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Keine Messen mehr: Wie sich Unternehmen jetzt vermarkten | BR24

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Unternehmer Michael Reffle begutachtet den virtuellen Messestand.

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    Keine Messen mehr: Wie sich Unternehmen jetzt vermarkten

    Messestände fallen als Präsentationsform für Unternehmen gerade aus. Stattdessen heißt es jetzt liken, teilen, Hashtags vergeben oder virtuelle Avatare gestalten. Corona zwingt die Firmen, neue Wege zu gehen und digitale Welten zu erobern.

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    Von
    • Reinhard Weber

    Seit 20 Jahren gibt es den Küchenbauer Werkhaus in Raubling bei Rosenheim. Er gestaltet individuelle Designerküchen, verbaut schon mal tonnenschwere Steinplatten, liegt im hochpreisigen Segment. Chef Willi Bruckbauer war immer mit einem großen Stand auf Messen präsent, doch Corona hat das unmöglich gemacht.

    "Ich bin jetzt seit fast 20 Jahren auf der Messe in München, 'Heim und Handwerk' und 'Handwerksmesse', es ist jetzt natürlich eine große Veränderung für uns. Aber wir haben das Glück, dass wir in den letzten 20 Jahren sehr viele zufriedene Stammkunden gewonnen haben. Und wir haben das ganze ein bisschen mehr ins Digitale verlegt." Küchenbauer Willi Bruckbauer

    Soziale Medien als Marketing-Zukunft

    In diesem Jahr hat Bruckbauer Auftritte bei Facebook, Pinterest und Instagram vorangetrieben und ist inzwischen ganz glücklich darüber. Instagram ist ein stark optisch geprägtes Medium, ein idealer Platz für seine Küchenfotos. Inzwischen hat sein Unternehmen dort fast 25.000 Abonnenten, Bilder werden oft geteilt, so kommt er zu neuer Kundschaft.

    Man könne im Netz wesentlich mehr Menschen erreichen, sagt Bruckbauer. Man könne die Zielgruppe besser bestimmen, somit kämen die Menschen auch teilweise von weiter her. Und für die speziellen Dinge, die man so zeige, da erreiche man die Menschen im Netz sogar besser.

    "Aber zum Schluss, muss ich ganz klar sagen, ich bin ein Mensch der 'face to face' liebt, und da wird sich auch nichts ändern und das wollen unsere Kunden auch so. Am Ende trifft man sich und das Geschäft macht man unter Menschen." Küchenbauer Willi Bruckbauer

    Die Auftritte in den sozialen Medien kosten Bruckbauer viel weniger als große Messestände. Denn dort ist sein Personal geblockt und die Ausstellungsstücke muss er hinterher günstig verkaufen.

    Gerade Instagram spricht eher sehr junge Menschen an. Da könnte man denken, die haben gar nicht das Geld für teure Küchen. Aber da ist auch die Erbengeneration dabei, bei der Immobilien oft bereits vorhanden sind und das Geld dann eher in schöne Küchen investiert wird.

    Marketingprofis raten zu virtuellen Messen

    Um den Ausfall realer Messen zu kompensieren, raten die Marketingprofis der Technischen Universität München zu virtuellen Hausmessen im Internet, wenn möglich unterstützt mit 3D-Präsentation. Professor Horst Wildemann aus dem Bereich Business Management sagt, Produkte würden über den digitalen Zwilling abgebildet und dargestellt über Simulationen, über Geschichten, über die Dokumentation des Kundennutzens. Hier würde es einen intensiveren Dialog mit dem Kunden geben über elektronische Medien.

    Digitale Avatare als neue Präsentation

    Die Unternehmen reagieren auf die neue Situation. Die Messebaufirma Rappenglitz aus Maisach bei München hat sich als kleine Alternative zu ausgefallenen Messen ein neues Geschäftsfeld geschaffen. Es programmiert Online-Ausstellungsräume. Für einen ihrer langjährigen Kunden, den französischen Elektrik-Konzern Schneider, entwerfen die Mitarbeiter völlig neue virtuelle Welten. Mit der Maus sollen sich Besucher in dreidimensionalen Räumen bewegen und informieren können. Digitale Avatare der Konzern-Mitarbeiter präsentieren und erklären die neuen Produkte. Doch wozu der Aufwand?

    "Generell muss man am Markt bleiben, man darf nicht verschwinden, nur weil es keine Events gibt. Die Kunden müssen sehen, dass sich auch bei uns das Rad weiterdreht, dass wir weiter im Geschäft sind", sagt Michael Reffle, Eventmanager bei Schneider Electric.

    Das Projekt ging online für eine rein digitale Hausmesse, die international die Kunden erreichen will. Neuland für alle und vielleicht die Zukunft? Michael Reffle von Schneider Electric hofft persönlich nicht, dass es die Zukunft ist, sich nur noch digital abbilden zu können. Es gehöre bei jeden Kundengespräch immer noch der menschliche Faktor dazu, sich untereinander auszutauschen und direkt auf Fragen eingehen zu können. Eine virtuelle Hausmesse sei für ihn eine Ersatzversion, bei der der Kunde sich die Basisinformation holen kann, aber das werde ein echtes Kundengespräch nicht ersetzen.

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