicht unbedingt die beste Möglichkeit, die Zeit zu begrenzen. "Es ist immer besser, nach einer halben Stunde, wenn man eine halbe Stunde vereinbart hat, zum Kind reinzugehen und zu sagen ‚Jetzt ist eine halbe Stunde rum‘. Dann kann man sich austauschen und kriegt mit, was da gerade geschaut worden ist und was das Kind daran gut findet."

    Zeit zum Konsumieren, Zeit zum Selbermachen

    Für Bücklein war es bei seinem eigenen Sohn auch immer wichtig, zwischen passivem Berieseln-lassen und produktiver Zeit am Bildschirm zu unterscheiden. "Wenn er selber ein Video produziert und Kamera und Licht und alles gelernt hat, dann habe ich ihn dabei unterstützt. Das ist ja auch eine große Chance, wo man die Möglichkeit hat, sich auszuprobieren, sich weiterzuentwickeln und zu lernen." Kein Wunder also, dass sein Sohn Oskar auf TikTok mit 65.000 Followern schon ziemlich erfolgreich ist.

    („TikTok, Snapchat und Instagram - Der Elternratgeber. Sichere Begleitung von Kindern in Social Media“ Preis: 16,90 Euro. Stiftung Warentest. ISBN: 978-3-7471-0420-0)

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