Hochspannungsmasten stehen vor eine roten Himmel.
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Für ein stabiles Stromnetz sorgen die Netzbetreiber wie Tennet.

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    Kernkraftwerk Isar 2: Was bei Ausfällen im Stromnetz passiert

    Kernkraftwerk Isar 2: Was bei Ausfällen im Stromnetz passiert

    Das Kernkraftwerk Isar 2 ist wegen einer Störung heruntergefahren worden - der im Normalfall produzierte Strom fehlt auf dem Markt. Damit Schwankungen in solchen Fällen nicht das Stromnetz stören, gibt es klar festgeschriebene Abläufe.

    Kommt es zu Ausfällen bei der Stromproduktion wie im Fall des Kernkraftwerks Isar 2, müssen die Netzbetreiber diese Schwankungen ausgleichen. Dies geschieht über das europäische Verbundsystem, je nachdem welche Kraftwerke und Stromleitungen dort gerade über die nötige Kapazität verfügen, wie Detlef Fischer erklärt. Er ist Geschäftsführer des Verbands der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW).

    Es handele sich stets um eine Momentaufnahme, ob zum Ausgleich mehr Strom aus dem Ausland importiert werde, aus anderen Teilen Deutschlands komme oder beispielsweise regionale Gaskraftwerke aktiviert würden. Theoretisch kann in solchen Fällen auch Atomstrom etwa aus Frankreich zum Einsatz kommen – was im Winter jedoch als unwahrscheinlich gilt, da das Land dann selbst regelmäßig unter Stromknappheit leidet.

    Im aktuellen Fall musste Tennet als Netzbetreiber nach eigener Aussage jedoch gar nicht aktiv werden. Einer Sprecherin zufolge konnte Isar 2-Betreiber PreussenElektra selbst für den nötigen Ausgleich sorgen.

    Weitere Kraftwerke für Notfälle werden gebaut

    Um grundsätzlich für Notfälle besser gerüstet zu sein, werden derzeit auch die sogenannten "besonderen netztechnischen Betriebsmittel" durch die Netzbetreiber ausgebaut. Hierzu wird unter anderem in Irsching bei Ingolstadt ein neues Gaskraftwerk mit einer Leistung von 300 Megawatt errichtet.

    Gemeinsam mit weiteren Standorten wie in Biblis sollen so insgesamt 1.200 Megawatt bis Oktober 2022 zur Verfügung stehen. Diese kommen jedoch nicht im Regelbetrieb zum Einsatz, sondern sind ausschließlich als Sicherheitspuffer für die Stromversorgung gedacht. Zum Vergleich: Isar 2 hat eine Leistung von 1.400 Megawatt und macht etwa zwölf Prozent der gesamten bayerischen Stromproduktion aus.

    Netzfrequenz ist wichtig für eine stabile Stromversorgung

    Die entscheidende Kennzahl bei Schwankungen ist die Netzfrequenz, die stabil bei 50 Hertz (Hz) liegen sollte. Sinkt diese Frequenz auf 49,8 Hz, aktivieren die Kraftwerksbetreiber ihre Leistungsreserven. Kann eine solche Unterfrequenz dennoch nicht ausgeglichen werden, kann als letzte Maßnahme ein sogenannter „Lastabwurf“ erfolgen, um das Stromnetz zu schützen, so der VBEW. Hierbei wird ein Stromverbraucher – häufig sind dies Industrie-Konzerne mit hohem Verbrauch – mit geringer oder ohne Vorwarnzeit vom Netz getrennt.

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